Mittwoch, 31. August 2016

Husserl: Assoziation in passiver Synthesis.

Husserl: Assoziation in passiver Synthesis.


Auf der untersten Stufe der statischen Analyse behandelt Husserl die assoziative Synthesis, die er als passive Synthesis bezeichnet.
Passive Synthesis spielt nicht nur bei der unmittelbaren Wahrnehmung eine Rolle, die noch nicht Wahrnehmung eines Gegenstandes im üblichen Sinne ist, sondern ein Fühlen im weitesten Sinne.
Vom Standpunkt des Kantischen Synthesisbegriffes ist die passive Synthesis ein hölzernes Eisen. Für den Kantianer ist die Synthesis ursprünglich die Aktivität des Bewusstseins.
‚Synthesis‘ ist das griechische Wort für das lateinische ‚Konstitution‘ und für das deutsche Wort ‚Zusammensetzung‘.
Konstitution kann ein aktives Zusammensetzen meinen. So baut der Architekt ein Haus, indem er es aus verschiedenen Materialien ‚zusammensetzen‘ lässt.
Der Arzt spricht von der gesundheitlichen Konstitution eines Patienten, die er nicht aktiv hergestellt hat und an der er auch nur in Grenzen etwas ändern kann.
Eine solche Konstitution kann ‚passiv‘ genannt werden, um sie von der aktiven Zusammensetzung zu unterscheiden.
In diesem Sinne spricht Husserl von einer passiven Synthesis; dabei handelt es sich um Strukturen, die vorgegeben sind und in denen höherstufig alle Bewusstseinsaktivitäten fundiert sind, die diese Strukturen voraussetzen

Die Synthesis des Zeiterlebens ist eine solche passive Synthesis. Die temporale Struktur und ihre Einheit des ursprünglichen Zeiterlebens sind vorgegeben.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass eine Bewusstseinsaktivität, die Zeit synthetisiert und ihr Einheit gibt, wie sie im Kantianismus gedacht wird und als die Spontaneität der Einheit der transzendentalen Apperzeption kein Gegenstand der Erfahrung ist, sondern eine hypothetisch vorausgesetzte Bedingung aller Erfahrung sein soll.
Vom Standpunkt der Phänomenologie ist eine hypothetische Konstruktion eine letzte Bedingung, die auch als Substruktion bezeichnet werden kann, d. h. als eine deskriptiv nicht fassbare, spekulativ unterstellte Bedingung.

Die passive Synthesis hat es auch mit koexistierenden Gehalten zu tun, die im hyletischen Feld lokalisiert sind.
Davon ausgehend gelangt man zur phänomenologischen Explikation des Assoziationsbegriffs.
Das hyletische Feld kennt Sukzession des Auftretens und Abfließens koexistenter Gehalte. Solche Gehalte treten für sich auf, wenn sie in der Ordnung der Koexistenz oder Sukzession voneinander abhebbar werden.
In diesem Abheben gibt es allgemeinste Strukturen. Grundlegend sind Kontrast- und Verschmelzungsphänomene, die sich vielfach ineinander verschachteln können und so vorgegebene in passiver Synthesis vereinigte Gestalten konstituieren.
Das prägnanteste Kontrastphänomen, das gradweise in Verschmelzung übergehen kann, ist die Struktur Vordergrund/Hintergrund.
Man kommt auf eidetisch erfasste allgemeine Strukturen dieser Art, wenn man z. B. ein bestimmtes Kontrastphänomen fixiert und verschiedene Gehalte durch es variiert, wie z. B. der Kontrast oder die Verschmelzung von verschiedenen Farben oder der Kontrast, der sich auf dem Hintergrund einer ablaufenden Melodie, die in sich bereits kontrastiert ist, durch einen plötzlichen Paukenschlag ergibt.
Dabei ist das Erfassen der eidetischen Strukturen von solchen Phänomenen passiv, im Gegensatz zum ursprünglichen Erleben von Kontrasten.
Sie sind so gegeben, dass sie die Gestaltqualitäten ursprünglich passiv vorgeben.
Um auf diese passive Vorgegebenheit zu kommen, kann man experimentell von der Betrachtung eines Filmes ausgehen, in dem es, wie in der sogenannten abstrakten Malerei, keine identifizierbaren Gegenstände gibt.
Ein abstraktes Kunstwerk ist nicht in einem logischen Sinne abstrakt, da sich weder ein empirischer, noch ein eidetischer allgemeiner oder formaler Begriff vom Gegenstand ergibt.
Es wird vom Gegenstandsauffassen abstrahiert, wobei nur kontrastierende und verschmelzende Gehalte übrigbleiben, die für sich eine ästhetische Wirkung haben. Abstrahiert wird damit von einem aktiven gegenständlichen Auffassen, das bereits zur aktiven Synthesis gehören würde.

Gehalte in Abhebung in Kontrast und in Verschmelzungsphänomenen, zu denen auch Reihungen und Mannigfaltigkeit gehören, so etwa weiße Punkte, die sich vor rotem Hintergrund abheben oder in einer temporalen Folge hier und dort aufblitzen, werden allgemein als Paarungen bezeichnet.
Paarung ist das Grundphänomen der passiven Struktur des hyletischen Feldes nach Sukzession und Koexistenz. Paarung ist das Grundphänomen der Assoziation im phänomenologischen Sinn.
Ursprünglich ist Assoziation etwas, das als vorgegeben unmittelbar in der Gegenwartsphase im hyletischen Feld erlebt wird.
Das gemeinsame Auftreten von Daten in Koexistenz und Sukzession bezeichnet Hume bereits als Assoziation.
Was fehlt ist die Analyse der eidetischen Strukturen, des ‚wie‘ der Koexistenz und Sukzession in Paarungen verschiedener Komplexionsstufe, die den Formenreichtum der Husserlschen transzendentalen Ästhetik ausmachen.

