Sonntag, 26. Juni 2016

Kant. Die Lehre vom Begriff.

Die formale und transzendentale Logik von Kant.Die Lehre vom Begriff.


Der Mensch erkennt mittels Vorstellungen (diskursiv), die durch gemeinsame Merkmale der Dinge den Erkenntnisgrund ausmachen.
Dabei ist dasjenige das Merkmal eines Dinges, was einen Teil der Erkenntnis davon ausmacht oder eine Partialvorstellung, sofern sie als Erkenntnisgrund der gesamten Vorstellung betrachtet wird.

Ein Merkmal ist:

-Eine Vorstellung an sich selbst.
-Ein Teilbegriff der gesamten Vorstellung eines Dinges und dadurch Erkenntnisgrund dieses Dinges selbst. (IX, 58/59)

Merkmale sind Vorstellungen, durch die Dinge erkannt werden und daher Erkenntnisgründe.
Die Vorstellungen oder die Erkenntnisgründe, die Merkmale sind, werden von Kant als diskursive Vorstellungen bezeichnet. Im Gegensatz dazu die intuitiven Vorstellungen der Anschauung.
Eine Partialvorstellung ist ein Merkmal, sofern sie sich auf eine Gesamtvorstellung von Dingen und durch sie auf Dinge bezieht.
Diskursive Partialvorstelllungen von diskursiven Gesamtvorstellungen, die sich auf Dinge beziehen, sind Merkmale Partialvorstellungen von Begriffen, die Gesamtvorstellungen sind.
Sofern ein Merkmal als Partialvorstellung eines Begriffes betrachtet wird, sind die Termini ‚Begriff‘ und ‚Merkmal‘ relativ.
Das Merkmal selbst hat auch eine Partialvorstellung und kann auch Begriff genannt werden. Daher: ‚Merkmale = Begriffe‘ und ‚Begriffe = Merkmale‘.

Kant teilt die Merkmale in spezifische Unterschiede ein:

-Die analytischen und synthetischen Merkmale;
-Die koordinierten und subordinierten Merkmale;
-Die bejahenden und verneinenden Merkmale;
-Die wichtigen und fruchtbaren oder leeren oder unwichtigen Merkmale;
-Die zureichenden und notwenigen oder unzureichenden oder zufälligen Merkmale;

-Analytische Merkmale sind diskursive Teilvorstellungen eines Begriffes, der eine diskursive Gesamtvorstellung ist.
‚Ist der gegebene Gesamtbegriff ein wirklicher Begriff, d. h. ein wirklich abgeschlossen gegebener Begriff, dann handelt es sich um einen Vernunftbegriff, was hier wohl heißen soll: einen synthetischen Begriff a priori. Erfahrungsbegriffe sind bloß mögliche ganze Begriffe, d. h. sie können durch weitere synthetische Urteile a posteriori immer weiter in der Erfahrung bestimmt werden, was natürlich bei synthetischen Begriffen a priori nicht der Fall sein kann‘. (IX, 59)

-Koordinierte Merkmale sind Merkmale eines Merkmals und damit unmittelbar, da sie einem Begriff nicht zukommen, sondern das Merkmal dieses Begriffes als Begriff behandeln und somit durch ein analytisches Urteil, das nicht den Begriff eines unmittelbaren Merkmals zum Gegenstand hat, seine unmittelbaren Merkmale in analytischen Urteilen explizieren.
Unmittelbare Merkmale sind Aggregate, dessen Elemente in keiner definierbaren Ordnung stehen, sondern kommutativ, assoziativ und abzählbar sind.

Die Form eines Aggregats für einen gegebenen Begriff:
A s {c1, c2, c3,…cn}

Die Form eines Aggregats für einen zu erweiternden synthetischen Begriff a posteriori:
A s {c1, c2, c3,…cn, …}

(s = Kopula für analytische Urteile.
Das folgende Prädikat [{c1, c 2, c3,…cn}] ist entweder die Gesamtmenge aller Merkmale oder eine Teilmenge oder eine einzelnes [{c1 }] als Teilmenge.
[{n}] in [{cn}] steht für die Anzahl der unmittelbaren Merkmale in einem Begriff.

