Samstag, 30. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die assoziative Synthesis als Prinzip der passiven Genesis

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die assoziative Synthesis als Prinzip der passiven Genesis


Korrelativ zeichnen sich die entsprechenden Bewusstseinserlebnisse noetisch als weckendes und gewecktes Bewusstsein aus.

Husserl unterscheidet zuerst zwei Hauptgruppen der Assoziation:
Die gewöhnliche Assoziation, auf der einen und die Urassoziation auf der anderen Seite.
Diese unterteilt er in je zwei Untergruppen:
Die erste Gruppe in die reproduktive und die antizipative, die zweite Gruppe in die voraffektive und die affektive.

Mit dieser Unterscheidung differenziert und erweitert Husserl die traditionelle Assoziationslehre, die nach seiner Auffassung allein die gewöhnliche Assoziation, d. h. die reproduktive und die antizipative beschreiben.
Die reproduktive Assoziation gilt als Assoziation im ersten und eigentlichen Sinn, die in zwei Phasen zerfällt:
Die bloße Weckung einer Leervorstellung und die eigentliche Reproduktion.
Bei der Leervorstellung gelangen nur einzelne Sinnesmomente des fixierten Gegenstands zur Abhebung, der Rest bleibt leer.
Jede Leervorstellung tendiert in sich nach der vollumfänglichen und selbstgegebenen Reproduktion ihres Intendierten.
Die Reproduktion lässt im retentionalen Horizont Sedimentiertes und erkaltete Affektionen in neuer Gestalt konstitutiv wirksam werden.
Diese Wiedererinnerung bezeichnet einen Modus des Wiederzurückkommens auf früher Erfahrenes und Bekanntes. Je nachdem gibt sich die Assoziation als eine Identitäts- oder Gleichheitsdeckung und das Assoziierte als ein Identisches oder Gleiches.
Die Reproduktion der Nahsphäre der noch lebendigen Retention hat vor der Reproduktion der Fernsphäre Vorrang,
In der Nahsphäre ordnet sich das Geweckte dem Feld der impressionalen Gegenwart wieder ein und erweitert dieses. In der Fernsphäre besteht kein unmittelbarer Zusammenhang mit der weckenden Gegenwart, die sich durch ihre Sprunghaftigkeit auszeichnet.
Die antizipierende Assoziation füllt den leeren Zukunftshorizont mit mehr oder konkreten Inhalten. Die Genesis der assoziativen Erwartungen und die Genesis der Apperzeption gehören zusammen.

‚Wir können hier direkt die Motivationskausalität als eine Notwendigkeit sehen‘ (Analysen zur passiven Synthesis, XVIII).

Zur Erwartung gehört auch die Möglichkeit, dass sie sich nicht erfüllt und einer Modalisierung unterliegt.

‚Assoziieren ist selbst nur ein Name für Induzieren und besagt: etwas erinnert an etwas‘ (Mundane Phänomenologie, A VII, 11).

Hier werden Assoziation und Induktion zur Bezeichnung der zusammenhangstiftenden Leistungen des Bewusstseins gleichgesetzt.

‚Induktion ist in erster Ursprünglichkeit nicht ein logisch schließender Prozess, also der Sphäre prädikativen Urteils zugehörig und korrelativ er Titel für eine Art von Beweisen…sondern ein zum Bereich der Erfahrung selbst und der aus Erfahrung erworbenen Seinsgewissheit gehöriger Prozess der Vorzeichnung, bzw. Verweisung, eben Induktion‘ (Mundane Phänomenologie, A VII, 11).

Die passiven Induktionen berechtigen sich im kontinuierlichen Strömen von selbst und sind nicht, wie die aktiven Induktionen, einer nachkommenden Begründung bedürftig.
Die Urassoziation der lebendigen Gegenwart schaffen die affektiven Einheiten und Mehrheiten, die für die Gegenstandskonstitution vorausgesetzt ist.
Die affektive Assoziation, eine homogen sich ausbreitende Farbfläche schafft eine kontinuierliche Nahverschmelzung zur Abhebung einer ursprünglichen Einzelheit. Durchgehende Homogenität führt zur Absonderung einer Einzelheit, intermittierende Heterogenität zur Abhebung von Mehrheiten.
Eine ins Gesichtsfeld eintretende Farbfläche strahlt sogleich auf den Rest der Fläche, der noch im Hintergrund und im Horizont liegen mag, weckt sie und weckt sie in anderer Hinsicht auch die kinästhetische Zuwendung, die Augen- und Kopfbewegung, die die ganze Fläche ansichtig macht.

‚Die Einführung der Rede von Weckung deutet natürlich schon an, dass wir es hier mit etwas den Assoziationen im gemeinsamen Sinn so nah Verwandtem zu tun haben, dass im erweiterten schon hier von Assoziationen, von Urassoziationen gesprochen werden könnte, bei denen also noch nicht Reproduktion in Frage steht‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

‚Entscheidende Einsichten in das Wesen der Assoziation können wir nur gewinnen, wenn wir die Funktion der Affektion, ihre Eigenart und ihre Abhängigkeit von ihren Wesensbedingungen zum gesetzlichen Verständnis bringen‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Eine Affektion ist ein Reiz, der von einer Bewusstseinsgegebenheit auf das Ich ausgeübt wird, es zu einer interessierten und aktiven Zuwendung einladend.
Es wird Uraffektion genannt, wenn er von einer noch nicht vergegenständlichen, vorobjektiven intentionalen Einheit ausstrahlt. Die affektiven Einheiten bilden die ursprünglichste Grundlage für die Aktivität des Ich, seine Rezeption, Apperzeption, Explikation, Kollektion.

‚Jedes abgehobene Datum steht nicht nur äußerlich zum anderen in lebendigen Beziehungen der Sukzession. Vielmehr hat es in sich selbst einen inneren synthetischen Aufbau in einer Kontinuität der Folge. Diese innere Kontinuität ist das Fundament einer kontinuierlichen inhaltlichen Verschmelzung‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Alle einheitliche Abhebung ist Abhebung durch inhaltliche Verschmelzung unter Kontrast.
Die voraffektiven Assoziationen sind Einheiten, die sich für sich bilden und erst nachträglich das Ich affizieren.

‚Nehmen wir an, in der Passivität ist alles Deckungsfähige eo ipso in Deckungssynthese, also ohne eigentliche Kausalität, dann ist die assoziative Synthese keine bloße Deckungssynthese, sondern etwas Neues, das sie nur voraussetzt‘.
In ‚Erfahrung und Urteil‘ erscheinen unbewusste Deckungssynthesen als Voraussetzung der assoziativen Weckung, wobei es sich hier um unaffektiv gewordene ehemalige Anschauung handelt.
Die Möglichkeit einer Weckung, ausgehend vom Gegenwärtigen und gerichtet auf Vergangenes, muss eine schon voraus passiv konstituierte Einheit im Unterbewusstsein implizieren, die verschiedene Lagen der wirklichen und versunkenen Anschauung verbindet; eine Verlebendigung von etwas, was vorher schon da war.
In der Wiedererinnerung spielt die Ähnlichkeitsassoziation die primäre und fundierende Rolle.

