Donnerstag, 28. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die Assoziation in der Psychoanalyse

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die Assoziation in der Psychoanalyse


Assoziationen sind immer in psychologisch bedeutungsvoller Folge miteinander verkettet.
Freud ersetzte Breuers Kathartische Methode, die Hypnose, durch die Assoziationsmethode.
Die Assoziation ist bei ihm nicht vorbewusst, sondern unbewusst motiviert. Ein vorbewusster Gedankengang wird ins Unbewusstsein hinabgezogen und dort umfunktioniert. Ein Novum ist ferner seine These von der Unabhängigkeit der Affekte von den Vorstellungen, die sich in ihrer Übertragung auf andere Vorstellungen kundgibt.
Die ‚Entdeckung‘ der Assoziation führte zu Freuds Verwendung der freien Assoziation bei der Traumdeutung und zu Jungs angewandten Forschungen unter Verwendung des Assoziationsexperiments.
Freuds frühe Arbeiten über Hysterie brachten ihn zu folgenden Schlüssen:

1.    Zufällige oder freie Assoziationen greifen stets, bewusst oder unbewusst, auf frühere Erfahrungen zurück; durch diese Verbindung bilden sie Netzwerke der Erinnerungen.
2.    Diese Netzwerke oder Systeme sind in verschiedenen Vorstellungskomplexen organisiert und vom psychischen Organismus derart abgespalten, dass die bewusste Kenntnis eines Glieds aus einer Assoziationskette nicht notwendigerweise die bewusste Kenntnis des psychischen Sinns der Kette insgesamt bedeutet.
3.    Die Kraft oder Energieladung jedes Elementes oder jeder Assoziation sammelt sich um einen zentralen Knotenpunkt herum.
4.    Diese Faktoren liegen den Konflikten zugrunde, welche für die eigene Psychologie einer Person spezifisch sind.

Freud verwendete eine Reihe von Begriffen wie Assoziations-kette, -faden, -zug, -linie, um die Wege der sogenannten freien Assoziation zu beschreiben.
Die experimentelle Methode zur Identifizierung persönlicher Komplexe durch Untersuchung von Assoziationen wurde von Galton entwickelt, von Wundt übernommen und modifiziert; er wollte die Gesetzmäßigkeiten entdecken und formulieren, die den Assoziationen von Vorstellungen zugrunde liegen.
Aschaffenburg und Kraepelin führten die Unterscheidung zwischen verbalen oder Klangreaktionen und inneren Assoziationen ein.
Ziehan stellt eine Verlängerung der Reaktionszeiten fest, sobald das Reizwort in Beziehung zu etwas steht, das dem Patienten unangenehm war.
Es wurde entdeckt, dass Verlängerungen der Reaktionszeit mit einer allgemein zugrundeliegenden Vorstellung oder einem gefühlsbetonten Komplex von Vorstellungen zusammenhingen.
C. G. Jung hat sich vor allem mit der Auflockerung oder dem Wegfall der Spannungen im Umfeld von Assoziationen beim Ausbruch einer Schizophrenie befasst.
Jung beschrieb das Gewebe der Assoziation als einen psychologischen Kontext, in dem ein Traum ganz natürlich eingebettet ist.
Er hielt daran fest, dass das Vorgehen gemäß den Assoziationen des Patienten das Gegenteil einer theoriegeleiteten Deutung sei, weil es eine sehr sorgfältige und fortgesetzte Aufmerksamkeit gegenüber dem individuellen assoziativen Netzwerk einer Person erfordert. Er verglich diese Deutungsarbeit mit der Übersetzung eines Textes, die den Eintritt in einen geheimen oder wohlbehüteten Bereich ermöglicht.
Jungs Arbeiten über die Assoziation waren für den Aufbau seiner Archetyptheorie von größter Bedeutung. In der Analyse kann die Assoziation erweitert werden, indem sie mittels der Amplifikation auf universelle Themen angewendet wird.
Das lässt sich als Ausweitung des assoziativen Vorgangs sehen, um so den geschichtlichen, kulturellen und mythologischen Kontext mit einzubeziehen.
Während des Assoziationsexperiments werden die Komplexe in der Regel den Verlauf in hohem Maße beeinflussen, indem sie gestörte Reaktionen veranlassen oder bestimmte Reaktionsweisen bewirken, welche daran erkannt werden, dass sie dem Sinne des Reizwortes nicht mehr entsprechen.

‚Gebildete und willensstarke Versuchspersonen können durch sprachlich-motorische Gewandtheit den Sinn eines Reizwortes mit kurzen Reaktionszeiten dermaßen abblenden, dass sie von ihm nicht erreicht werden. Dies gelingt aber nur in solchen Fällen, wo wirklich schwerwiegende, persönliche Geheimnisse geschützt werden müssen.
Die Kunst Talleyrands, durch Worte Gedanken zu verheimlichen, ist aber nur wenigen gegeben.
Unintelligente Leute, darunter besonders Frauen, schützen sich durch sogenannte Werteprädikate, was oft ein sehr komisches Bild ergibt‘.

