Montag, 30. Mai 2016

C. S. Peirce: Eine metaphysische Hypothese Der Prozess der Erkenntnis

C. S. Peirce: Eine metaphysische HypotheseDer Prozess der Erkenntnis


Das Vermögen, aus gegebenen Prämissen Schlüsse zu ziehen, ist eine Verhaltensweise des Verstandes, dessen Ziel es ist, durch die Betrachtung dessen, was wir bereits wissen, etwas herauszufinden, was wir noch nicht wissen.

Durch die Deduktion wird von der Regel auf das Resultat geschlossen und beweist damit, dass etwas sein muss, was eine Voraussage von Wirkungen ermöglicht.
Durch die Induktion wird vom Resultat auf die Regel geschlossen, was die Bildung einer Verhaltensgewohnheit bewirkt und damit zeigt, dass etwas tatsächlich wirkt.

‘The abductive suggestion comes to us like a flash. It is an act of insight, although of extremely fallible insight.
It is true that the different elements of the hypothesis were in our mind before; but it is the idea of putting together what we had never before dreamed of putting together which flashes the new suggestion before our contemplation’. (CP 5.181)

Durch die Abduktion wird von einem Resultat auf den Fall geschlossen, was die Entdeckung von Ursachen ermöglicht und damit eine erklärende Hypothese bildet und somit neue Ideen einführt.

‚An inference is a passage from one belief to another. In inference one belief not only follows after another, but follows from it’. (CP 4.53)

Das Schließen von den Teilen auf das Ganze ist die einzige Art von synthetischem Schlussfolgern, welche Menschen besitzen. Eine lange Folge von Schlüssen wird die Menschen zu einer Erkenntnis über die Realität bringen.

‚The object of reasoning is to find out, from the consideration of what we already know, something else which we do not know’. (CP 5.365)

Die Wirkung einer Verhaltensgewohnheit dauert so lange an, bis ein bestimmter Umstand eine Änderung der Verhaltensgewohnheit hervorbringt.
‚The force of habit will sometimes cause a man to hold on to old beliefs, after he is in a condition to see that they have no sound basis’. (CP 5.387)

Dabei ist die Wiederholung der Handlung unerlässlich für die Bildung einer Gewohnheit.

‚Verhaltensgewohnheiten sind verschieden stark, sie variieren von völliger Dissoziation bis zu untrennbarer Assoziation. Die Änderung der Verhaltensgewohnheit besteht oft darin, dass die Stärke einer Verhaltensgewohnheit steigt oder fällt.
Aber allgemein gesprochen kann man sagen, dass die Wirkungen einer Änderung der Verhaltensgewohnheit so lange anhalten, bis die Zeit oder eine bestimmtere Ursache neue Änderungen der Verhaltensgewohnheiten hervorbringen.
Es folgt natürlich, dass Wiederholungen der Handlungen, die die Änderungen hervorbrachten, diese Änderungen stärker werden lassen.
Es gibt natürlich auch andere Mittel als die Wiederholung, um Änderungen von Verhaltensgewohnheiten zu intensivieren. Insbesondere gibt es eine eigentümliche Art von Anstrengung, die man mit einem zwingenden Befehl, den man dem zukünftigen Selbst erteilt, vergleichen kann. Ich vermute, die Psychologen würden es einen Akt der Autosuggestion nennen’. (Sem. 3, 284; MS 318)

Das Gefühl des Überzeugtseins ist ein Anzeichen für eine gewisse Verhaltensgewohnheit, die unsere Handlung bestimmt. Zweifel ist dagegen ein unangenehmer und unbefriedigender Zustand, der uns zu einer Anstrengung veranlasst diesen zu überwinden und den Zustand einer Überzeugung zu suchen. So bezeichnet Peirce die Festlegung einer Überzeugung als das einzige Ziel des Forschens und ein für-wahr-halten als das Äußerste unseres Vermögens.

‚Your problems would be greatly simplified, if, instead of saying that you want to know the ‚Truth’, you were simply to say that you want to attain a state of belief unassailable by doubt. Belief is not a momentary mode of consciousness; it is a habit of mind essentially enduring for some time, and mostly (at least) unconscious’. (CP 5.416-17)


Veröffentlicht von Lilith Dan

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