‚Alle unmittelbare Assoziation ist Assoziation der Ähnlichkeit‘ (Eu U).

Bei der unreinen Ähnlichkeit heben sich die synthetische Deckung des Gemeinsamen und der synthetische Widerstreit der sich wechselseitig verdrängenden Besonderheiten voneinander ab; die Gleichheit als der Limes der Ähnlichkeit vermag die stärkste geschlossene Verbindung zu schaffen.
Der Kontrast erscheint als die komplementäre Bedingung der Homogenitätsverschmelzung, das seinerseits eine Einheitsbeziehung schafft.
Kontinuität und Homogenität führen zusammen zu unbedingt notwendigen Verschmelzungen, die sich, ähnlich den Zeitsynthesen, in starrer Passivität durchsetzen.
Die Ordnungsformen der Koexistenz und Sukzession sind ein Passivitätsphänomen. Die assoziativen Weckungen und Verschmelzungen folgen den verschiedenen Linien der räumlichen Koexistenz und der zeitlichen Sukzession als deren Ordnungsformen. Koexistenz bedeutet nach Husserl ein Zusammen mehrerer Urimpressionen oder Gegenstände und ihr Ablaufmodus ist die Sukzession.


‚Mehrere, viele Urempfindungen sind auf einmal, und wenn jede fließt, so fließt die Vielheit zugleich und in völlig gleichem Modus, mit völlig gleichen Abstufungen, in völlig gleichem Tempo; …Was für ein Zusammen ist als Urempfindungszusammen, das verbleibt ein Zusammen im Modus der Abgelaufenheit‘ (Z B).

‚Ist nun das Zeitbewusstsein die Urstätte der Konstitution von Identitätseinheit oder Gegenständlichkeit, und dann der Verbindungsformen der Koexistenz und Sukzession aller bewusstwerdenden Gegenständlichkeit, so ist es doch nur das eine allgemeine Form herstellende Bewusstsein.
Bloße Form ist freilich eine Abstraktion. In der Assoziation dagegen vollziehen sich die über die transzendentale Zeitsynthese hinausreichenden inhaltlichen Synthesen‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Als dritte formales und allgemeines Ordnungsprinzip stellt Husserl eine Betrachtung über das Verhältnis zwischen dem Ganzen und den Teilen an; danach relativiert sich diese Unterscheidung, weil sie, je nachdem die Gegebenheit eines Ganzes, seine effektive Abhebung und damit die Möglichkeit seiner Erfassung den Teilen vorhergeht oder umgekehrt, von den wechselnden Bedingungen der Affektion und von der sachlichen Einheit sachlich bestimmender Bedingungen abhängt.

‚Würden die Lichter der Lichtreihe in zeitlichem Nacheinander aufstrahlen, so würde die Reihe als Ganzes in der Gegebenheit natürlich der Gegebenheit der Einzelnen nachfolgen.
Aber zuletzt kommen wir doch auf ursprüngliche Einzelheiten, das ist auf Gegenstände, die unter allen Umständen aus Wesensgründen zuvor als Ganzes gegeben sein muss, damit ihre Teile gegeben sein können.
Husserl erfasst die einzelnen Glieder als schon abgehobene, vollkonstituierte sinnliche Daten und frag unter dieser Voraussetzung nach dem Verhältnis zwischen den selbstständigen Teilen (LU II, 1).
Die Abhebung eines einzelnen sinnlichen Datums in der Einheitsbildung des voraffektiven Feldes ist nur dann möglich, wenn ein einzelnes Sinnesdatum nicht isoliert in das Sinnesfeld eintritt, sondern immer im Ganzen des zusammenhängenden Sinnesfeldes.

Nach Husserl ist die voraffektive Synthesis gegenüber der affektiven Synthesis, die notwendig eine inhaltliche Abhebung voraussetzt, ungegenständlich. Durch die gründliche Aufhellung der Verhältnisse zwischen affektiver und voraffektiver Synthesis wird auch das Verhältnis der Gegebenheit der Ganzheit und der Teile im Sinnesfeld deutlich.


Veröffentlicht von Lilith Dan

Freitag, 29. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die Kinästhese

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die Kinästhese


Neben der aktiven Funktion der Kinästhese, die eine freie, spontane Beweglichkeit ist, besteht auch ein passiv-assoziative konstituierte Schicht, eine Rezeptivität.

‚Ich bin einerseits in Bezug auf den Gegenstand rezeptiv und andererseits doch wieder produktiv. Das Sich-einstellen der Bilder steht in meiner Macht; ich kann die Reihe auch abbrechen lassen, …aber außer meiner Macht steht, dass wenn ich die Kinästhesen ablaufen lasse, sich ein anderes Bild einstellt; ihm gegenüber bin ich bloß rezeptiv‘ (Eu U).

Die passiven Abläufe sind ein Erfahren von dem mechanischen Vorgang der Leibesbewegung und eine Gegebenheit dieses Vorgangs im ‚seelischen‘ Charakter des Erleidens, z B. in dem Sinn, meine Hand wird bewegt, mein Fuß wird gestoßen.
Doch ist die Rezeptivität nicht die letzte Stufe der passiven Synthesis, sondern bereits die Wirkungen aus den affektiven assoziativen Synthesen, die die zeitliche Konstitution als formale Grundbedingung, die Triebintentionalität als Uraffektionen, die koexistiven und sukzessiven Ordnungsformen der Sinnesfelder in sich einschließen. Wen die Augen vor Müdigkeit zusinken, lösen sich passive Kinästhesen aus.

IN ‚Schwierigkeiten der Kinästhese‘ bezweifelt Husserl die Passivität der Kinästhese, nachdem er lange Zeit die passive und frei ins Spiel gesetzte Kinästhesen gegenübergestellt hatte.
Jedes In-Bewegung-Setze von kinästhetischen Verbindungen wäre selber wieder ein kinästhetischer Vorgang.
Husserl sucht die Lösung in der Ansetzung von zwei verschiedenen Weisen der Passivität für die kinästhetischen und die hyletischen Vorläufe.
Die Kinästhesen gehören im Unterschied zu den affizierenden Felddaten, die ihm gegenüberliegen, zur konstitutionierenden Ichlichkeit selber.
Wenn daher Kinästhesen ablaufen, ist das Ich zwar untätig, aber es ist doch selber in Bewegung.