Bei der Assoziation handelt es sich um die inhaltliche Besetzung der Protention. Ein besonderes Paarungsphänomen bestimmt unser Wahrnehmungsfeld durch die Paarung eines inneren ‚Hier‘ mit einem äußeren ‚Dort‘. Das ‚Hier‘ ist kein Punkt, sondern das Innen unseres Leibkörpers, dem ein Außen gegenübersteht. Dieses Innen ist ein Feld, in dem das Wahrnehmen den Charakter eines Fühlens hat, das diffus ist, und eine Befindlichkeit ausmacht.
Zu dieser Befindlichkeit gehört zuerst das Fühlen von Strebungen und Bewegungen des Leibkörpers selbst, der Kinästhese.
In der Körperbewegung wird der eigene Leibkörper als ein sich bewegender und auch strebender Körper erlebt, wobei die Strebungen passiv als Triebe empfunden werden.
Auf der anderen Seite ist Kiästhese mit dem Erleben von Wahrnehmungsempfindungen in einem lokalisierten ‚dort‘ verbunden. Ästhesen sind passiv synthetisch immer mit Bewegungen des Leibkörpers verbunden, d. h. Ästhesen sind immer Kinästhesen.
Wir gehen um etwas herum und verfolgen mit den Augen eines sich durch bewegende Lichterscheinung. Auch auditive Erscheinungen werden kinästhetisch wahrgenommen, sofern man sich nach ihnen ausrichtet.
Auch ein Ausrichten auf eine Erscheinung, in der der Leibkörper sich nicht bewegt und dieses Nicht-Bewegen auch gefühlt wird, ist in diesem Sinne kinästhetisch.
Am prägnantesten ist der Zusammenhang von Kinästhesen und Tastempfindungen, in die der Leibkörper unmittelbar involviert ist.
Der Leibkörper empfindet insbesondere bei Tastempfindung für sich kein absolutes ‚Innen‘ gegenüber einem ‚Außen‘.
Im Betasten oder Sehen des eigenen Körpers, im Empfinden der Herzschläge, im Hören des eigenen Atmens und hervorgebrachter Laute ist der Leibkörper in einem Innen und Außen gegeben.
Presst man die Hände gegeneinander, so ist ein inneres Fühlen eines Druckes zu spüren, eines Widerstandes und zugleich das Wahrnehmen eines Außen der jeweils anderen Hand. Zudem kann man äußerlich die aufeinander gepressten Hände sehen Das Innen des Leibkörpers ist in das Außen verschränkt. Es kann sich nicht ganz in sich zurückziehen, obwohl in ihm eine Sphäre gegeben ist, die nur durch Körpergefühle empfunden und nicht auch zugleich von außen gegeben ist. Dies macht seine reine Innerlichkeit aus.
Die weitreichenden Konsequenzen liegen in der Frage nach dem intersubjektiven Charakter der Erfahrung transzendenter Gegenstände. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass bei aller Anerkennung des Erlebens des Triebs und des Strebens in der Kinästhese dieses als Paarungsphänomens vom Trieb des Körpers einerseits und seines ‚hier‘ und ‚dort‘ der in Kinästhesen aufgefassten Gehalte eine passiv vorgegebene Struktur ist.

Unter Assoziation wird ein besonders, temporal strukturiertes Phänomen verstanden. In phänomenologischer Betrachtung handelt es sich um die Assoziationen, die die inhaltliche Besetzung von Protentionen durch Gehalte, die abgesunken im Retentionskontinuum liegen, bestimmt.
Die ursprünglich in der lebendigen Gegenwart erlebten Paarungen sinken in perspektivischem Undeutlichwerden in das Retentionskontinuum ab, ohne ihren Einfluss zu verlieren.
Das Bewusstsein wird nicht durch Daten affiziert, es wird zunächst durch Kontrastphänomene ‚geweckt‘, auf die es sich in verschiedenen Formen der Aktivität konzentrieren oder fallen lassen kann.
Während des Dösens werden wir durch ein sich vom Hintergrund scharf abhebenden Geräusch oder durch eine Lichterscheinung im Kontrast ‚geweckt und können uns dem Phänomen aufmerksam zuwenden oder gleich wieder in das Dösen zurückfallen.
Ob wir das tun oder nicht, hängt daran, wie das Phänomen mit anderen im Retentionskontinuum bereits gepaart ist.
Das bedeutet, dass das im ‚Jetzt‘ in der lebendigen Gegenwart abhebende Phänomen bereits mit anderen gepaart war.
Diese Paarungsbindung, die passiv vorkonstituiert ist, besetzt unsere Protention.
Ein Summen einer Melodie wird uns nicht beunruhigen, aber das Summen einer Wespe kann uns in erhebliche Aktivität versetzen.
Die Protention ist, wenn man schon einmal gestochen wurde, mit einer sehr unangenehmen Erfahrung besetzt.
Die Protention wird durch retentional abgesunkene Paarungen besetzt und das ist Assoziation im üblichen Sinne, die nicht Auslöser einer Aktivität sein muss.
Die Assoziation kann, aber muss nicht das Ich wecken. Assoziative Prozesse laufen immer ohne unser Zutun ab.
Die Protention, die zunächst als Offenheit für neuen Gehalt charakterisiert wurde, kann aus dem Retentionskontinuum inhaltlich besetzt sein. Diese Besetzung einer Protention ist ‚unbewusst‘.
Den Ausdruck ‚Unbewusstes‘ gebraucht Husserl in diesem Zusammenhang in den ‚Analysen zur passiven Synthesis‘.
Das ‚Ich‘ ist dabei nicht beteiligt. Die Besetzung geschieht, auch wenn das ‚Ich‘ beteiligt ist, als etwas, das im hyletischen Feld geschieht. Sie gehört zur passiven Synthesis. Es gilt weiter, dass sie zeitlos ist.
Wir mögen sekundär durch Erinnerung ausfindig machen, dass die Besetzung in irgendeinem vergangenen Erlebniszusammenhang als bereits erlebter Paarungszusammenhang aufgetreten war.
Das geschieht sekundär und setzt das Erinnern als Aktivität des ‚Ich‘ voraus. Die Besetzung selbst erfolgt ohne Bewusstsein eines Zeitabstandes, der für ihre Möglichkeit und Intensität keine Rolle spielt.
Das Retentionskontinuum, aus dem heraus sie wirkt, ist stets präsent, ohne als präsent bewusst zu sein. Das ‚Es‘, so Freud, ist zeitlos.
Das Unbewusste ist zeitlos. Wäre es zeitlich strukturiert, so wäre das Unbewusste bewusst, denn es bewusst zu machen, heißt, sich erinnern.
Das wäre die phänomenologische Deskription des Unbewussten, in dem keineswegs bestimme Gehalte des Unbewussten bewusstwerden müssen.
Es wird das Besetzen von Protetionen ohne unser Zutun beschrieben, deren Ursprung wir uns nur in Ausnahmefällen ‚bewusst‘ machen. Eine vollständige Erschließung des Unbewussten ist wesensunmöglich. Die genetische Betrachtung zeigt weiter, dass es Bereiche geben wird, die grundsätzlich der Bewusstwerdung entzogen sind.

Die Besetzung der Protention kann verschiedene Strukturen haben. Ausgehend von dem durchaus nicht normalen, aber einfachsten Fall, kann die besetzte Protention und der ihre Besetzung assoziativ determinierende gegenwärtig gegebenen Gehalt als ein ursprüngliches Antezendenz (der Gehalt im Jetzt) und ein ursprüngliches Konsequens (die besetzte Protention) aufgefasst werden. Sie hat konditionalen Charakter, allerdings nicht im logischen Sinne.
Es handelt sich um die passiv vorgegebene Konditionalstruktur der Erfahrung. Man könnte ein solches Konditional Protokonditional nennen.
Erfüllt sich die Erwartung, dann fließt ihr Gehalt ab in das Retentionskontinuum und steht in einer konjunktiven Vereinigung mit dem die Protention ursprünglich auslösenden Gehalt.
Es handelt sich um eine besondere Art der Konjunktion, die der logischen Ebene dem ‚und‘ entspricht.
‚Ich ging nach Hause und legte mich schlafen‘. Eine solche Konjunktion kann nicht korrekt mit dem ‚und‘ der formalen Logik wiedergegeben werden. Es hat sein passives Analogon in der Koexistenz verschiedener, durch Kontrast voneinander abgehobener Gehalte im Jetzt.

Die andere Struktur wäre, dass eine besetzte Protention nicht erfüllt, sondern enttäuscht wird.
Eine solche Enttäuschung braucht seitens des Fühlens nicht als unangenehm empfunden werden. Es gibt auch Protentionen, die ein unangenehmes Gefühl enthalten.
Die Enttäuschung einer besetzten Protention ist eine, die für das ‚ich‘ gänzlich unerwartet kommt.

Das Erlebnis einer Protention sinkt ab ins Retentionskontinuum und kann seinerseits Protentionen besetzen, die jetzt aber protodisjunktiv gespalten ist. Auf Seiten des Gefühls ist sie von Unsicherheit begleitet, die in verunsichertem kinästhetischen Streben gefühlt wird.
Es ergibt sich zugleich eine Art von ‚Protomöglichkeit‘. Die Protention ist doppelt, ja mehrfach besetzt.
Darin liegt die bestimmte Möglichkeit, da sie eine Anzahl von Möglichkeiten in sich einschließt. Sie muss von der offenen Protomöglichkeit unterschieden werden, die sich in einem unbesetzten Protentionshorizont passiv vorkonstituiert.
Ein Protogegenstand ist eine sich von einem Hintergrund, der wechseln kann, durch Kontrast abhebende konkrete Struktur von Gehalten. Ebenso können auch Protovielheiten gegeben sein, wenn sich mehrere solcher Protogegenstände von einem Hintergrund abheben.
Protgegenstände sind keine eigentlich transzendenten Gegenstände, weil wie weder feste umrissene Identität haben, noch als Gegenstände von Eigenschaften aufgefasst werden.

Eine Frage, die die Kantische Tradition bewegt, ist nach Husserl phänomenologisch als ‚sinnwidrig‘ einzustufen. Es ist die Frage nach der transzendenten Deduktion der Kategorien, die Frage also, warum Kategorien für Gegenstände unserer Erfahrung objektive Gültigkeit haben.
In kategorialer Artikulation werden diese Formen durch urteilende Akte aktiv im Gegenstand zur Abhebung und Auffassung gebracht.
Eine Reflexion auf diese Formen in formalisierender Abstraktion fasst die rein logische kategoriale Form für sich explizit auf. Diese Formen gelten objektiv, weil sie sich genetisch aus der kategorialen Artikulation der in der Passivität vorgegebenen Formen assoziativer Strukturen entwickelt haben.
Sie sin damit in der Erfahrung im phänomenologischen Sinne angelegt. Es ist kein geheimnisvoller Akt eines transzendentalen Ich notwendig, der sich in einem geheimnisvollen transzendentalen Schematismus schematisiert und zu Formen der Verbildlichung macht. Das Ich und seine intentionalen Akte hat nur die Funktion, diese Formen zu artikulieren. Sie sind da, bevor die Verstandestätigkeit der kategorialen Artikulation einsetzt.

Die Gegebenheit anderer Leibkörper gehört zu der uns eigenen Erlebnisschicht der Animalität. Die Analyse der Gegebenheit fremder Leibkörper und anderer wird eine abstrakte Reduktion auf die Eigenheitssphäre voraussetzen, d. h. ein Ausblenden von allem, was im Bewusstsein von transzendenten Gegenständen durch die Gegebenheit des Anderen einseitig fundiert ist.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Sonntag, 28. August 2016

Husserl: Passive Synthesis. Die formalen Strukturen des inneren Zeitbewusstseins.

Husserl: Passive Synthesis.
Die formalen Strukturen des inneren Zeitbewusstseins.


Objektive Zeit oder Weltzeit ist die selbst transzendente Zeit transzendenter Gegenstände, die immer auch an der Bewegung transzendenter Gegenstände in einem transzendenten Raum fassbar werden.

Die Zeit des Bewusstseinserlebnisses ist zunächst wie ein Fluss, in dem Inhalte auftauchen, leibhaft als gegenwärtig erlebt werden und ständig abfließen.
Die Metapher ‚Fluss‘ darf nicht als ein transzendenter Gegenstand ‚Fluss‘ vorgestellt werden, der von außen als eine Bewegung vorgestellt wird und an mir vorbeifließt.
Wir stehen in unserem inneren immanenten Zeiterleben in der Quelle eines Flusses, in dem Inhalte auftauchen und abfließen und erleben uns selbst als diesen Urquellpunkt.

In der Erlebniszeit können drei Aspekte oder abstrakte Momente unterschieden werden, die alle in der Gegenwart erlebt werden.
Ein ursprüngliches Erwarten, das kein explizites Erwarten ist. Es ist ‚Offenheit der Zeitstruktur für neu auftretenden Gehalt‘.
Diese Offenheit ist keineswegs etwas, das man als eine Erwartungshaltung des Bewusstseins deuten darf.
Es ist ein Strukturmoment des immanenten Zeitbewusstseins und gehört zur Struktur der immanenten Zeit. Es ergeben sich immer wieder neu auftauchende Gehalte.
Husserl nennt diesen Zeitaspekt ‚Protention‘. Ein weiterer Aspekt ist das Erleben des ‚immerwährenden‘ Abfließens von Gehalten. Husserl spricht hier von ‚Retention‘.
Zwischen beiden steht das aktuale Jetzt, das zusammen mit der Protention der ‚Urquell‘ von Bewusstseinserlebnissen ist.

In dieser vorskizzierten Struktur treten alle Bewusstseinsinhalte auf. Es gilt, Phänomene zu finden, von denen die Zeitmomente als formale Struktur, die zur Gattung Extension gehört, abzuheben sind.
Es bieten sich Objekte an, die primär temporal bestimmt sind und deren immanenter Aspekt leicht abzuheben ist.
Solche Objekte sind auditiv gegebene Objekte, z. B. eine Melodie, eine Folge von Tönen. An dieser Folge sind die abstrakten Zeitmomente an den Tönen abzuheben und in ihrem eigenen Zusammenhang deskriptiv zu erfassen.
Dazu wählt man eine begrenzte Folge von Tönen, die voneinander durch qualitativen Kontrast abgehoben ist, und es deshalb erlauben, das temporale Kontinuum, das sich nur im Retentionsbereich ergibt, als ‚zerstückt‘ in Einheiten aufzufassen.
In einer Phase ist ein Ton im aktualen Jetzt als originär unmittelbar gegeben. Der protentionale Horizont ist offen für den folgenden Ton in einer nicht spezifizierten Erwartung. Im retentionalen Horizont steht der Ton, der gerade abgeflossen ist.
Nennen wir ihn c, den Ton im Jetzt b und den erwarteten Ton a.
Die Melodie als Inhalt fließt in dieser Struktur ab, indem b mit in den retentionalen Bereich absinkt, c aktual im Jetzt gehört wird und im protentionalen Horizont offen ein d erwartet wird. Das a sinkt dabei weiter ab. Es liegt in der retentionalen Phase eines selbst retentional abgesunkenen Tonerlebens.
Damit ergibt sich im Retentionsbereich ein Kontinuum des ‚von, von, von‘. Formal erstreckt sich dieses Kontinuum in indefinitum fort. Material aber ergibt sich in hm ein perspektivisches Phänomen.
Je weiter zurückgesunken eine Retention ist, desto schwächer wird ihr Einfluss ihres Inhaltes auf das gegenwärtige Erleben der Melodie, bis der Inhalt für das unmittelbare Wahrnehmen ganz verschwindet.
Man kann sich natürlich an abgeflossenen Phasen des Retentionskontinuums erinnern, die formale Struktur des Zeiterlebens in der lebendigen Gegenwart, der Präsenzzeit.
Unmittelbares Wahrnehmen ist noch kein gegenständliches Wahrnehmen. Die im unmittelbaren Wahrnehmen fundierten Akte des gegenständlichen Erinnerns und Erwartens sind notwendige Momente gegenständlichen Wahrnehmens.
Gegenständliches Erinnern und subjektiv auf die je eigene erlebte Vergangenheit gerichtetes Wahrnehmen muss unterschieden werden.
Das subjektive Erinnern, in dem die je eigene Vergangenheit zum Objekt wird, ist einseitig fundierend für die Konstitution des inneren Zeitbewusstseins auf der Stufe aktiver Synthesis.

Für das Erinnern eines vergangenen Erfahrungsablaufs, der immanenter Gegenstand ist, gilt, das hier ein ‚Strom im Strom‘ zur Gegebenheit kommt. Das Erinnern als intentionaler Akt hat als Bewusstseinsakt eine ihm eigene Gegenwartsphase, in der es geschieht. In diesem Akt wird eine retentional abgesunkene Phase zum intentionalen Gegenstand.
Die so vergegenständlichte vergangene Zeitphase immanenter Zeit hat die gleiche formale Struktur wie die Gegenwartsphase der erinnernden Akte. Etwas wird als vergangenes Jetzt erinnert.
Für den im gegenwärtigen Strom erinnerten vergangenen Strom gilt also, dass die Protention als bestimmt besetzte gegeben ist. Erst am reproduzierten, erinnerten vergangenen Kontinuum sind Dauer und Folge der immanenten Zeit gegenständlich fassbar. Was in der lebendigen Gegenwart des Wahrnehmens erlebt wird. ist nicht Dauer und Folge, sondern ein Abfließen.
Folge wir nur erlebt, indem in einer Erinnerung abgeflossenes Erleben die Protention in der Erinnerung als bereits determinierte und wiederholte aufgefasst werden.

In der expliziten Erwartung, in der eine zukünftige Erfahrung von einem Gegenstand vorverbildlicht wird, zeigt sich eine partiell analoge Struktur.
Auch hier kann von einem Strom im Strom die Rede sein.
Auch das Erwarten ist ein Erwarten in einer Gegenwartsphase, in dem ein Ablauf zukünftigen Erfahrens vergegenwärtigt wird.
Damit unterscheidet es sich als Bewusstseinsaktivität grundlegend von der Protention.
Die Protention ist kein explizites Erwarten, sie ist ein Aspekt in der passiven vorgegebenen Struktur der in der Gegenwartsphase erlebten Zeit.
Im Unterschied zum Erinnern bezieht sich das Erwarten nicht auf eine bereits vorgegebene Folge von Inhalten, etwa auf in die Vergangenheit abgeflossene Tonreihen.
Erwartung, so wird sich zeigen, ist eine umgestülpte Erinnerung. Sie projiziert erlebte Gehalte auf die vorverbildlichte Zukunft.

Die wesentlichen Charakteristika der formalen Grundstruktur des inneren Zeitbewusstseins lassen sich wie folgt zusammenfassend darstellen:
Zu unterscheiden ist zwischen dem ursprünglichen Zeiterleben in der lebendigen Gegenwart und dem Erleben von Vergangenheit im Erinnern und der Zukunft im Erwarten.
Charakteristisch für die Struktur der ursprünglich in der lebendigen Gegenwart erlebten Zeit ist, dass sie nicht zweiseitig linear ins Unendliche oder in ein zweiseitiges in indefinitum erstreckt ist.
Sie hat einen absoluten Anfangspunkt, der das aktuale Jetzt der Gegenwart ist.
Das aktuale Jetzt fließt nicht ab, es ist immer Jetzt, nunc stans, was in ihm abfließt, ist Gehalt.
Die immanente Zeitform selbst fließt nicht, sie steht, ist eine im aktualen Jetzt im Urquell stehende abstrakte Struktur, in der etwas abfließt.
Zeiterleben ist in dem Erleben des Abfließens von Gehalten fundiert. Darin unterscheidet sich die immanente Zeit von der transzendenten Zeit, deren Gegenwart als eine an einer vorgegebenen linearen Zeiterstreckung entlanglaufendes Etwas gedacht wird.
Von dem ursprünglichen Zeiterleben ist das Zeiterleben, das seine lebensgeschichtliche Vergangenheit und eine Zukunft hat, die in der aktiven Synthesis des Erinnerns und Erwartens gegeben ist, zu unterscheiden.
Ihr Inhalt transzendiert die lebendige Gegenwart, obwohl sie selbst in der lebendigen Gegenwart vollzogen wird. Die Sphäre der Immanenz hat erst durch Erinnerung eine erschlossene Transzendenz in der Immanenz, die durch die Erinnerung des abgeflossenen Retentionskontinuums vorgegeben ist.
Es fragt sich nun, was es heißt, vom Bewusstsein als einem Ganzen zu sprechen. Es ist nicht ein Ganzes in dem Sinne, dass uns der gesamte abgeflossene Gehalt jemals in lebendiger Gegenwart zugänglich ist.
Es stellt sich weiter die Frage, wie sich die Transzendenz in der Immanenz vom der Transzendenz der Gegenstände unterscheidet.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Samstag, 27. August 2016

Husserl: Die allgemeinsten Strukturen gegenstandsauffassenden Bewusstseins.

Husserl:
Die allgemeinsten Strukturen gegenstandsauffassenden Bewusstseins.


Genetische Phänomenologie wird nach der Vereinheitlichung des Bewusstseins für sich selbst in seiner temporal strukturierten Genese fragen.
Statische Phänomenologie analysiert Bewusstseinsstrukturen im Ausgang von Gegenstandstypen.
Das ‚Wie der Gegebenheit‘ von Gegenstandstypen wird durch die Analyse der intentionalen Akte, in denen sie gegeben sind, geklärt.
Eine Reihe solcher intentionalen Akte, in denen sie verbunden auf Gegenstände bezogen werden sind: Wahrnehmung, Erinnerung, Erwartung, Vergegenwärtigung des gegenwärtig Abwesenden, Fiktionen und Variationen, Urteilsakte, abstrahierende, generalisierende und formalisierende Abstraktion, kategoriale Anschauung und kategoriale Artikulation.
Diese Akte sind in ihrem Zusammenspiel zu analysieren, wenn die Sphäre, in der sie als immanente Gegenstände gegeben sind, untersucht wird.
Dazu ist zunächst das materiale a priori des reinen Bewusstseins zu analysieren.

Ein Ergebnis der Husserlschen eidetischen Ontologie war, dass jede Gegenstandsregion durch eine bestimmte Struktur von abstrakten Momenten ausgezeichnet ist, die ineinander so fundiert sind, dass sie die formalontologische Definition des konkret Ganzen erfüllen.
Es wird also nach den allgemeinsten Strukturen gefragt, die die Region ‚Bewusstsein‘ bestimmen.

Die allgemeinste abstrakte Struktur intentionaler Akte wird in den ‚Cartesianischen Meditationen‘ mit der Formel:
Ego – cogitatio - / - cogitatum
beschrieben.
Die cogitatio ist der intentionale Akt, der auf das cogitatum, den intentionalen Gegenstand, bezogen ist.
Das cogitatum ist, soweit es sich nicht um einen immanenten Gegenstand handelt, transzendent.
Die cogitatio und das ebo gehören zur Sphäre der Immanenz des Bewusstseins, zu der auch das hylische Feld gehört.

Husserl spricht in den ‚Ideen I‘ von:
Reines Ich – Noesis – hyletisches Feld - / - Noema – noematischer Gegenstand
und kennzeichnet die Grenze von Immanenz und Transzendenz.