Freud und Husserl haben die von Herbart entwickelten psychologischen Modelle bei ihrer divergierenden Forschungsrichtung auf gänzlich verschiedene Befunde adaptiert, von den methodologischen Divergenzen gar nicht zu sprechen.
Bei Freud ist das Verdrängte und daraufhin an die Bewusstseinspforte zurückdrängende nicht der anschauliche Inhalt einer Vorstellung, sondern ihr symbolischer Gehalt, die affektive Bedeutung, die sie für das Subjekt besitzt. Husserl benützt die gleiche Kategorie in seiner Modalisierungslehre.
Ricoeur schien der erste gewesen zu sein, der in ‚Die Interpretation‘ Husserls Assoziationsthematik in die phänomenologische Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse miteinbezog.
Nach Ricoeur repräsentiert die passive Genesis die Assoziation eher unzulänglich und etwas anachronistisch; so versteht er unter der passiven Genesis nicht die assoziativ motivierte Verbindung der Sinngehalte, sondern die wunschgemäße Verknüpfung, in der Sinn und Energie in eins verwickelt sind.
In der Koordination von Energie und Sinn sieht Recoeur das entscheidende Moment, das Freuds passive Genesis von derjenigen Husserls unterscheidet.
Bei Freud ist sie trieb- und wunschbedingt; der topische Aspekt, die getrennte Platzierung der durch die Verdrängung unbewusst gewordenen und gehaltenen und der vorbewussten und bewussten psychischen Inhalte, ist seinerseits abhängig vom ökonomischen Faktor.

Freund unterscheidet zwischen den ‚Bedingungen‘, die die klassischen Assoziationsgesetze der Ähnlichkeit, des Kontrasts und der Kontiguität liefern und den ‚Ursachen‘, eine Motivation, die von einem unbewussten Sinn, der in einer Wunschbeziehung zum Subjekt steht, getragen wird.
Husserl analysiert die Assoziationsgesetze rein phänomenologisch und erklärt, wie Ähnlichkeit, Kontrast und Kontiguität als Phänomene von sich aus motivierend wirken.
Er hielt den ökonomischen und phänomenologischen Aspekt der passiven Verbindung auseinander, ob man den energetischen Faktor nun mechanistisch, nach Freud, gestalthaft-feldtheoretisch, nach Laplance und Leclaire oder in einer erst noch genauer zu erarbeitenden Weise, Ricoeur, ansetzt.

Freud gebraucht den Terminus ‚Passivität‘ für das objektive Geschehen im Unterschied zum subjektiven Tun, für das Erleiden oder Empfangen von Eindrücken und für nicht bewusst gewollte, unmittelbare Prozesse neurotischer Art.
‚Wenn man dem Ich glauben will, so war es in allen Stücken aktiv, so hat es selbst seine Symptome gewollt und gemacht. Wir wissen, dass es ein gutes Stück Passivität über sich ergehen ließ, die es dann verheimlichen und beschönigen will‘ (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse).

C. G. Jung spricht von der Verdrängung als einem passiven Verschwinden.

‚Auf der anderen Seite aber muss auch anerkannt werden, dass es nicht wenig Fälle gibt, wo auch die feinste Ergrübelung kein bewusstes Zuseitelegen respektive Verdrängungen nachweisen kann, wo uns der Verdrängungsprozess vielmehr als ein passives Verschwinden oder Heruntergezogen-werden der Eindrücke erscheint‘ (G. W. VIII).

Mit der Assoziation kommt es zu Entstellungen, Verdichtungen und Verschiebungen; die das Seelenleben durchlaufenden Tendenzen machen sich geltend, insbesondere der Widerstand gegen die Bewusstwerdung.

In der Assoziation verrät sich, wie Freud ahnte, eine der ursprünglichen und einfachen Arbeitsweisen der Psyche oder nach Husserl, ein ‚transzendental-phänomenologischer Grundbegriff.
Wie für Husserl die temporalen und lokalen Formen bloße Bedingungen der Möglichkeit hyletischer Einheitsbildung darstellen, deren treibender Faktor die affektive Assoziation ist, so sind für Freund die Assoziationsketten bloße Bedingungen für höherstufige Verbindungen, deren Motor energiegeladene Sinnmotive sind.
In phänomenologischer Interpretation ruhen die Sinnzusammenhänge auf deiner zeitlichen und einer assoziativ passiven Synthese als ihrer Bedingung der Möglichkeit.
Für Husserl ist die Assoziation eine Leistung, die ‚ohne Ichbeteiligung‘, nicht als Akt setzendes Ich, aber doch als Einheitspool, auf den alle Affektionen hintendieren, zustande kommt.
Nach Freud verhindert die Zuwendung des Ich durch seine Intentionen und Handlungen den Durchbruch von assoziativen Seitenbeziehungen.


Analog wie bei Husserl ist auch bei Freud das Ich, das in den Assoziationen unbeteiligt ist, bloß das ‚Ich der Aktionen‘, während das ‚Ich der Affektionen‘ sich als wesentlich in ihnen engagiert verrät.

Veröffentlicht von Lilith Dan 

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