Veröffentlicht von Lilith Dan 

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die zeitliche Einheit des Bewusstseinsstromes als Bedingung der Möglichkeit der assoziativen Synthesis.

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die zeitliche Einheit des Bewusstseinsstromes als Bedingung der Möglichkeit der assoziativen Synthesis.


In seiner Analyse des Zeitbewusstseins legt Husserl eine in der Psychologie umstrittenen ‚Stromtheorie‘ zugrunde, wonach sich die Bewusstseinstätigkeit wie im Strome vollzieht.
Der Gedanke des Bewusstseinsflusses findet sich in der wissenschaftlichen Psychologie erst bei Brentano und erinnert metaphorisch an den Satz des Heraklit: ‚Alles fließt‘.

Der Bewusstseinsstrom ist für Husserl keine metaphysische Konstruktion, sondern ein originäres phänomenologisches Datum; er sieht darin den Ursprung der genetischen Konstitution, den er für den intentionalen Grundzug des Bewusstseins hält.
‚Die Wahrnehmung der Sukzession setzt Sukzession der Wahrnehmung voraus‘ (Husserliana, Bd. X).
Diese Formel beinhaltet den Kerngedanken der Stromtheorie, der die Richtung der Intentionalanalyse des Zeitbewusstseins vorgibt.
Die doppelte Intentionalität des Zeitbewusstseins ist die ‚Beziehung des Bewusstseins einerseits auf das Erscheinende im Wie und andererseits das Erscheinende schlechthin‘ (Husserliana, Bd. X).
Diese doppelte Intentionalität des Zeitbewusstseins ermöglicht die Erfassung der linearen wie horizontalen Dimension des Zeitbewusstseins. Die phänomenologische Zeit ist daher zweidimensional.
Der Quellpunkt des originären Zeiterlebnisses ist die Urimpression; die Ablaufcharaktere ‚vergangen‘ und ‚künftig‘ werden jeweils im Rückgriff und im Vorgriff der Urimpression erlebt.
‚Die Jetztauffassung ist gleichsam der Kern zu einem Kometenschweif von Retentionen‘ (Husserliana, Bd. X).
Das Zeitfeld des originären Erlebnisses erstreckt sich von Jetzt bis zum verschwindenden Kometenschweif der Retentionen und Protentionen.
‚Das originäre Zeitfeld ist offenbar begrenzt, genau wie bei der Wahrnehmung. Ja, im Großen und Ganzen wird man wohl die Behauptung wagen dürfen, dass das Zeitfeld immer dieselbe Extension hat‘ (Husserliana, Bd, X).

‚Jetzt‘ ist bei Husserl die Zeitlichkeit, die wir erleben können. Die Ewigkeit kann phänomenologisch nicht erlebt werden, weil die Begrenztheit des menschlichen Erlebens der Unbegrenztheit einer Ewigkeit entgegensteht.
‚Die immanente Zeit ist die erste und Grundform, die Form aller Formen, die Voraussetzung aller sonst Einheit stiftenden Verbundenheit‘ (Eu U).

Dieses Zitat erinnert an die Kantische Zeitauffassung:
‚Wir verstehen nun‘, sagt Husserl, ‚die innere Wahrheit des Kantischen Satzes: die Zeit ist die Form der Sinnlichkeit und darum ist sie die Form jeder möglichen Welt objektiver Erfahrung‘ (Eu U).
Die Funktion des inneren Zeitbewusstseins im Rahmen des transzendentalen Bewusstseins lässt sich durch die Analyse der Eigenschaften des Bewusstseins aufklären; dieses hat zwei spezifische Eigenschaften, wodurch es sich von physischen Dingen unterscheidet: das Gerichtet-sein auf den Gegenstand und die Bildung von Einheiten (Synthesis).
Aus Husserls Analyse ergeben sich Noesis und Noema als allgemeine Strukturen des reinen Bewusstseins.
Indem Husserl die beiden Eigenschaften des Bewusstseins ausarbeitet, wendet er sich gegen die sensualistische Assoziationspsychologie. Nach seiner Auffassung kennt diese weder die Intentionalität noch die Synthesis des Bewusstseins.

So richtet sich seine Kritik an den englischen Empiristen hauptsächlich gegen Lockes Begriff der ‚tabula rasa‘ und gegen Humes ‚Bundless of perceptions‘.
Husserl kritisiert an Locke die Auffassung des Bewusstseins als eines in sich abgeschlossenen Feldes, worauf Sinneseindrücke eingeprägt werden, ohne auf etwas gerichtet zu sein. Dies gilt für Hume, der mit dem Bewusstsein auch die Person als ‚einen unaufhörlichen wechselnden Haufen von Daten‘ ohne synthetische Identität ansehe (Husserliana, Bd X).

In den synthetisierenden Eigenschaften des Bewusstseins liegt die Funktion des inneren Zeitbewusstseins.
‚Einheit der Zeitanschauung ist die Bedingung der Möglichkeit jener Einheit der Anschauung für eine irgend verbundene Mehrheit von Objekten, die alle Zeitobjekte sind; jede andere Verbindung solcher Objekte setzt demnach die Zeiteinheit voraus‘ (Eu U).

Das Bewusstsein vollzieht die Synthesis in zwei verschiedenen Modi: In Passivität und in Aktivität, bzw. in Sinnlichkeit und Verstand.
Die kategoriale Synthesis, Synthesis der Aktivität, ist ein spontaner Akt, die sinnliche Synthesis, Synthesis der Passivität, dagegen nicht.
Die Verknüpfung ist einmal selbst ein spontanes Tun, eine eigene Aktivität, das andere Mal nicht.
Ersteres geschieht beispielsweise bei der mathematischen Operation oder beim logischen Urteil, wenn das Bewusstsein zwei oder mehrere von Raum und Zeit unabhängige, verschiedene Sachverhalte durch die Prädikation des Verstandes zu einer einheitlichen Beziehung verknüpft.
Letzteres findet bei der Wahrnehmung statt, wenn das Bewusstsein durch Assoziation vorgegebene Gegenstände miteinander verbindet.
Dies wird durch die Synthesis des Zeitbewusstseins möglich, die ‚eine universale Ordnungsform der Sukzession und eine Form der Koexistenz aller immanenten Gegebenheiten hervorbringt‘ (Eu U).