Das Gesamtaggregat kann durch folgendes Gesamturteil, das in der Terminologie der logischen Methodenlehre als ‚Exposition eines Begriffes durch Angabe aller unmittelbaren Merkmale‘ ausgedrückt werden:
A s {c1 & c2 & c3&…&cn}

Subordinierte Merkmale sind in einer Reihe geordnet. Kant nennt das einem Merkmal subordinierte Merkmal eine Folge; das Merkmal, dem es subordiniert ist, nennt er einen Erkenntnisgrund.
Durch den Erkenntnisgrund wird die Folge erkannt, die ein anderes Merkmal, d. h. ein Begriff (kein Ding) ist.
Der Bezug des Begriffs und seiner Merkmale auf Dinge ist bereits für die Analyse der logischen Struktur, ja, in der ganzen Logik des Begriffs in der Elementarlehre, irrelevant, da nur die Formen der Beziehungen zwischen Begriffen interessieren.
Als Beispiel für die Subordination von Merkmalen:

Der Begriff ‚Mensch‘ wird dadurch erkannt, dass ein Merkmal dieses Begriffes angegeben wird: ‚Säugetier‘.
Der Begriff ‚Säugetier‘ wird dadurch erkannt, dass ein Merkmal dieses Begriffes angegeben wird: ‚Tier‘.
Der Begriff ‚Tier‘ wird dadurch erkannt, dass ein Merkmal dieses Begriffes angegeben wird: ‚Lebewesen‘.

Das Merkmal eines Merkmals eines Begriffes enthält immer weniger Merkmale als dieser Begriff selbst, da er mehrere unmittelbare Merkmale enthält, die nicht Merkmale eines anderen unmittelbaren Merkmals sind.
Die Reihe der Merkmale eines subordinierten Begriffes ist endlich und wird am Ende sich selbst als Merkmal enthalten.
Für Kant ist eine Subordinationsreihe in der Erkenntnisfolge nicht beendet, da es für ihn keine unterste Spezies gibt.

Interessant ist das analytische Urteil, dem immer ein synthetischer Begriff a priori oder a posteriori zugrunde liegt.
In der Elementarlehre wir Kant zur Unterscheidung von Erkenntnisgrund (logischer Grund) und Erkenntnisfolge (logische Folge) von Begriffen folgendes sagen:

‚Allgemeine Regeln in Absicht auf die Subordination der Begriffe.
1. Was den höhern Begriffen zukommt oder widerspricht, das kommt auch zu oder widerspricht allen niedrigern Begriffen, die unter jenen höhern enthalten sind; und
2. umgekehrt: Was allen niedrigern Begriffen zukommt oder widerspricht, das kommt auch zu oder widerspricht ihrem höhern Begriffe‘. (§ 14. IX, 98)

Zu 1.: Kommen n Merkmale einem höheren Begriff zu, so muss auch der niedere Begriff dieses Merkmal n enthalten.
So kommen dem Begriff ‚Mensch‘ alle Merkmale des Begriffes ‚Säugetier‘ zu, aber nicht vice versa.
Das Prinzip des ‚dictum de omni et nullo‘, das Prinzip der kategorischen Vernunftschlüsse, begründet Kant die Gültigkeit der Syllogismen Barbara und Celarent der ersten Figur.

Wenn wir das Zeichen ‚s‘ so verstehen, dass rechts davon der Erkenntnisgrund ist, kann die Reihe (< >) subordinierter Merkmale wie folgt dargestellt werden:
A s <c1  c2  c3 .…cn>
Die Stellen der Elemente sind hier durch Ordnungszahlen (1  2  3 .…n) festgelegt und können nicht wie in einem Aggregat (Angabe über Anzahl der Elemente) vertauscht werden.
Es ergibt sich, dass, wenn c3 von c2 und c2 von c1 ausgesagt wird, dann kann es auch c3 von c1 ausgesagt werden, da es ihm analytisch zukommt.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen