Montag, 25. Juli 2016

Kant. Die Analyse der dialektischen Schlüsse im Einzelnen.

Kant. Die Analyse der dialektischen Schlüsse im Einzelnen.


Für die Trugschlüsse der Metaphysica specialis in der psychologia rationalis, der cosmologia rationalis und der theologia rationalis gilt, dass ihre Voraussetzung das Prinzip der Vernunft ist und dass die Trugschlüsse den Schein der objektiven Gültigkeit für die Ideen der Vernunft als erschlossene Denknotwendigkeit a priori erzeugen.
Dieses Prinzip liefert keine transzendentale Deduktion der objektiven Gültigkeit dieser notiones, die aus notiones durch das Prinzip in der Reihe der Prosyllogismen erschlossen wurden.
In der metaphysica specialis ist es die Aufgabe der verwendeten Schlüsse, neben bestimmten Eigenschaften der den Ideen korrespondierenden Gegenständen auch deren objektive Gültigkeit zu liefern, was nach der transzendentalen Methodenlehre nicht möglich ist, weil die so geführten transzendentalen Beweise keine transzendental deduzierten Beweisgründe haben.

Um die logische Struktur zu analysieren, ist der Grundparalogismus zu betrachten.
In dem Verfahren der rationalen Psychologie herrscht ein Paralogismus der durch folgenden Vernunftschluss dargestellt wird.:
Was nicht anders al Subjekt gedacht werden kann, existiert auch nicht anders als Subjekt und ist also Substanz.
Ein denkendes Wesen, als solches betrachtet, kann nicht anders als ein Subjekt gedacht werden. Also existiert es nur als ein solches, d. h. als Substanz.

Im Obersatz wird von einem Wesen geredet, das überhaupt in jeder Absicht, folglich auch so, wie es in der Anschauung gegeben werden mag, gedacht werden kann. Im Untersatz aber ist nur von demselben die Rede, sofern es sich selbst als Subjekt nur relativ auf das Denken und die Einheit des Bewusstseins, nicht aber zugleich in Beziehung auf die Anschauung, wodurch es als Objekt zum Denken gegeben wird, betrachtet. Also wird per sophisma figurae dictionis, mithin durch einen Trugschluss die Conclusion gefolgert‘. 
(B 410 f)

Die Voraussetzung für die Möglichkeit, etwas nur als Subjekt zu denken ist formal betrachtet das Prinzip der Vernunft, angewandt auf die Prosyllogismen a parte priori in kategorischen Schlüssen.
‚Dass diese Auflösung des berühmten Argumentes in einen Paralogismus so ganz richtig sei, erhellt deutlich, wenn man die allgemeine Anmerkung zur systematischen Vorstellung der Grundsätze und dem Abschnitt vom Noumenon hierbei nachsehen will, da bewiesen worden: dass der Begriff eines Dinges, was für sich selbst als Subjekt, nicht aber als bloßes Prädikat bei sich führe, noch gar keine objektive Realität bei sich führe, d. i. dass man nicht wissen könne, ob ihm überhaupt ein Gegenstand zukommen könne, indem man die Möglichkeit einer solchen Art zu existieren, nicht einsieht, folglich dass er schlechterdings keine Erkenntnis abgebe. Soll er unter der Benennung einer Substanz ein Objekt, das angegeben werden kann, soll er eine Erkenntnis werden: so muss eine beharrliche Anschauung als die unentbehrliche, als die unentbehrliche Bedingung der objektiven Realität eines Begriffes, nämlich das, wodurch allein ein Gegenstand gegeben wird, zu Grunde gelegt werden‘. (B 412)

Die Subsumption eines Begriffes der metaphysica specialis als objektive Gültigkeit für die Vernunftidee des absoluten Subjektes nach dem Resultat der transzendentalen Analytik kann nicht auf Seiten des Objekts gefunden werden.
Der Untersatz ordnet der Idee und ihrem hinzugefügten Begriff kein für sich existierendes Etwas zu.
In der Explikation dieses Begriffes wird das Resultat der transzendentalen Analytik, also die Bestimmung, die dem ‚Ich denke‘ nach der transzendentalen Deduktion zukommt, vorausgesetzt.
Danach gilt, dass durch das Ich, welches denkt, kein Objekt vorgestellt wird. Das Subjekt ist insofern nicht mehr Prädikat, als die in ihm synthetisierten Vorstellungen als Prädikate genommen werden und auf diese identische, der Qualität nach einfache, weil inhaltsleere, und zu möglichen Gegenständen im Raum in Beziehung stehende Subjekt bezogen werden.
Eine dem Inhalt nach leere Vorstellung, ein Ich, das der alleinige Text der rationalen Psychologie sein soll, ist kein Gegenstand objektiv gültiger Erkenntnis, denn es ist die oberste Bedingung der Möglichkeit aller Erkenntnis.
Im Obersatz wird eine leere Zuordnung zu einer noumenalen Substanz als bloße Denkmöglichkeit gesetzt, die sich als Prinzip der Vernunft ergibt, ohne ihr eine objektive Gültigkeit zuzuordnen.
Das reine ‚Ich denke‘ kann als bloße inhaltleere Identität des reinen Subjekts der Erkenntnis inhaltlich, als was es ist, nicht erkannt werden.
Darin liegt die Differenz des Subjektbegriffes in der Major und Minor, die das denkende Wesen als ein gegebenes Objekt versteht.
Der Paralogismus als dialektischer Vernunftschluss führt durch zusätzliche Eigenschaften in dialektische Widersprüche.
Dieses Faktum stellte Kant in der Metaphysikgeschichte fest und muss als Vernunftnotwendigkeit erwiesen werden.
Geht man vom Obersatz aus und die Substanz als notwendige Bedeutung, nämlich als das Beharrliche im Raum, die Materie, ergibt sich der Schluss, dass das denkendende Wesen als Substanz gedacht materiell ist.
Geht man vom Untersatz aus, und das ist der Idealismus der traditionellen psychologia rationalis, kann das denkende Ich als Erkenntnissubjekt nichts materielles oder gar Epiphänomen der Materie sein, da es als solches Objekt der Erkenntnis und nicht Erkenntnissubjekt wäre.
Dann allerdings kann ihm dann nicht, außer dem rein noumenalen Bereich, kein Objekt beistehen, dem der Begriff der Substanz zugeordnet werden kann.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

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