In den ‚logischen Untersuchungen‘ hatte Husserl die Idee eines ‚reinen Ich‘ verworfen, um sie in den ‚Ideen I‘ im Sinne von Kant einzuführen und die Synthesis ‚beseelender‘ Noesen ebenso Kantisch als das zu betrachten, was schematisierte kategoriale Form als morphe in die Sinnlichkeit als hyle hineinbringt.
Das bedeutet, dass die hyle als solche formlos ist.
Wäre das der Fall, dann wäre Husserl Anhänger der Konstanzhypothese geworden, die die Erkenntnistheorie der frühen Empiristen bis Hume ebenso bestimmt, wie die Kantische ‚Mannigfaltigkeit der Sinnlichkeit‘.

Die Konstanzhypothese, der Ausdruck stammt von Aaron Gurwitsch, ist die Annahme, dass das hyletische Feld aus ununterschiedenen Daten besteht, die eine weiter nicht strukturierte Mannigfaltigkeit indizieren.

Die ‚Ideen I‘ machen eine solche Leseart möglich. Nimmt man sie an, dann hat Husserl eine Wende zum Kantianismus vollzogen, was allerdings auf Widerspruch stößt.
In den ‚Cartesianischen Meditationen‘ wird auch noch das ‚reine Ich‘ als ‚Ich-Pol‘ bezeichnet.
Doch ist das Kantische ‚reine Ich‘ reine Spontaneität, eine absolute Aktivität, der generell Rezeptivität und Passivität gegenübersteht.
Diese Aktivität ist zureichend als alleiniges Prinzip für die Analyse der Erfahrung und der Gegebenheit von Gegenständen in der Erfahrung.
Husserl spricht in den ‚Cartesianischen Meditationen‘ von passiver Synthesis und stellt ihr die aktive syntaktische Synthesis gegenüber.
Es ist diese aktive syntaktische Synthesis, in der zunächst der Gegenstand der Wahrnehmung als identischer, transzendenter, kategorial artikulierter Gegenstand zur Auffassung gelangt.
Kennzeichnend für assoziative Synthesis ist, dass sie an den Bindungen, die temporal-lokale Verbundenheit als Inhalte haben, verhaftet bleiben.

In aktiver Synthesis werden Inhalte, die in verschiedenen, voneinander getrennten Zeitphasen aufgefasst werden, auf denselben Gegenstand bezogen.
Es ist die aktive syntaktische Synthesis, die in der kategorialen Form zur Artikulation kommt und in der allein von einem Ich als Pol, von dem eine Aktivität ausgeht, die Rede sein kann.
In passiver Synthesis tritt das Ich zunächst nur als ein von den in passiver Synthesis vorgegebenen inhaltlichen Strukturen des hyletischen Feldes affiziertes auf.

Die Spätschriften bieten keine ausführlichen und expliziten Hinweise auf das Problem des Noemas.
Einigkeit besteht bei den Interpreten, dass der Text der ‚Ideen I‘ keine Möglichkeit der eindeutigen Interpretation auf textphilologischem Weg bietet. In ihr wird das Noema als ‚Transzendenz in der Immanenz‘ bezeichnet, was bei Husserl nicht der Fall ist.
Husserl gebraucht diesen Begriff nur mit Bezug auf die letztlich in passiver Synthese fundierten Strukturen, die einen Bezug auf Transzendenz allgemein ermöglichen.
Die an Frege anschließende Interpretation versteht unter Noema den intentionalen Sinn, der auf Gegenstände bezogen wird, wobei dieser Bezug der Fregeschen Bedeutung entsprechen soll.
Ein sachliches Problem ergibt sich daraus, dass der Begriff des Fregeschen Sinnes in der Husserlschen Phänomenologie sein Gegenstück im Begriff eidetischer und empirischer Allgemeinheit hat.
Diese Differenz wird bei Frege nicht fassbar.
Eine Gleichsetzung von ‚eidos‘ und ‚Noema‘ ist bei Husserl nicht angedeutet.
Das eidos ist ein intentionaler Gegenstand, das Noema ist ein Strukturmoment im Auffassen von Gegenständen.

Das zweite, allgemeinste abstrakte Strukturganze des Bewusstseinslebens ist die Struktur immanenter Bewusstseinszeitlichkeit. Die Struktur ist durch drei Momente bestimmt: eine Jetztphase, eine Erwartungsphase und ein Phasenkontinuum des Absinkens von Inhalten in die Vergangenheit.
Ein in bestimmten Akten zur Gegebenheit kommender Gegenstand zeigt sich in dieser temporalen Struktur in Abschattungen und verschiedenen Aspekten.
Nur in der Jetztphase kommt er in einem seiner Aspekte zur originären Gegebenheit. Der Gegenstand als Ganzer ist niemals als Ganzer, ‚von allen Seiten‘ originär zur Gegebenheit zu bringen. Er ist als Ganzer in aller Aktintentionalität nur in einer temporalen Horizontintentionalität gegeben, in der die noch nicht gegebenen Aspekte des Erwartungshorizontes und die im Vergangenheitshorizontes abgeflossenen Abschattungen in aktiver intentionaler Synthesis verbunden werden.
Die Erwartung, die sich in den Erwartungshorizont erstreckt, kann zunächst Erwartung von Aspekten des Gegenstandes sein, die durch den Noesentyp, in dem der Gegenstand gegenwärtig zur Gegebenheit kommt, zur Gegebenheit gebracht werden können, so z. B. in einem stetig fortgesetzten Wahrnehmen eines Gegenstandes.
Im temporalen Horizont der Gegebenheit eines Gegenstandes liegt auch die offene Möglichkeit des Übergangs zu anderen Noesentypen, so z. B. vom bloßen Wahrnehmen zum kategorial artikulierten Urteilen und von dort zu wahrnehmenden Noesentypen und zu kategorial artikulierten Wertebeurteilung.
Solche Einstellungswechsel in der Auffassung von Gegenstände sind nicht beliebig.

Wenn von der allgemeinsten Strukturtypik des Bewusstseins die Rede ist, darf in der Struktur ‚cogitatio – cogitatum‘, intentionaler Akt und intentionaler Gegenstand, eine wesentliche Differenz nicht übersehen werden.
Es ist die Differenz zwischen der den Bezug auf den transzendenten Gegenstand fundierenden originären Gegebenheit in der Jetztphase und dem, was durch die Horizontintentionalität vermittelt zur Gegenstandsauffassung gehört, d. h. am transzendenten Gegenstand mit aufgefasst wird.
Was in der Jetztphase originär gegeben ist, kann als noematischer Kern bezeichnet werden, der in der Terminologie der ‚Ideen I‘ auch als noematischer Gegenstandssinn genannt wird.
Demgegenüber wäre das Noema der gesamte durch Horizontintentionalität vermittelte Gehalt.
Von dieser systematischen Interpretation gilt, dass sie einerseits kompatibel mit der vom Wahrnehmungsgegenstand ausgehenden Interpretation des Noemas von Gurwitsch in Übereinstimmung zu bringen ist.
Andererseits kann auch gesagt werden, dass sich Noema überall dort, wo in einem Allgemeinheitsauffassen, das bereits in kategorialer Artikulation ein notwendiges Moment ist, eine Variation der Einbildungskraft und ein Herausschauen des Allgemeinen in der Kette der Variation im Spiele ist, eine gewisse Affinität zu dem hat, was Frege unter ‚Sinn‘ versteht.
Für eidetische Intuition, in der ideale Gegenstände ‚a priori‘ zur Auffassung gelangt, ist die Deckung vollständig.
Das gilt nicht für die sie einseitig fundierenden intentionalen Akte des Wahrnehmens und Wertnehmens im weitesten Sinne.