Jede aktive Synthesis übersteigt zwar die Zeitlichkeit der passiven Synthesis, setzt diese aber voraus, weil ihr Prozess den raumzeitlichen Bedingungen unterworfen ist.
Daraus ergibt sich, dass das innere Zeitbewusstsein die Grundform der universalen Synthesis ist.
Das Bewusstsein lässt sich durch das innere Zeitbewusstsein als Erlebnisstrom begreifen.
Nach der Interpretation Landgrebes, ist die Konstitution des Zeitbewusstseins die Selbstschöpfung des Bewusstseins als eines verlaufenden und strömenden Bewusstseins.
Die Konstitution des Bewusstseins ist ein zeitlicher Prozess, in dem die Gegenständlichkeit des Bewusstseins auf zwei verschiedene Weisen gegeben werden kann: in einer noetisch-noematischen Formstruktur und im ganz konkreten zeitlichen Zusammenhang (Husserliana, Bd. XVII).

Die genetische Konstitution oder Genesis, richtet sich auf den Zusammenhang, in dem Noesis und Noema stehen, wobei die Welt als Ganzes dessen raumzeitlichen Horizont bildet und somit auch als Hyle der Genesis dient.


Veröffentlicht von Lilith Dan

Donnerstag, 28. April 2016

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Die Assoziation in der Psychoanalyse

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Die Assoziation in der Psychoanalyse


Assoziationen sind immer in psychologisch bedeutungsvoller Folge miteinander verkettet.
Freud ersetzte Breuers Kathartische Methode, die Hypnose, durch die Assoziationsmethode.
Die Assoziation ist bei ihm nicht vorbewusst, sondern unbewusst motiviert. Ein vorbewusster Gedankengang wird ins Unbewusstsein hinabgezogen und dort umfunktioniert. Ein Novum ist ferner seine These von der Unabhängigkeit der Affekte von den Vorstellungen, die sich in ihrer Übertragung auf andere Vorstellungen kundgibt.
Die ‚Entdeckung‘ der Assoziation führte zu Freuds Verwendung der freien Assoziation bei der Traumdeutung und zu Jungs angewandten Forschungen unter Verwendung des Assoziationsexperiments.
Freuds frühe Arbeiten über Hysterie brachten ihn zu folgenden Schlüssen:

1.    Zufällige oder freie Assoziationen greifen stets, bewusst oder unbewusst, auf frühere Erfahrungen zurück; durch diese Verbindung bilden sie Netzwerke der Erinnerungen.
2.    Diese Netzwerke oder Systeme sind in verschiedenen Vorstellungskomplexen organisiert und vom psychischen Organismus derart abgespalten, dass die bewusste Kenntnis eines Glieds aus einer Assoziationskette nicht notwendigerweise die bewusste Kenntnis des psychischen Sinns der Kette insgesamt bedeutet.
3.    Die Kraft oder Energieladung jedes Elementes oder jeder Assoziation sammelt sich um einen zentralen Knotenpunkt herum.
4.    Diese Faktoren liegen den Konflikten zugrunde, welche für die eigene Psychologie einer Person spezifisch sind.

Freud verwendete eine Reihe von Begriffen wie Assoziations-kette, -faden, -zug, -linie, um die Wege der sogenannten freien Assoziation zu beschreiben.
Die experimentelle Methode zur Identifizierung persönlicher Komplexe durch Untersuchung von Assoziationen wurde von Galton entwickelt, von Wundt übernommen und modifiziert; er wollte die Gesetzmäßigkeiten entdecken und formulieren, die den Assoziationen von Vorstellungen zugrunde liegen.
Aschaffenburg und Kraepelin führten die Unterscheidung zwischen verbalen oder Klangreaktionen und inneren Assoziationen ein.
Ziehan stellt eine Verlängerung der Reaktionszeiten fest, sobald das Reizwort in Beziehung zu etwas steht, das dem Patienten unangenehm war.
Es wurde entdeckt, dass Verlängerungen der Reaktionszeit mit einer allgemein zugrundeliegenden Vorstellung oder einem gefühlsbetonten Komplex von Vorstellungen zusammenhingen.
C. G. Jung hat sich vor allem mit der Auflockerung oder dem Wegfall der Spannungen im Umfeld von Assoziationen beim Ausbruch einer Schizophrenie befasst.
Jung beschrieb das Gewebe der Assoziation als einen psychologischen Kontext, in dem ein Traum ganz natürlich eingebettet ist.
Er hielt daran fest, dass das Vorgehen gemäß den Assoziationen des Patienten das Gegenteil einer theoriegeleiteten Deutung sei, weil es eine sehr sorgfältige und fortgesetzte Aufmerksamkeit gegenüber dem individuellen assoziativen Netzwerk einer Person erfordert. Er verglich diese Deutungsarbeit mit der Übersetzung eines Textes, die den Eintritt in einen geheimen oder wohlbehüteten Bereich ermöglicht.
Jungs Arbeiten über die Assoziation waren für den Aufbau seiner Archetyptheorie von größter Bedeutung. In der Analyse kann die Assoziation erweitert werden, indem sie mittels der Amplifikation auf universelle Themen angewendet wird.
Das lässt sich als Ausweitung des assoziativen Vorgangs sehen, um so den geschichtlichen, kulturellen und mythologischen Kontext mit einzubeziehen.
Während des Assoziationsexperiments werden die Komplexe in der Regel den Verlauf in hohem Maße beeinflussen, indem sie gestörte Reaktionen veranlassen oder bestimmte Reaktionsweisen bewirken, welche daran erkannt werden, dass sie dem Sinne des Reizwortes nicht mehr entsprechen.

‚Gebildete und willensstarke Versuchspersonen können durch sprachlich-motorische Gewandtheit den Sinn eines Reizwortes mit kurzen Reaktionszeiten dermaßen abblenden, dass sie von ihm nicht erreicht werden. Dies gelingt aber nur in solchen Fällen, wo wirklich schwerwiegende, persönliche Geheimnisse geschützt werden müssen.
Die Kunst Talleyrands, durch Worte Gedanken zu verheimlichen, ist aber nur wenigen gegeben.
Unintelligente Leute, darunter besonders Frauen, schützen sich durch sogenannte Werteprädikate, was oft ein sehr komisches Bild ergibt‘.

Freud und Husserl haben die von Herbart entwickelten psychologischen Modelle bei ihrer divergierenden Forschungsrichtung auf gänzlich verschiedene Befunde adaptiert, von den methodologischen Divergenzen gar nicht zu sprechen.
Bei Freud ist das Verdrängte und daraufhin an die Bewusstseinspforte zurückdrängende nicht der anschauliche Inhalt einer Vorstellung, sondern ihr symbolischer Gehalt, die affektive Bedeutung, die sie für das Subjekt besitzt. Husserl benützt die gleiche Kategorie in seiner Modalisierungslehre.
Ricoeur schien der erste gewesen zu sein, der in ‚Die Interpretation‘ Husserls Assoziationsthematik in die phänomenologische Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse miteinbezog.
Nach Ricoeur repräsentiert die passive Genesis die Assoziation eher unzulänglich und etwas anachronistisch; so versteht er unter der passiven Genesis nicht die assoziativ motivierte Verbindung der Sinngehalte, sondern die wunschgemäße Verknüpfung, in der Sinn und Energie in eins verwickelt sind.
In der Koordination von Energie und Sinn sieht Recoeur das entscheidende Moment, das Freuds passive Genesis von derjenigen Husserls unterscheidet.
Bei Freud ist sie trieb- und wunschbedingt; der topische Aspekt, die getrennte Platzierung der durch die Verdrängung unbewusst gewordenen und gehaltenen und der vorbewussten und bewussten psychischen Inhalte, ist seinerseits abhängig vom ökonomischen Faktor.

Freund unterscheidet zwischen den ‚Bedingungen‘, die die klassischen Assoziationsgesetze der Ähnlichkeit, des Kontrasts und der Kontiguität liefern und den ‚Ursachen‘, eine Motivation, die von einem unbewussten Sinn, der in einer Wunschbeziehung zum Subjekt steht, getragen wird.
Husserl analysiert die Assoziationsgesetze rein phänomenologisch und erklärt, wie Ähnlichkeit, Kontrast und Kontiguität als Phänomene von sich aus motivierend wirken.
Er hielt den ökonomischen und phänomenologischen Aspekt der passiven Verbindung auseinander, ob man den energetischen Faktor nun mechanistisch, nach Freud, gestalthaft-feldtheoretisch, nach Laplance und Leclaire oder in einer erst noch genauer zu erarbeitenden Weise, Ricoeur, ansetzt.

Freud gebraucht den Terminus ‚Passivität‘ für das objektive Geschehen im Unterschied zum subjektiven Tun, für das Erleiden oder Empfangen von Eindrücken und für nicht bewusst gewollte, unmittelbare Prozesse neurotischer Art.
‚Wenn man dem Ich glauben will, so war es in allen Stücken aktiv, so hat es selbst seine Symptome gewollt und gemacht. Wir wissen, dass es ein gutes Stück Passivität über sich ergehen ließ, die es dann verheimlichen und beschönigen will‘ (Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse).

C. G. Jung spricht von der Verdrängung als einem passiven Verschwinden.

‚Auf der anderen Seite aber muss auch anerkannt werden, dass es nicht wenig Fälle gibt, wo auch die feinste Ergrübelung kein bewusstes Zuseitelegen respektive Verdrängungen nachweisen kann, wo uns der Verdrängungsprozess vielmehr als ein passives Verschwinden oder Heruntergezogen-werden der Eindrücke erscheint‘ (G. W. VIII).

Mit der Assoziation kommt es zu Entstellungen, Verdichtungen und Verschiebungen; die das Seelenleben durchlaufenden Tendenzen machen sich geltend, insbesondere der Widerstand gegen die Bewusstwerdung.

In der Assoziation verrät sich, wie Freud ahnte, eine der ursprünglichen und einfachen Arbeitsweisen der Psyche oder nach Husserl, ein ‚transzendental-phänomenologischer Grundbegriff.
Wie für Husserl die temporalen und lokalen Formen bloße Bedingungen der Möglichkeit hyletischer Einheitsbildung darstellen, deren treibender Faktor die affektive Assoziation ist, so sind für Freund die Assoziationsketten bloße Bedingungen für höherstufige Verbindungen, deren Motor energiegeladene Sinnmotive sind.
In phänomenologischer Interpretation ruhen die Sinnzusammenhänge auf deiner zeitlichen und einer assoziativ passiven Synthese als ihrer Bedingung der Möglichkeit.
Für Husserl ist die Assoziation eine Leistung, die ‚ohne Ichbeteiligung‘, nicht als Akt setzendes Ich, aber doch als Einheitspool, auf den alle Affektionen hintendieren, zustande kommt.
Nach Freud verhindert die Zuwendung des Ich durch seine Intentionen und Handlungen den Durchbruch von assoziativen Seitenbeziehungen.


Analog wie bei Husserl ist auch bei Freud das Ich, das in den Assoziationen unbeteiligt ist, bloß das ‚Ich der Aktionen‘, während das ‚Ich der Affektionen‘ sich als wesentlich in ihnen engagiert verrät.

Veröffentlicht von Lilith Dan 

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Der Begriff der Intentionalität bei Husserl

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Der Begriff der Intentionalität bei Husserl


Bei Husserl kommt der Begriff von Intentionalität als reell immanenter Gegenständlichkeit nicht mehr vor.
Vielmehr seien ‚die sogenannten immanenten Inhalte bloß intentionale und andererseits sind die wahrhaft immanenten Inhalte, die zum reellen Bestande der intentionalen Erlebnisse gehören, nicht intentional‘ (Hua XIX, 1).

Die Unterscheidung liegt zwischen ‚reell immanentem Inhalt‘ als dem intentionalen Akt und ‚intentional immanentem Gegenstand‘ als dem intentionalen Korrelat.
Der intentionale Gegenstand ist bei Husserl nicht reell immanent, sondern intentional immanent.

Die Grundstruktur des Bewusstseins von etwas, Bewusstseins-Akte wie Wahrnehmung, Erinnern, Phantasieren, sind stets gegenständlich bezogen. Das Bewusstsein bezieht sich in der Wahrnehmung auf ein Wahrgenommenes, in der Erinnerung auf ein Erinnertes, in der Phantasie auf ein Phantasiertes.
Es besteht eine Korrelation zwischen den Bewusstseins-Akten und dem jeweiligen Gegenstand des Aktes.
Im intentionalen Akt konstituiert das Bewusstsein ursprünglich die Gegenständlichkeit.
In den Ideen I führt Husserl eine Unterscheidung zwischen noetischer und noematischer Intentionalität ein; als noetische Intentionalität wird das Verhältnis des noetischen Bewusstseinserlebnisses zum noematischen Bewusstseinsobjekt bezeichnet; als noematische Intentionalität die Verweisung, die zwischen verschiedenen noematischen Gegebenheiten konstituiert werden, eine Vorstellung von einer zweiten Vorstellung.
Die noematische Intentionalität ist davon abhängig, dass sie von einer noetischen umfangen und durchlebt ist.
Diese richtet sich in einem primären Strahl auf den Kern der Wahrnehmung und in sekundären Strahlen auf die Verweisungen, die von diesem Kern ausgehen, die mindestens potentiell gegeben sind.
Intentionalitäten, die von einer ursprünglichen Intention abhängig sind, wie Horizontintention, nennt Husserl auch sekundäre, sofern das Ich nicht in einem interessierten Vermeinen in ihnen agiert, passive Intentionalität.

‚Wir brauchen offenbar für das Bewusstsein, in dem etwas als in diesem Sinn intendiertes ausgezeichnet ist, ein Wort.
Hier versagt leider die Sprache, die für phänomenologische Unterschiede nicht interessiert sein kann. Auch die Sprache der Phänomenologie in ihren Anfängen wurde diesem eigentümlichen Bewusstsein nicht gerecht, dessen besondere Stellung und Funktion nicht sogleich erkannt war.

Ich werde im weiteren von assoziativer Intention sprechen, womit auch zum Ausdruck kommt, dass es sich um eine Grundeigenheit in der passiven Sphäre handelt und nicht um eine Art von Meinen des aktiven Ich‘ (Analysen zur passiven Synthesis).

Veröffentlicht von Lilith Dan 

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Brentanos Auffassung der intentionalen Inexistenz

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis
Brentanos Auffassung der intentionalen Inexistenz


Brentanos Hauptwerk ‚Psychologie vom empirischen Standpunkt‘ hatte auf den Studenten Husserl eine entscheidende Wirkung.

‚Jedes psychische Phänomen ist durch das charakterisiert, was die Scholastiker des Mittelalters die intentionale (auch wohl mentale) Inexistenz eines Gegenstandes genannt haben und was wir, obwohl mit nicht ganz unzweideutigen Ausdrücken, die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt (worunter hier nicht eine Realität zu verstehen ist) oder die immanente Gegenständlichkeit nenne werden…Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches. Und somit können wir sagen, sie seien solche Phänomene, welche einen Gegenstand in sich enthalten‘ (F. Brentano, Psychologie vom empirischen Standpunkt).

Die Psychologie wird von Brentano in zwei Klassen, die genetische, den naturwissenschaftlichen Methoden nahe stehend, und in die deskriptive, auf innere Erfahrung beruhend, eingeteilt.
Die genetische Psychologie deckt die Gesetzmäßigkeiten von Entstehen und Vergehen der psychischen Erscheinungen auf, die deskriptive Psychologie ‚weist die sämtlichen letzte psychologischen Bestandteile auf, aus deren Kombination die Gesamtheit der psychischen Erscheinungen sich ergibt‘ (Meine letzten Wünsche für Österreich).

Die Erscheinungswelt wird in zwei Klassen unterteilt: die psychische und die physische. Die psychischen Phänomene sind bestimmt als Vorstellungen und solche Phänomene, die auf Vorstellungen als ihrer Grundlage beruhen und in sich intentional einen Gegenstand enthalten.
Die physischen Phänomene erstrecken sich auf sinnliche Qualitäten, das Räumliche, das Ausgedehnte, die in der äußeren Wahrnehmung erkannt werden.
Die innere Wahrnehmung als Grundlage der Psychologie tritt immer in Verbindung mit einem psychischen Akt auf.
‚Jeder psychische Akt ist bewusst, ein Bewusstsein von ihm ist in ihm selbst gegeben‘ (Psychologie vom empirischen Standpunkt).
Dieser Akt hat ein doppeltes Objekt, das als ein primäres, ein äußeres Objekt, und ein sekundäres, ein psychisches Objekt, bezeichnet werden kann.
Die beiden Objekte sind nicht getrennt, sondern intentional aufeinander bezogen.

Thomas von Aquin lehrte, dass das Gedachte intentional in dem Denkenden sei, der Gegenstand der Liebe in dem Liebenden…und benützt diese zu theologischen Zwecken.
In dieser intentionalen Inexistenz des Objekts als immanente Gegenständlichkeit erblickt Brentano das Wesentliche des psychologischen Phänomens und analysiert es durch den Rückblick auf den scholastischen Begriff ‚objektiv‘.
Er versteht vor allem die Charakteristik der intentionalen Inexistenz als ‚die Beziehung auf einen Inhalt, die Richtung auf ein Objekt oder die immanente Gegenständlichkeit‘.

Aufgrund der weiterführenden Reflexion auf die verschiedenen Weisen der Beziehung des Bewusstseins auf einen Inhalt kristallisieren sich die drei Beziehungsweisen oder Vorstellungen, der Urteile und der Gemütsbewegungen heraus.

‚Diese intentionale Inexistenz ist den psychischen Phänomenen ausschließlich eigentümlich. Kein physisches Phänomen zeigt etwas Ähnliches‘.

Brentano thematisiert das Verhältnis der drei eingeteilten Klassen der psychischen Tätigkeiten.
‚Sie (die Vorstellung) ist das einfachste der drei Phänomene, indem Urteil und Liebe immer eine Vorstellung in sich schließen; sie ist ebenso das unabhängigste unter ihnen, da sie die Grundlage der übrigen ist; und ebendarum ist dieses Phänomen auch das Allgemeinste‘ (Psychologie vom empirischen Standpunkt).


Veröffentlicht von Lilith Dan

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis Der intentionale Bewusstseinsbegriff

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven GenesisDer intentionale Bewusstseinsbegriff


Das intentionale Bewusstsein ist kein ‚Alles- oder Nichts-phänomen‘ und wie es Grade der Aktivierung und Aufmerksamkeit gibt, gibt es auch Stufen der Intentionalität.
Die erste Stufe, die Akt- oder Handlungsintentionalität, ist die ursprüngliche oder grundlegende Form von Intention, die bereits im vormenschlichen Beriech anzutreffen ist und bis zu jenen Lebewesen reicht, die eine neuronale Ausstattung besitzen.

Im Sinne von Bretano, dass in jedem Akt der Zuwendung oder Abwendung sich jemand auf etwas Anderes richtet, auf das zu erreichen oder vor dem man zu fliehen versucht.
Die Intentionalität ist somit ein Schlüsselbegriff zur Erklärung der Struktur jedweden Verhaltens.
Bei den komplexen Formen der Verhaltens- oder Handlungsintentionalität ist nicht nur der Gehalt des intentionalen Zustandes, sondern auch sein bestimmter Modus zu unterscheiden.
Mit der Handlungsintentionalität lässt sich auch die kausale Rolle des Bewusstseins in einer kausal geschlossenen Welt erklären, die von Kant als Kausalität der Freiheit von der Kausalität der Natur unterschieden wurde.
Diese geistigen und körperlichen Bestandteile einer Handlung müssen bei jeder normalen Handlung eine Einheit bilden.

William James ist es mit einem relativ einfachen Experiment gelungen, den geistigen Bestandteil, die Intention, aus einer Handlung herauszulösen:
In einem dunklen Zimmer wurde ein Arm der VP betäubt und seitlich festgebunden; dann wurde der Befehl erteilt, den Arm hochzuheben. Die VP gehorchte, bzw. glaubte es und war erstaunt, erfahren zu müssen, dass der Arm in Wirklichkeit nicht hochging.

Im Extremfall spontaner Handlungen kann man von einer Handlungsintensität sprechen, die eine sogenannte ‚unbewusste Absicht‘ darstellt.
‚Unsere Hand fängt die fallende Tasse auf, noch ehe das Bewusstsein ihr Fallen klar erlebte oder Anweisungen geben konnte‘ (Sherrington).
Vorausgehende Absichten, die die Handlung in ihrem Ablauf und Ende bestimmen, sind das Ergebnis von logischen Operationen, die seit Aristoteles ‚praktisches Schließen‘ genannt werden.

Die zweite Intentionalitätsstufe kann als kognitive Intentionalität oder als Repräsentation bezeichnet werden.
Die Vorstellung, dass selbst der anorganischen Materie in objektiver Weise Information zukommt, ist nur unter der Voraussetzung gültig, dass sich Strukturen verändern können.
‚Information gibt es nur dort, wo die Strukturen oder Form fließt‘ (C. F. v. Weizsäcker).

Gegenstände sind nichts Anderes als länger andauernde Ereignisse oder Zustände. Informationen entstehen nur in einer Welt, in der es nicht nur Ereignisse, die bereits von vornherein determiniert sind, sondern auch Alternativen gibt.
Repräsentation ist stets ein Akt der kognitiven Intentionalität und als solcher ex definitione eine Bewusstseinsleistung, bei der eine Entscheidung zwischen Alternativen getroffen wird.

Die dritte Intentionalitätsstufe, das reflexive Selbstbewusstsein, ist das ganzheitliche Phänomen der Selbstreferenz, das in einem komplexen System auftreten muss, wenn es selbst mit seinen eigenen, elementar intentionalen Zuständen interagiert.
Doch ist kein reales oder abstraktes System auf dieser Welt autonom im absoluten Sinnes des Solipsismus.
Dass das Selbstbewusstsein nichts Anderes ist und nichts Anderes sein kann als der Repräsentationen oder Kantisch ausgedrückt, das ‚Ich, das alle meine Vorstellungen begleiten muss‘, ist es als solches rein und leer für sich überhaupt nicht erkennbar.
Aus der experimentellen Tatsache der Introspektion ergibt sich eine Art ‚psychologisches Unbestimmtheitsprinzip‘, da eine Mitteilung über einen Bewusstseinszustand Bewusstseinskapazität in Anspruch nimmt, was die für das betrachtende Phänomen zur Verfügung stehende Kapazität reduziert und sie folglich modifiziert.
Das Selbstbewusstsein ist daher keine feste Bühne, auf der die unterschiedlichsten Repräsentanten auf- und abtreten, sondern gleicht ‚dem Leben eines Vogels, in dem ständiger Wechsel von flüchtiger Bewegung und Ruhe herrscht‘ (William James).


Veröffentlicht von Lilith Dan

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis. Exkurs: Geschichte des Gehirn-Bewusstsein-Problems.

Die Explikation der assoziativen Synthesis als ein Prinzip der passiven Genesis            Exkurs: Geschichte des Gehirn-Bewusstsein-Problems.


In Platos Dialog Phaidon und in Aristotes Opera erscheinen Ähnliches, Unähnliches und Berührung als Ansatzpunkt der Wiedererinnerung.
Die Thematik bleibt aber in der antiken und mittelalterlichen Philosophie relativ unberührt, sieht man von der zur Erklärung dienender einzelner, als zweitrangig betrachteter Bewusstseinsphänomene, der Wiedererinnerung und der Entstehung von Irrtümer ab.

Die Anfänge einer Beschäftigung des Menschen mit seinem Gehirn reichen bis weit in die prähistorische Vergangenheit zurück und bereits in den alten Hochkulturen, wie im Alten Ägypten, gibt es schriftliche Hinweise die eine gewissen Kenntnis sensomotorischer Hirnfunktionen vermuten lassen.

Die Gehirnbedingtheit der menschlichen Erkenntnisfähigkeit, vor allem die der höheren geistigen Funktionen, war in der Antike bereits eine explizit formulierte Theorie, die jedoch nicht unwidersprochen blieb, wie die berühmte und vielzitierte Auffassung des Aristoteles vom Menschengehirn als Kühlaggregat zeigt.

Trotz des Gegensatzes einer kardiozentrischen These, die auf Aristotles und einer zephalozentrischen These, die auf Alkmaion von Kroton zurückzuführen ist, gibt es eine kontinuierliche Tradition der Verbindung von Hirnforschung und Erkenntnistheorie, die in der Geschichte der Menschheit nie abgerissen ist.
Die Geschichte einer wahrnehmungs- und erkenntnistheoretische orientierten Hirnforschung beginnt erst mit den Griechen im 6. Jahrhundert v. u. Z., als Alkmaion von Kroton die zentrale Rolle des Gehirns für die menschliche Erkenntnis hervorhob:

‚Das Gehirn ist es, das die Wahrnehmung des Hörens, Sehens und Riechens gestattet; aus diesen entstehen Gedächtnis und Vorstellung, aus Gedächtnis und Vorstellung aber, wenn sie sich gesetzt haben und zur Ruhe gekommen sind, bildet sich das Wissen‘.

Für Hippokrates war das Medium des Denkens nicht die ‚weiße, bröckelige‘ Hirnmasse, sondern die Luft, die zuerst ins Gehirn kommt, wenn der Mensch den Atem einzieht und sich von dort aus im ganzen Körper verbreitet.

Zwei alexandrinische Gelehrte, Herophilos und Erasistratos, die Vivisektionen an Verbrechern vornahmen, so der römische Enzyklopädist Celsus, erreichten mit ihrer Hirnforschung einen Wissensstand, der erst im 17. Jahrhundert überboten werden konnte.
Seitdem gibt es eine Lokalisationstheorie der geistigen Vorgänge in den Gehirnventrikeln, die von Claudius und Pergamon weiter ausgebaut werden konnten und sich mit der aristotelischen Erkenntnislehre verbunden wurde, die allerdings nicht im Gehirn, sondern im Herzen den Sitz der Sinne sah.
Der Bezug von Gehirn und Erkenntnis wird zuerst von Plato hergestellt, der im Timaios drei Seelenteile, den erkennenden, den mutigen und den begierigen Teil unterscheidet. Den erkennenden Teil der Seele wird im Gehirn lokalisiert.

Aristoteles erkannte, dass das freigelegte Gehirn nicht auf mechanische Reize anspricht und außerdem kühler ist als der gesamte Körper.
So kommt er zu dem bereits erwähnten Schluss, dass das Gehirn als Kühlaggregat die Funktion hat, die Temperatur des mit Nahrung beladenen Blutes zu senken und den Schlaf zu bringen.

Nach Sherrington, dem Begründer der Synapsen-Theorie, ‚hat Aristoteles mit seiner Beschreibung des Bewusstseins vielleicht den größten Beitrag zu diesem Thema nicht nur für das Altertum geleistet, sondern auch für unser eigenes Zeitalter bis zur Renaissance‘.
Aristoteles hat zwar das Gehirn nicht als Hauptorgan des Bewusstseins erkannt, aber er zog den für die Erklärung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit so entscheidenden Schluss, der später neurobiologisch unter dem Begriff der ‚progressiven Enzephalisation der Wahrnehmung‘ bekannt wurde, dass nämlich ein ‚interner Versammlungsort der Sinneskanäle ein charakteristischer Zug des Organs des Bewusstseins sein müsse. Nicht neue Sinne, sondern eine bessere Verbindung zwischen den alten Sinnen hat die Entwicklung des Nervensystems angestrebt‘ (Sherrington).
Aber Aristoteles Beschreibung der, wie Sherrington sagt, ‚biologischen Ausstattung des Bewusstseins wurde übernommen und zum Paradigma für Jahrhunderte gemacht‘.

Die Geschichte dieses Paradigmas ist die Geschichte eines der konsequentesten und deshalb auch furchtbarsten Irrtümer, die in der Menschheitsgeschichte jemals vorgekommen sind und sie reicht in ihren Ausläufen bis ins 19. Jahrhundert, obwohl sie schon am Beginn der Neuzeit auf Grund besserer anatomischer und neurophysiologischer Erkenntnis überholt war.
Andreas Vesalius verwies auf die menschlichen Hirnwindungen, die sich anatomisch von Esel, Pferd, Rind und anderen Tieren nicht unterscheidet, so dass die Frage, ob der Mensch vielleicht gerade deswegen verstand habe, den Philosophen zuweist.

In der Schrift ‚Über das Organ der Seele‘ entwickelte Samuel Th. Soemmering eine Theorie über das aristotelisch-scholastische Sensorium commune als den gemeinsamen Empfindungsplatz, an dem sich alle Wahrnehmungen vereinen. Seine Lösung, die er Kant zur kritischen Beurteilung vorlegte, war, dass das unmittelbare Organ, das sich einzig und allein dafür qualifiziert, Wasser der Gehirnhöhlen ist.

Kant akzeptierte die Hypohese von Soemmering, konstruiere sie aber in seiner erkenntnistheoretischen Begründung so um, dass daraus eine von der Frage nach dem materiellen Träger der Prozesse völlig abgelöste dynamische Theorie der Organisation entsteht.
‚Wenn man nun die Hypothese annimmt: Dass dem Gemüt im empirischen Denken, d. i. im Auflösen und Zusammensetzen gegebener Sinnesvorstellungen, ein Vermögen der Nerven unterlegt sei, nach ihrer Verschiedenheit das Wasser der Gehirnhöhle in jene Urstoffe zu verletzen, und so, durch Entbindung der einen oder des andern derselben, verschiedene Empfindungen spielen zu lassen, so doch, dass diese Stoffe, nach aufhörendem Reiz, sofort wiederum zusammenflössen: so könnte man sagen, dieses Wasser werde kontinuierlich organisiert, ohne jedoch jemals organisiert zu sein: wodurch dann doch eben dasselbe erreicht wird, was man mit der beharrlichen Organisation beabsichtigte, nämlich die kollektive Einheit aller Sinnesvorstellungen in einem gemeinsamen Organ (Sensorium commune), aber nur nach seiner chemischen Zergliederung begreiflich zu machen‘.

Nach Kant führt die Lösung der Aufgabe, den ‚Sitz der Seele‘ im Gehirn zu bestimmen, was der Metaphysik zugemutet wird, auf eine ‚unmögliche Größe‘, wie in der Mathematik die Quadratwurzel aus minus zwei.

Für die Fragestellung nach der Lokalisation der Erkenntnisfunktionen waren vor allem die ‚Agnosien‘, eine Bezeichnung von Freud, von Bedeutung.
Bei gewissen Gehirnverletzungen kann es dazu kommen, dass Objekte zwar noch gesehen, aber nicht in ihrer Bedeutung erkennt werden; Munk führt dieses Phänomen auf den Verlust der ‚Erinnerungsbilder der früheren Gesichtswahrnehmung‘ zurück, die Residuen früherer optischer Eindrücke werden an anderen Stellen der Hinterhauptlappen des Gehirns deponiert als an denjenigen, an denen die optische Wahrnehmung zustande kommen.

Auf diese Weise ergibt sich aber auch eine klare Unterscheidung zwischen ‚Perzeptionszentren‘ und ‚Erinnerungszentren‘.
Mit dem Lokalisierungsversuch, bei denen die einzelnen Leistungszentren bezeichnet, befand man sich, wie Bumke sagte, ‚noch im Vorhof der Psyche‘. Auf der ‚Landkarte‘ des Gehirns gab es noch immer ‚weiße Stellen‘, an denen sich keine besonderen sensorischen und motorischen Leistungen ansiedeln ließen.
Diese ‚weißen Stellen‘, insbesondere an der Stirnhornrinde, wurden von Flechsig für die Denkvorgänge in Anspruch genommen.
Er sprach von ‚Assoziationsfeldern‘, die gleichsam als ‚Rangierbahnhöfe‘ zwischen den ‚Projektfeldern‘ der Hirnrinde fungieren.
Nach Meynert besitzt die Großhirnrinde die Fähigkeit, von der gesamten Sinnesperipherie vermittels der zentripetal leitenden Empfindungsbahnen Sinneseindrücke zu empfangen und durch die zentrifugal leitenden Bewegungsbahnen der Muskulatur motorische Impulse zu erteilen. Die sensorischen Rezeptoren und motorischen Effektoren sind dabei nach dem Grundsatz der isolierten Leitung gewissermaßen auf die Hirnrinde projiziert. Zwischen diesen Projektionsfeldern werden Verbindungen durch ‚Assoziationsfasern‘ hergestellt, die in massiver Form als ‚Assoziationsfelder‘ zu wahren ‚Rangierbahnhöfen‘ werden, an denen sich das Denkgeschehen abspielt.

Heute steht die Erkenntnis, unter neurobiologischem Aspekt, mit den Prozessen der Erkenntnisgewinnung, der Kognition, als deren relativ selbstständiges Produkt in Beziehung und Informationstheoretisch als Hierarchie von Abstraktionsstufen charakterisiert, die von assoziativen Merkmalsbündelungen über invariante identifizierbare Gebilde, vorgestellte und imaginäre Objekte zu den klassifikatorischen Ordnungen der Wirklichkeitsmannigfaltigkeit führen.

Wahrnehmung äußerer Objekte sind nicht passiv, sondern en auf die Umwelt gerichteter intentionaler Akt, der abstrakte Wirklichkeitsäquivalente eigenständig hervor- und in das Verhalten einbringt.


Veröffentlicht von Lilith Dan