Samstag, 30. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die assoziative Synthesis als Prinzip der passiven Genesis

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die assoziative Synthesis als Prinzip der passiven Genesis


Korrelativ zeichnen sich die entsprechenden Bewusstseinserlebnisse noetisch als weckendes und gewecktes Bewusstsein aus.

Husserl unterscheidet zuerst zwei Hauptgruppen der Assoziation:
Die gewöhnliche Assoziation, auf der einen und die Urassoziation auf der anderen Seite.
Diese unterteilt er in je zwei Untergruppen:
Die erste Gruppe in die reproduktive und die antizipative, die zweite Gruppe in die voraffektive und die affektive.

Mit dieser Unterscheidung differenziert und erweitert Husserl die traditionelle Assoziationslehre, die nach seiner Auffassung allein die gewöhnliche Assoziation, d. h. die reproduktive und die antizipative beschreiben.
Die reproduktive Assoziation gilt als Assoziation im ersten und eigentlichen Sinn, die in zwei Phasen zerfällt:
Die bloße Weckung einer Leervorstellung und die eigentliche Reproduktion.
Bei der Leervorstellung gelangen nur einzelne Sinnesmomente des fixierten Gegenstands zur Abhebung, der Rest bleibt leer.
Jede Leervorstellung tendiert in sich nach der vollumfänglichen und selbstgegebenen Reproduktion ihres Intendierten.
Die Reproduktion lässt im retentionalen Horizont Sedimentiertes und erkaltete Affektionen in neuer Gestalt konstitutiv wirksam werden.
Diese Wiedererinnerung bezeichnet einen Modus des Wiederzurückkommens auf früher Erfahrenes und Bekanntes. Je nachdem gibt sich die Assoziation als eine Identitäts- oder Gleichheitsdeckung und das Assoziierte als ein Identisches oder Gleiches.
Die Reproduktion der Nahsphäre der noch lebendigen Retention hat vor der Reproduktion der Fernsphäre Vorrang,
In der Nahsphäre ordnet sich das Geweckte dem Feld der impressionalen Gegenwart wieder ein und erweitert dieses. In der Fernsphäre besteht kein unmittelbarer Zusammenhang mit der weckenden Gegenwart, die sich durch ihre Sprunghaftigkeit auszeichnet.
Die antizipierende Assoziation füllt den leeren Zukunftshorizont mit mehr oder konkreten Inhalten. Die Genesis der assoziativen Erwartungen und die Genesis der Apperzeption gehören zusammen.

‚Wir können hier direkt die Motivationskausalität als eine Notwendigkeit sehen‘ (Analysen zur passiven Synthesis, XVIII).

Zur Erwartung gehört auch die Möglichkeit, dass sie sich nicht erfüllt und einer Modalisierung unterliegt.

‚Assoziieren ist selbst nur ein Name für Induzieren und besagt: etwas erinnert an etwas‘ (Mundane Phänomenologie, A VII, 11).

Hier werden Assoziation und Induktion zur Bezeichnung der zusammenhangstiftenden Leistungen des Bewusstseins gleichgesetzt.

‚Induktion ist in erster Ursprünglichkeit nicht ein logisch schließender Prozess, also der Sphäre prädikativen Urteils zugehörig und korrelativ er Titel für eine Art von Beweisen…sondern ein zum Bereich der Erfahrung selbst und der aus Erfahrung erworbenen Seinsgewissheit gehöriger Prozess der Vorzeichnung, bzw. Verweisung, eben Induktion‘ (Mundane Phänomenologie, A VII, 11).

Die passiven Induktionen berechtigen sich im kontinuierlichen Strömen von selbst und sind nicht, wie die aktiven Induktionen, einer nachkommenden Begründung bedürftig.
Die Urassoziation der lebendigen Gegenwart schaffen die affektiven Einheiten und Mehrheiten, die für die Gegenstandskonstitution vorausgesetzt ist.
Die affektive Assoziation, eine homogen sich ausbreitende Farbfläche schafft eine kontinuierliche Nahverschmelzung zur Abhebung einer ursprünglichen Einzelheit. Durchgehende Homogenität führt zur Absonderung einer Einzelheit, intermittierende Heterogenität zur Abhebung von Mehrheiten.
Eine ins Gesichtsfeld eintretende Farbfläche strahlt sogleich auf den Rest der Fläche, der noch im Hintergrund und im Horizont liegen mag, weckt sie und weckt sie in anderer Hinsicht auch die kinästhetische Zuwendung, die Augen- und Kopfbewegung, die die ganze Fläche ansichtig macht.

‚Die Einführung der Rede von Weckung deutet natürlich schon an, dass wir es hier mit etwas den Assoziationen im gemeinsamen Sinn so nah Verwandtem zu tun haben, dass im erweiterten schon hier von Assoziationen, von Urassoziationen gesprochen werden könnte, bei denen also noch nicht Reproduktion in Frage steht‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

‚Entscheidende Einsichten in das Wesen der Assoziation können wir nur gewinnen, wenn wir die Funktion der Affektion, ihre Eigenart und ihre Abhängigkeit von ihren Wesensbedingungen zum gesetzlichen Verständnis bringen‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Eine Affektion ist ein Reiz, der von einer Bewusstseinsgegebenheit auf das Ich ausgeübt wird, es zu einer interessierten und aktiven Zuwendung einladend.
Es wird Uraffektion genannt, wenn er von einer noch nicht vergegenständlichen, vorobjektiven intentionalen Einheit ausstrahlt. Die affektiven Einheiten bilden die ursprünglichste Grundlage für die Aktivität des Ich, seine Rezeption, Apperzeption, Explikation, Kollektion.

‚Jedes abgehobene Datum steht nicht nur äußerlich zum anderen in lebendigen Beziehungen der Sukzession. Vielmehr hat es in sich selbst einen inneren synthetischen Aufbau in einer Kontinuität der Folge. Diese innere Kontinuität ist das Fundament einer kontinuierlichen inhaltlichen Verschmelzung‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Alle einheitliche Abhebung ist Abhebung durch inhaltliche Verschmelzung unter Kontrast.
Die voraffektiven Assoziationen sind Einheiten, die sich für sich bilden und erst nachträglich das Ich affizieren.

‚Nehmen wir an, in der Passivität ist alles Deckungsfähige eo ipso in Deckungssynthese, also ohne eigentliche Kausalität, dann ist die assoziative Synthese keine bloße Deckungssynthese, sondern etwas Neues, das sie nur voraussetzt‘.
In ‚Erfahrung und Urteil‘ erscheinen unbewusste Deckungssynthesen als Voraussetzung der assoziativen Weckung, wobei es sich hier um unaffektiv gewordene ehemalige Anschauung handelt.
Die Möglichkeit einer Weckung, ausgehend vom Gegenwärtigen und gerichtet auf Vergangenes, muss eine schon voraus passiv konstituierte Einheit im Unterbewusstsein implizieren, die verschiedene Lagen der wirklichen und versunkenen Anschauung verbindet; eine Verlebendigung von etwas, was vorher schon da war.
In der Wiedererinnerung spielt die Ähnlichkeitsassoziation die primäre und fundierende Rolle.

‚Alle unmittelbare Assoziation ist Assoziation der Ähnlichkeit‘ (Eu U).

Bei der unreinen Ähnlichkeit heben sich die synthetische Deckung des Gemeinsamen und der synthetische Widerstreit der sich wechselseitig verdrängenden Besonderheiten voneinander ab; die Gleichheit als der Limes der Ähnlichkeit vermag die stärkste geschlossene Verbindung zu schaffen.
Der Kontrast erscheint als die komplementäre Bedingung der Homogenitätsverschmelzung, das seinerseits eine Einheitsbeziehung schafft.
Kontinuität und Homogenität führen zusammen zu unbedingt notwendigen Verschmelzungen, die sich, ähnlich den Zeitsynthesen, in starrer Passivität durchsetzen.
Die Ordnungsformen der Koexistenz und Sukzession sind ein Passivitätsphänomen. Die assoziativen Weckungen und Verschmelzungen folgen den verschiedenen Linien der räumlichen Koexistenz und der zeitlichen Sukzession als deren Ordnungsformen. Koexistenz bedeutet nach Husserl ein Zusammen mehrerer Urimpressionen oder Gegenstände und ihr Ablaufmodus ist die Sukzession.


‚Mehrere, viele Urempfindungen sind auf einmal, und wenn jede fließt, so fließt die Vielheit zugleich und in völlig gleichem Modus, mit völlig gleichen Abstufungen, in völlig gleichem Tempo; …Was für ein Zusammen ist als Urempfindungszusammen, das verbleibt ein Zusammen im Modus der Abgelaufenheit‘ (Z B).

‚Ist nun das Zeitbewusstsein die Urstätte der Konstitution von Identitätseinheit oder Gegenständlichkeit, und dann der Verbindungsformen der Koexistenz und Sukzession aller bewusstwerdenden Gegenständlichkeit, so ist es doch nur das eine allgemeine Form herstellende Bewusstsein.
Bloße Form ist freilich eine Abstraktion. In der Assoziation dagegen vollziehen sich die über die transzendentale Zeitsynthese hinausreichenden inhaltlichen Synthesen‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Als dritte formales und allgemeines Ordnungsprinzip stellt Husserl eine Betrachtung über das Verhältnis zwischen dem Ganzen und den Teilen an; danach relativiert sich diese Unterscheidung, weil sie, je nachdem die Gegebenheit eines Ganzes, seine effektive Abhebung und damit die Möglichkeit seiner Erfassung den Teilen vorhergeht oder umgekehrt, von den wechselnden Bedingungen der Affektion und von der sachlichen Einheit sachlich bestimmender Bedingungen abhängt.

‚Würden die Lichter der Lichtreihe in zeitlichem Nacheinander aufstrahlen, so würde die Reihe als Ganzes in der Gegebenheit natürlich der Gegebenheit der Einzelnen nachfolgen.
Aber zuletzt kommen wir doch auf ursprüngliche Einzelheiten, das ist auf Gegenstände, die unter allen Umständen aus Wesensgründen zuvor als Ganzes gegeben sein muss, damit ihre Teile gegeben sein können.
Husserl erfasst die einzelnen Glieder als schon abgehobene, vollkonstituierte sinnliche Daten und frag unter dieser Voraussetzung nach dem Verhältnis zwischen den selbstständigen Teilen (LU II, 1).
Die Abhebung eines einzelnen sinnlichen Datums in der Einheitsbildung des voraffektiven Feldes ist nur dann möglich, wenn ein einzelnes Sinnesdatum nicht isoliert in das Sinnesfeld eintritt, sondern immer im Ganzen des zusammenhängenden Sinnesfeldes.

Nach Husserl ist die voraffektive Synthesis gegenüber der affektiven Synthesis, die notwendig eine inhaltliche Abhebung voraussetzt, ungegenständlich. Durch die gründliche Aufhellung der Verhältnisse zwischen affektiver und voraffektiver Synthesis wird auch das Verhältnis der Gegebenheit der Ganzheit und der Teile im Sinnesfeld deutlich.


Veröffentlicht von Lilith Dan

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