Die unterste Schicht in der statischen Analyse ist die der transzendenten Ästhetik im phänomenologischen Sinn, die in ihren Formen viel reichhaltiger ist als die Kantische. Die transzendentale Ästhetik ist der Bereich der passiven Synthesis.
Es gibt Analysen, die formal in dem Sinne sind, dass sie die bloße passiv vorgegebene Form des Bewusstseins, die als abstraktes Moment zur Gattung ‚Extension‘ gehört, untersuchen.
Das ist vor allem die Frage nach der Struktur des inneren Zeitbewusstseins.
Es gibt aber auch eine ‚materiale‘ Frage nach den Formen, die das hyletische Feld für sich hat.

Auf die passive stuft sich die aktive, nicht mehr assoziative Synthesis, die Husserl auch ‚syntaktisch‘ nennt und damit bereits andeutet, dass es sich hier um eine Gegenstandsauffassung in kategorialer Artikulation handelt, in der sich überhaupt erst Gegenstände im üblichen Sinne ergeben. Ihr unmittelbarer Gegenstand sind Bedeutungen, die über sich hinaus auf die Gegenstände intentional verweisen, die sie erfüllen.
Es werden hier nicht nur, wie Husserl sagt ‚doxisch-thetische‘ Akte, die sich auf Wahrnehmungsgegenstände beziehen, zu berücksichtigen sein, sondern auch andere Arten intentionaler Akte.
An diese phänomenologische Analytik schließt sich die phänomenologische Lehre von der Vernunft. Die Parallelität mit Kant, die sich bereits zeigte, ist hier mehr Gegensatz als Analogie.
Vernunft ist nach Husserl etwas, das in allen Akten, also auch in schlichten Akten des Wahrnehmens und Wertnehmens, etwa des Wertnehmens an einem ästhetisch schönen Gegenstand, innewohnt. Vernunft hat keinesfalls nur die Metaphysik als ihre Domäne.
Allen Akten wohnt ein Streben, eine Aktivität inne, in der jeder Akt strebt, seinen Gegenstand in allen seinen Aspekten zu erfassen.
Die Grade der Reichhaltigkeit und Gewissheit in der Gegebenheit von Gegenständen sind Grade der Evidenz.
Die Phänomenologie der Vernunft ist also unmittelbar eine Phänomenologie der Evidenz. Es ist die Phänomenologie der Vernunft, von der sich ein Weg zur transzendental-phänomenologischen Reduktion eröffnet.
Husserl nennt diesen Weg den ‚cartesischen‘, den man aber auch den epistemischen Weg, d. h. den Weg über das Problem des ‚wissenschaftlichen Wissens‘ nennen könnte.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Donnerstag, 25. August 2016

Husserl: Bewusstseinsstrukturen in eidetischer Intuition.

Husserl: Bewusstseinsstrukturen in eidetischer Intuition.


Die bisherigen Analysen von intentionalen Akten, in denen reale, mentale und ideale Gegenstände gegeben sind, können als deskriptiv psychologische Analysen verstanden werden.
Eine solche deskriptive Phänomenologie beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung mentaler Strukturtypen, sie ist auch eine Deskription des ‚Wie der Gegebenheit‘ von bestimmten Gegenstandstypen und bezieht sich daher auch auf Gegenstände.
Deshalb ist der Begriff ‚deskriptiver Phänomenologie‘ genauer, da sie allgemein über Phänomene spricht.
Die zugehörige phänomenologische Reduktion sieht von einer Betrachtung der Gegenstände in direkter Intention im Erfahrungsleben einer natürlichen Einstellung ab und beschränkt sich auf die Frage nach dem ‚Wie der Gegebenheit‘ für auffassendes Bewusstsein.

Es handelt sich um eine Deskription, die als Phänomenologie dem Vorwurf ausgesetzt ist, im Rahmen einer deskriptiven Psychologie psychologistisch zu verfahren.
Der Vorwurf beruht sich darauf, dass Deskription allgemein Erfahrung voraussetzt und damit empirisch bleibt. Es handelt sich noch immer im den Versuch, das a priori idealer Gegenstände durch eine erfahrungsgebundene Analyse a posteriori zu erklären. Es gilt auch dann, wenn diese Analyse ergibt, dass das ‚Wie der Gegebenheit‘ idealer Gegenstände nicht auf die Gegebenheit mentaler Gegenstände reduziert werden kann.
Ist aber der besondere Charakter der Gegenständlichkeit idealer Gegenstände geklärt, dann kann dieses Resultat in einer kritischen Reflexion au die methodische Klärung des Phänomenologiebegriffes angewendet werden.
Es handelt sich insgesamt selbst um Analysen, die das Wesensapriori von Bewusstseinsstrukturen und ihnen zugeordneten Gegenstände, die in intentionalen Akten des Bewusstseins gegeben sind, analysieren.
Die freigelegte Typik des ‚Wie der Gegebenheit‘ ist keine empirische Typik, sondern selbst eine Deskription a priorischer Strukturen des Bewusstseins unter der eidetischen Reduktion.
Damit kann dem Vorwurf eines Psychologismus im Rahmen einer deskriptiven Psychologie entgegengetreten werden.
Vorausgesetzt, dass phänomenologische Analyse selbst bereits eine eidetische ist und ein a priori im phänomenologischen Sinn zum Gegenstand hat, dann ist der Einwand behoben.
Diese Ansicht vertrat Husserl kurz nach Erscheinen der ‚Logischen Untersuchungen‘, die auch seinerzeit von der phänomenologischen Schule geteilt wurde.
Husserl war bald mit dem erreichten Resultat nicht zufrieden, da das Verfahren der eidetischen deskriptiven Psychologie und Phänomenologie immer noch als ‚sublimer Psychologismus‘ charakterisiert werden kann.
Die Zweifel ergeben sich, weil das Problem des Psychologismus mit der Versicherung, die Phänomenologie habe es mit dem Bewusstseinsapriori zu tun und nicht mit einer Deskription empirischen Bewusstseins, nicht restlos beseitigt ist.
Eine eidetische Explikation der Strukturen des Bewusstseinslebens kann nur ein materiales a priori aufdecken und es wird auch weitgehend nur den Charakter eines morphologischen a priori haben.
Exakte Wesensgesetze mögen in der Extension, die für das Bewusstseinsleben als konkretes Bewusstsein gefordert ist, nämlich der Temporalität des Bewusstseinslebens, aufweisbar sein, aber sie machen das Ganze, das in ihm seine einheitliche Fundierung hat, nicht aus.
Insbesondere formale Ontologien wurden für die Klärung der Methode der Erfassung materialer Wesenheiten vorausgesetzt.
Das ist immer noch ein Zirkel, denn zweifellos ist die ‚Apodiktizität‘, das Bewusstsein der Notwendigkeit, die das Wissen um das formale Wesensapriori leitete, stärker, evidenter, als das, was bei morphologischen Wesen auftritt.
Damit wird immer noch ein apodiktisches Wissen durch ein kontingentes erklärt und zudem gilt, dass dieses kontingente Wissen das apodiktische methodisch voraussetzt.

Dieses Problem kann geklärt und gelöst werden, wenn die Phänomenologie nicht nur kritisch das ‚Wie der Gegebenheit‘ von bestimmten Gegenstandsklassen für sich analysiert, sondern radikaler nach der Voraussetzung der Gegebenheit von Gegenständen fragt.
Diese Voraussetzung ist einerseits die Gegebenheitsweise der Welt, andererseits das ‚Wie der Selbstgegebenheit‘ der Subjektivität.
Das Paradoxon des Psychologismus muss auf die ihm zugrundeliegende Paradoxie zurückgeführt werden, die sich daraus ergibt, dass einerseits ‚evidenterweise‘ nur im Bewusstsein gegeben sein kann und somit Korrelat des Bewusstseins ist und andererseits kann mit dem gleichen Recht gesagt werden, dass das Sein, die Existenz, des Bewusstseins nur als ‚Sein in der Welt‘ verstanden werden kann und nur so gegeben ist.
Eine kritische Reflexion auf die Gegebenheitsweise der Welt wird zur transzendental-phänomenologischen Reduktion führen.
Zunächst ist zu entfalten, was in eidetischer Phänomenologie erschlossen werden kann. Im Hinblick auf die höherstufigen kritischen Reflexionen kann diese Phänomenologie auch mundane Phänomenologie genannt werden, da sie die Gegebenheit der Welt noch unbefragt lässt und voraussetzt.

Phänomenologische Untersuchungen gehen von der Frage nach der Gegebenheit von Gegenständen aus.
Für die phänomenologische Deskription des ‚Wie der Gegebenheit‘ gilt, dass jede in eidetischer Einstellung vorgenommene Variation des Gegenstandstyps zugleich eine Variation des ‚Wie der Gegebenheit‘ im Bewusstsein ist und umgekehrt.
Bewusstsein und Gegenstände stehen in einer universalen Korrelation.
Das bedeutet, dass die Klärung des ‚Wie der Gegebenheit im Bewusstsein‘ eine Klärung und Näherbestimmung der eidetischen Struktur des Gegenstandes ist.

Es gilt dann auch, dass die methodisch geleiteten Variationen, die zur Erfassung der Wesensmöglichkeiten, Wesensnotwendigkeiten und Wesensunmöglichkeiten der Bewusstseinsstrukturen, in denen der Gegenstandstyp aufgefasst wird, eo ipso auch Variationen des Gegenstandstyps sind und damit ein geeignetes Mittel für die Klärung der Strukturen des eidos eines Gegenstandstyps.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Montag, 22. August 2016

Husserl. Exkurs: Zur Terminologie von Husserl.

Husserl. Exkurs: Zur Terminologie von Husserl.



Husserl ändert seine Terminologie in verschiedenen Büchern und beantwortet auch die Frage nach dem Verhältnis von formaler Ontologie und formaler Apophantik verschieden.
Der folgende Exkurs wird zeigen, dass die Terminologie und die sachlichen Gesichtspunkte, die die ‚Formale und transzendentale Logik‘ einführt, für die sich anschließende systematische Erörterung maßgeblich sein müssen.

Die ‚Logischen Untersuchungen‘ beantworten die Frage nach dem ‚wie der Gegebenheit‘ kategorialer Form mit der Analyse der ‚kategorialen Anschauung‘. Bereits in den ‚Ideen I‘ fehlt dieser Terminus und wird durch den Typ der Wesenserkenntnis gegeben, der im Unterschied zur materialen Wesenserkenntnis formalisierende Abstraktion voraussetzt.
Auch wird explizit der Unterschied zwischen materialen und formalen Kategorien eingeführt und damit zwischen der Ontologie einerseits und den materialen Ontologien verschiedener Regionen andererseits.
Die formalisierende Abstraktion wird von der generalisierenden Abstraktion unterschieden, aber selbst nicht näher analysiert.
Die ‚Logischen Untersuchungen‘ führen den Begriff ‚formalisierende Abstraktion‘ auch ein und unterscheiden ihn von der Abstraktion, durch die abstrakten Momente in einem Ganzen zur Abhebung gelangen.
In der ‚Formalen und transzendentalen Logik‘ erinnert Husserl an den verwendeten Begriff der kategorialen Anschauung in den ‚Logischen Untersuchungen‘. Der Kontext aber, in dem sie jetzt erwähnt wird, ist derart, dass er sich auf die Auffassung, das ‚wie der Gegebenheit idealer Gegenstände‘ allgemein zu beziehen scheint.
Das bedeutet, dass der Sache nach die Position der ‚Ideen I‘ beibehalten wird. Die Frage nach dem ‚wie der Gegebenheit‘ formaler Kategorien soll mit der nach der Gegebenheit idealer Gegenstände allgemein erledigt sein.
In den ‚Logischen Untersuchungen‘ fehlt eine ausführliche Analyse des ‚wie der Gegebenheit‘ materialer Kategorien und materialer Wesenheiten.
Der Terminus ‚kategoriale Anschauung‘ bezieht sich in der VI. Untersuchung nicht auf die Auffassung kategoriale Form durch kategoriale Abstraktion, sondern auf den Prozess der kategorialen Artikulation der Gegenstände der Anschauung, der Wahrnehmungsgegenstände.

Der Begriff ‚kategoriale Anschauung‘ ist bei Husserl auch dann noch mehrdeutig, wenn man ihn nur auf formale und nicht auf materiale Kategorien bezieht.
In den ‚Logischen Untersuchungen‘ wird unter ‚kategorialer Anschauung‘ die kategoriale Artikulation eines sinnlich gegebenen Wahrnehmungsgegenstandes verstanden.
Diese Restriktion auf den sinnlich gegebenen, d. h. auf den originär gegebenen Gegenstand, ist in der Literatur kritisiert worden.
Kategoriale Artikulation gibt es auch hinsichtlich abwesender Gegenstände, über die berichtet wird. Ohne diese Annahme bliebe unverständlich, wie es zu der Anschauung kommt, in der die kategoriale Form für sich zur Auffassung gelangt, denn im Prozess der kategorialen Artikulation eines sinnlich wahrgenommenen Gegenstandes bleibt für irgendwelche Abstraktionen und Variationen kein Raum.

Kategoriale Form gelangt zur Gegebenheit, wenn synkategorematische Ausdrücke fixiert werden und die Teile der Prädikation, in denen sie einseitig fundiert sind, als Variable betrachtet werden.
Umgekehrt kann bei Fixierung bestimmten Stoffes durch Variation kategorialer Formen festgestellt werden, welche mit ihm verträglich sind.
Dabei bedeutet ‚Unmöglichkeit‘ in diesem Zusammenhang ‚formal widersinnig‘ und ‚Möglichkeit‘ indiziert, dass der Ausdruck entsprechend den Regeln der rein logischen Grammatik ‚wohlgeformt‘ und somit formal sinnvoll ist.

Husserl nahem ursprünglich an, dass sich die formale Apophantik nicht so weit erstreckt wie die formale Ontologie.
Erst in der ‚Formalen und transzendentalen Logik‘ wird das erwogen.

