Donnerstag, 25. August 2016

Husserl: Bewusstseinsstrukturen in eidetischer Intuition.

Husserl: Bewusstseinsstrukturen in eidetischer Intuition.


Die bisherigen Analysen von intentionalen Akten, in denen reale, mentale und ideale Gegenstände gegeben sind, können als deskriptiv psychologische Analysen verstanden werden.
Eine solche deskriptive Phänomenologie beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung mentaler Strukturtypen, sie ist auch eine Deskription des ‚Wie der Gegebenheit‘ von bestimmten Gegenstandstypen und bezieht sich daher auch auf Gegenstände.
Deshalb ist der Begriff ‚deskriptiver Phänomenologie‘ genauer, da sie allgemein über Phänomene spricht.
Die zugehörige phänomenologische Reduktion sieht von einer Betrachtung der Gegenstände in direkter Intention im Erfahrungsleben einer natürlichen Einstellung ab und beschränkt sich auf die Frage nach dem ‚Wie der Gegebenheit‘ für auffassendes Bewusstsein.

Es handelt sich um eine Deskription, die als Phänomenologie dem Vorwurf ausgesetzt ist, im Rahmen einer deskriptiven Psychologie psychologistisch zu verfahren.
Der Vorwurf beruht sich darauf, dass Deskription allgemein Erfahrung voraussetzt und damit empirisch bleibt. Es handelt sich noch immer im den Versuch, das a priori idealer Gegenstände durch eine erfahrungsgebundene Analyse a posteriori zu erklären. Es gilt auch dann, wenn diese Analyse ergibt, dass das ‚Wie der Gegebenheit‘ idealer Gegenstände nicht auf die Gegebenheit mentaler Gegenstände reduziert werden kann.
Ist aber der besondere Charakter der Gegenständlichkeit idealer Gegenstände geklärt, dann kann dieses Resultat in einer kritischen Reflexion au die methodische Klärung des Phänomenologiebegriffes angewendet werden.
Es handelt sich insgesamt selbst um Analysen, die das Wesensapriori von Bewusstseinsstrukturen und ihnen zugeordneten Gegenstände, die in intentionalen Akten des Bewusstseins gegeben sind, analysieren.
Die freigelegte Typik des ‚Wie der Gegebenheit‘ ist keine empirische Typik, sondern selbst eine Deskription a priorischer Strukturen des Bewusstseins unter der eidetischen Reduktion.
Damit kann dem Vorwurf eines Psychologismus im Rahmen einer deskriptiven Psychologie entgegengetreten werden.
Vorausgesetzt, dass phänomenologische Analyse selbst bereits eine eidetische ist und ein a priori im phänomenologischen Sinn zum Gegenstand hat, dann ist der Einwand behoben.
Diese Ansicht vertrat Husserl kurz nach Erscheinen der ‚Logischen Untersuchungen‘, die auch seinerzeit von der phänomenologischen Schule geteilt wurde.
Husserl war bald mit dem erreichten Resultat nicht zufrieden, da das Verfahren der eidetischen deskriptiven Psychologie und Phänomenologie immer noch als ‚sublimer Psychologismus‘ charakterisiert werden kann.
Die Zweifel ergeben sich, weil das Problem des Psychologismus mit der Versicherung, die Phänomenologie habe es mit dem Bewusstseinsapriori zu tun und nicht mit einer Deskription empirischen Bewusstseins, nicht restlos beseitigt ist.
Eine eidetische Explikation der Strukturen des Bewusstseinslebens kann nur ein materiales a priori aufdecken und es wird auch weitgehend nur den Charakter eines morphologischen a priori haben.
Exakte Wesensgesetze mögen in der Extension, die für das Bewusstseinsleben als konkretes Bewusstsein gefordert ist, nämlich der Temporalität des Bewusstseinslebens, aufweisbar sein, aber sie machen das Ganze, das in ihm seine einheitliche Fundierung hat, nicht aus.
Insbesondere formale Ontologien wurden für die Klärung der Methode der Erfassung materialer Wesenheiten vorausgesetzt.
Das ist immer noch ein Zirkel, denn zweifellos ist die ‚Apodiktizität‘, das Bewusstsein der Notwendigkeit, die das Wissen um das formale Wesensapriori leitete, stärker, evidenter, als das, was bei morphologischen Wesen auftritt.
Damit wird immer noch ein apodiktisches Wissen durch ein kontingentes erklärt und zudem gilt, dass dieses kontingente Wissen das apodiktische methodisch voraussetzt.

Dieses Problem kann geklärt und gelöst werden, wenn die Phänomenologie nicht nur kritisch das ‚Wie der Gegebenheit‘ von bestimmten Gegenstandsklassen für sich analysiert, sondern radikaler nach der Voraussetzung der Gegebenheit von Gegenständen fragt.
Diese Voraussetzung ist einerseits die Gegebenheitsweise der Welt, andererseits das ‚Wie der Selbstgegebenheit‘ der Subjektivität.
Das Paradoxon des Psychologismus muss auf die ihm zugrundeliegende Paradoxie zurückgeführt werden, die sich daraus ergibt, dass einerseits ‚evidenterweise‘ nur im Bewusstsein gegeben sein kann und somit Korrelat des Bewusstseins ist und andererseits kann mit dem gleichen Recht gesagt werden, dass das Sein, die Existenz, des Bewusstseins nur als ‚Sein in der Welt‘ verstanden werden kann und nur so gegeben ist.
Eine kritische Reflexion auf die Gegebenheitsweise der Welt wird zur transzendental-phänomenologischen Reduktion führen.
Zunächst ist zu entfalten, was in eidetischer Phänomenologie erschlossen werden kann. Im Hinblick auf die höherstufigen kritischen Reflexionen kann diese Phänomenologie auch mundane Phänomenologie genannt werden, da sie die Gegebenheit der Welt noch unbefragt lässt und voraussetzt.

Phänomenologische Untersuchungen gehen von der Frage nach der Gegebenheit von Gegenständen aus.
Für die phänomenologische Deskription des ‚Wie der Gegebenheit‘ gilt, dass jede in eidetischer Einstellung vorgenommene Variation des Gegenstandstyps zugleich eine Variation des ‚Wie der Gegebenheit‘ im Bewusstsein ist und umgekehrt.
Bewusstsein und Gegenstände stehen in einer universalen Korrelation.
Das bedeutet, dass die Klärung des ‚Wie der Gegebenheit im Bewusstsein‘ eine Klärung und Näherbestimmung der eidetischen Struktur des Gegenstandes ist.

Es gilt dann auch, dass die methodisch geleiteten Variationen, die zur Erfassung der Wesensmöglichkeiten, Wesensnotwendigkeiten und Wesensunmöglichkeiten der Bewusstseinsstrukturen, in denen der Gegenstandstyp aufgefasst wird, eo ipso auch Variationen des Gegenstandstyps sind und damit ein geeignetes Mittel für die Klärung der Strukturen des eidos eines Gegenstandstyps.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

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