Donnerstag, 28. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Der intentionale Bewusstseinsbegriff

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven GenesisDer intentionale Bewusstseinsbegriff


Das intentionale Bewusstsein ist kein ‚Alles- oder Nichts-phänomen‘ und wie es Grade der Aktivierung und Aufmerksamkeit gibt, gibt es auch Stufen der Intentionalität.
Die erste Stufe, die Akt- oder Handlungsintentionalität, ist die ursprüngliche oder grundlegende Form von Intention, die bereits im vormenschlichen Beriech anzutreffen ist und bis zu jenen Lebewesen reicht, die eine neuronale Ausstattung besitzen.

Im Sinne von Bretano, dass in jedem Akt der Zuwendung oder Abwendung sich jemand auf etwas Anderes richtet, auf das zu erreichen oder vor dem man zu fliehen versucht.
Die Intentionalität ist somit ein Schlüsselbegriff zur Erklärung der Struktur jedweden Verhaltens.
Bei den komplexen Formen der Verhaltens- oder Handlungsintentionalität ist nicht nur der Gehalt des intentionalen Zustandes, sondern auch sein bestimmter Modus zu unterscheiden.
Mit der Handlungsintentionalität lässt sich auch die kausale Rolle des Bewusstseins in einer kausal geschlossenen Welt erklären, die von Kant als Kausalität der Freiheit von der Kausalität der Natur unterschieden wurde.
Diese geistigen und körperlichen Bestandteile einer Handlung müssen bei jeder normalen Handlung eine Einheit bilden.

William James ist es mit einem relativ einfachen Experiment gelungen, den geistigen Bestandteil, die Intention, aus einer Handlung herauszulösen:
In einem dunklen Zimmer wurde ein Arm der VP betäubt und seitlich festgebunden; dann wurde der Befehl erteilt, den Arm hochzuheben. Die VP gehorchte, bzw. glaubte es und war erstaunt, erfahren zu müssen, dass der Arm in Wirklichkeit nicht hochging.

Im Extremfall spontaner Handlungen kann man von einer Handlungsintensität sprechen, die eine sogenannte ‚unbewusste Absicht‘ darstellt.
‚Unsere Hand fängt die fallende Tasse auf, noch ehe das Bewusstsein ihr Fallen klar erlebte oder Anweisungen geben konnte‘ (Sherrington).
Vorausgehende Absichten, die die Handlung in ihrem Ablauf und Ende bestimmen, sind das Ergebnis von logischen Operationen, die seit Aristoteles ‚praktisches Schließen‘ genannt werden.

Die zweite Intentionalitätsstufe kann als kognitive Intentionalität oder als Repräsentation bezeichnet werden.
Die Vorstellung, dass selbst der anorganischen Materie in objektiver Weise Information zukommt, ist nur unter der Voraussetzung gültig, dass sich Strukturen verändern können.
‚Information gibt es nur dort, wo die Strukturen oder Form fließt‘ (C. F. v. Weizsäcker).

Gegenstände sind nichts Anderes als länger andauernde Ereignisse oder Zustände. Informationen entstehen nur in einer Welt, in der es nicht nur Ereignisse, die bereits von vornherein determiniert sind, sondern auch Alternativen gibt.
Repräsentation ist stets ein Akt der kognitiven Intentionalität und als solcher ex definitione eine Bewusstseinsleistung, bei der eine Entscheidung zwischen Alternativen getroffen wird.

Die dritte Intentionalitätsstufe, das reflexive Selbstbewusstsein, ist das ganzheitliche Phänomen der Selbstreferenz, das in einem komplexen System auftreten muss, wenn es selbst mit seinen eigenen, elementar intentionalen Zuständen interagiert.
Doch ist kein reales oder abstraktes System auf dieser Welt autonom im absoluten Sinnes des Solipsismus.
Dass das Selbstbewusstsein nichts Anderes ist und nichts Anderes sein kann als der Repräsentationen oder Kantisch ausgedrückt, das ‚Ich, das alle meine Vorstellungen begleiten muss‘, ist es als solches rein und leer für sich überhaupt nicht erkennbar.
Aus der experimentellen Tatsache der Introspektion ergibt sich eine Art ‚psychologisches Unbestimmtheitsprinzip‘, da eine Mitteilung über einen Bewusstseinszustand Bewusstseinskapazität in Anspruch nimmt, was die für das betrachtende Phänomen zur Verfügung stehende Kapazität reduziert und sie folglich modifiziert.
Das Selbstbewusstsein ist daher keine feste Bühne, auf der die unterschiedlichsten Repräsentanten auf- und abtreten, sondern gleicht ‚dem Leben eines Vogels, in dem ständiger Wechsel von flüchtiger Bewegung und Ruhe herrscht‘ (William James).


Veröffentlicht von Lilith Dan

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