Husserl hat, um die Ziel seiner phänomenologischen Interessen in den ‚Logischen Untersuchungen‘ zu bestimmen, zwischen den Aufgaben der Mathematiker und denen der Philosophen unterschieden und beide voneinander getrennt.
Es ist fraglich, ob eine einfache Trennung der Bereiche im Interesse einer universal durchgeführten Phänomenologie liegen kann.
Die ‚kategoriale Abstraktion‘, durch die die kategoriale Form für sich zur Auffassung gelangt, gehört zur formalisierenden Abstraktion, die ihrerseits zu einer Erfüllung der in ihr angelegten Intention kommen kann.
Geht man davon aus, dass die phänomenologische Reduktion keine abstraktive Reduktion ist, dann gilt das auch für den Bereich formalisierender Darstellung formaler kategorialer Form und somit sind die Bereiche phänomenologischer und mathematischer Arbeit nicht so zu trennen wie zwei verschiedene Forschungsgebiete.
Der Unterschied ist vielmehr der, dass man sich in mathematischer Einstellung in der intentio recta auf den formal-idealen Gegenstand bezieht und in phänomenologischer Einstellung das ‚wie seiner Gegebenheit‘ im Blick hat.

Mit Bezug auf die natürlichen Sprachen führt der Begriff des formalen Widersinns keineswegs auf die Alternative sinnvoll/sinnlos. Zwischen sinnlosen und sinnvollen Ausdrücken schiebt sich hier die Gruppe der grammatisch mehrdeutigen Konstruktionen, die nur ausgeschieden werden kann, wenn eine Grammatik rekursiv konstruiert wird und damit eo ipso eine formalisiere Grammatik ist.
Husserl hat vorausgesetzt, dass eine rein logische Grammatik desambiguiert ist. Er verweist auch auf mathematische Begriffsbildungen und ihre kategoriale Struktur und setzt an, dass sie in einer rein logischen Grammatik eine Rolle spielen.
In der Umgangssprache kann sich dieselbe sprachliche Form auf einen verschiedenen kategorialen Sinn beziehen und ein und derselbe kategoriale Sachverhalt kann in ganz verschiedenen grammatischen umgangssprachlichen Strukturen, die nicht durch Reglementierung au feinen Nenner zu bringen sind, zum Ausdruck gebracht werden.
Die kategoriale Differenz der umgangssprachlich gleich konstruierten Ausdrücke wie ‚Schmidt und Müller sind Stadtverordnete‘ und ‚Schmidt und Müller sind Geschäftspartner‘ fallen ins Auge.
Das relationenlogische Schließen aufgrund niemals grammatisch in der Umgangssprache explizit gemachter Relationen und relationaler Eigenschaften funktioniert reibungslos, d. h., man weiß, dass Hans größer ist als Karl, wenn Hans größer ist als Peter und Peter größer ist als Karl, weil die Relation ‚größer‘ transitiv ist, was umgangssprachlich umschrieben werden kann, aber grammatisch explizit nicht zum Ausdruck kommt.

Geht man von der Sprache als Schriftsprache aus, deren kategoriale Struktur in grammatischer Reflexion betrachtet werden kann, dann liegt auch der Gedanken nahe, eine charakteristica universalis zu schaffen, in der auch die kategorialen Formen, die in der natürlichen Sprache nicht oder nur unzureichend zum Ausdruck gebracht werden, in der Mathematik aber eine Rolle spielen, grammatisch zum Ausdruck gelangen können.
Mit der Ausweitung des Sprachbegriffs, der einer rein logischen Apophantik zugrunde zu legen ist, kann angegeben werden, was eine rein logische Grammatik alles zu leisten hat.
Der sprachliche Prozess, in dem sich die Umgangssprache in die formalisierten Sprachen hinein erweitert, ist der Prozess, in dem die von Husserl geforderte Parallelität von formaler Apophantik und formaler Ontologie realisiert wird und der Prozess, der indiziert, dass alle durch Reflexion auf vorhandene sprachliche Form gewonnene Einsicht in kategoriale Strukturen sekundär ist gegenüber einer kategorialen Anschauung, die jeweils über das, was in gegebenen Sprachen apophantisch zur Verfügung steht, hinausgreift und damit Instrument der Kritik vorgegebener sprachlicher grammatischer Form ist.
Der Prozess setzt sich in der Entwicklung der formalisierten Sprachen fort und erst auf dieser Stufe kann im eigentlichen Sinne von formalisierender Abstraktion die Rede sein.

Ausgehend von einer am Wahrnehmungsgegenstand konkret entwickelten Analyse war Husserl zu einer abstrakten und formalen ontologischen Theorie der Ganzen und der Teile gekommen.
Indem er sie auf die Frage der selbstständigen und unselbstständigen Bedeutungen in allen ihren Weiterungen in der apophantischen Logik anwendet, kann man den Begriff der kategorialen Artikulation, der kategorialen Anschauung und der formalisierenden Abstraktion für die formale Apophantik in der Region der reinen Bedeutungen klären.
Man kann nun klären, wie formalisierende Abstraktion auf kategoriale Anschauung, die sich ihrerseits durch Reflexion auf kategorial artikulierte Urteile ergibt, auf das Problem der Gegebenheit von idealen Gegenständen in der formalen Ontologie angewendet werden kann.
Husserl benutzt dazu in den ‚Logischen Untersuchungen III eine zunächst materiale Analyse des visuellen Gegenstandes der Wahrnehmung als Ausgangsbasis, bezieht aber andere Wahrnehmungsgegenstände innerer und äußerer Wahrnehmung gleich ein.
Das bedeutet, dass er die formalen Kategorien Ganzes, Teil, abstraktes Moment, Stück, Fundierung, konkretes Ganzes an seiner Definition am visuellen Gegenstand entwickelt.
Er variiert durch diese Strukturen gleichzeitig andere Wahrnehmungsstrukturen als die visuellen, nämlich auditive, aber auch solche der inneren Wahrnehmung.
Der Aufstieg setzt voraus, dass man alle möglichen Wahrnehmungsgegenstände und andere Gegenstände durch diese kategorialen Formen variieren kann und sie so zu kategorialen Formen von Gegenständen überhaupt werden.
Da nun im traditionellen Sinn ‚Gegenstände‘ konkret sind, die formale Ontologie aber solche ‚Gegenstände‘ nur als sekundäre, definierbare Gegenstände anerkennt, spricht man in der formalen Ontologie von der formalen Theorie des ‚Etwas überhaupt‘.

In der formalisierten Logik hat sich eine Unterscheidung ergeben, die der Husserlschen Unterscheidung von formaler Ontologie und formaler Apophantik entspricht:
Man unterscheidet zwischen der substitutiven und der objektiven Interpretation der Quantoren, die zunächst eine Unterscheidung hinsichtlich der ‚Gegenstandsvariablen‘ x ist.
In der substitutiven Interpretation steht ‚x‘ für die Menge der logischen Namen oder Terme: a, b, c…
Damit bliebe man im Rahmen einer formalen Apophantik.
In der objektiven Interpretation wird dem ‚x‘ unmittelbar ein Objekt des Gegenstandsbereiches, des Universums D, zugeordnet, das den Ausdruck Fx erfüllt.
Es handelt sich um einen Tarski-Semantik.
Nun ist ‚x‘ dann Gegenstandsvariable, für die die Variable schlechthin nicht für ‚Gegenstand überhaupt‘ sondern für ‚Etwas überhaupt‘ steht.


Veröffentlicht von Lilith Dan