Donnerstag, 28. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Brentanos Auffassung der intentionalen Inexistenz

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Brentanos Auffassung der intentionalen Inexistenz


Brentanos Hauptwerk ‚Psychologie vom empirischen Standpunkt‘ hatte auf den Studenten Husserl eine entscheidende Wirkung.

‚Jedes psychische Phänomen ist durch das charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter hier nicht eine Realität zu verstehen ist) oder die immanente Gegenständlichkeit nenne werden…Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches. Und somit können wir sagen, sie seien solche Phänomene, welche einen Gegenstand in sich enthalten‘ (F. Brentano, Psychologie vom empirischen Standpunkt).

Die Psychologie wird von Brentano in zwei Klassen, die genetische, den naturwissenschaftlichen Methoden nahe stehend, und in die deskriptive, auf innere Erfahrung beruhend, eingeteilt.
Die genetische Psychologie deckt die Gesetzmäßigkeiten von Entstehen und Vergehen der psychischen Erscheinungen auf, die deskriptive Psychologie ‚weist die sämtlichen letzte psychologischen Bestandteile auf, aus deren Kombination die Gesamtheit der psychischen Erscheinungen sich ergibt‘ (Meine letzten Wünsche für Österreich).

Die Erscheinungswelt wird in zwei Klassen unterteilt: die psychische und die physische. Die psychischen Phänomene sind bestimmt als Vorstellungen und solche Phänomene, die auf Vorstellungen als ihrer Grundlage beruhen und in sich intentional einen Gegenstand enthalten.
Die physischen Phänomene erstrecken sich auf sinnliche Qualitäten, das Räumliche, das Ausgedehnte, die in der äußeren Wahrnehmung erkannt werden.
Die innere Wahrnehmung als Grundlage der Psychologie tritt immer in Verbindung mit einem psychischen Akt auf.
‚Jeder psychische Akt ist bewusst, ein Bewusstsein von ihm ist in ihm selbst gegeben‘ (Psychologie vom empirischen Standpunkt).
Dieser Akt hat ein doppeltes Objekt, das als ein primäres, ein äußeres Objekt, und ein sekundäres, ein psychisches Objekt, bezeichnet werden kann.
Die beiden Objekte sind nicht getrennt, sondern intentional aufeinander bezogen.

Thomas von Aquin lehrte, dass das Gedachte intentional in dem Denkenden sei, der Gegenstand der Liebe in dem Liebenden…und benützt diese zu theologischen Zwecken.
In dieser intentionalen Inexistenz des Objekts als immanente Gegenständlichkeit erblickt Brentano das Wesentliche des psychologischen Phänomens und analysiert es durch den Rückblick auf den scholastischen Begriff ‚objektiv‘.
Er versteht vor allem die Charakteristik der intentionalen Inexistenz als ‚die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt oder die immanente Gegenständlichkeit‘.

Aufgrund der weiterführenden Reflexion auf die verschiedenen Weisen der Beziehung des Bewusstseins auf einen Inhalt kristallisieren sich die drei Beziehungsweisen oder Vorstellungen, der Urteile und der Gemütsbewegungen heraus.

‚Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches‘.

Brentano thematisiert das Verhältnis der drei eingeteilten Klassen der psychischen Tätigkeiten.
‚Sie (die Vorstellung) ist das einfachste der drei Phänomene, indem Urteil und Liebe immer eine Vorstellung in sich schließen; sie ist ebenso das unabhängigste unter ihnen, da sie die Grundlage der übrigen ist; und ebendarum ist dieses Phänomen auch das Allgemeinste‘ (Psychologie vom empirischen Standpunkt).


Veröffentlicht von Lilith Dan

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