Sonntag, 27. März 2016

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung: Locke: Der Naturzustand und das Naturrecht

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung:Locke: Der Naturzustand und das Naturrecht


Im Naturzustand befinden sich die Menschen in vollkommener Freiheit, in der sie innerhalb der gegebenen Naturgesetze über sich selbst und ihren Besitz verfügen können.
Untereinander sind Menschen gleich, da ihr jeweiliger Besitz gleich ist und sie gleichgestellt leben.
Die Menschen achten das natürliche Gesetz, das den Frieden und die Erhaltung der Menschheit fordert, so dass ein Töten anvertrauter Lebewesen nur Zweck der Selbsterhaltung gebietet.
Da alle Menschen gleich erschaffen sind, kann es auch keine Rangordnung geben, die eine Tötung des anderen zulässt. Vielmehr ist es eine Pflicht, sein Leben und das seiner Mitmenschen zu achten und zu erhalten.
Die Freiheit, Gesundheit und die Güter eines anderen Menschen dürfen nur zur Vergeltung eines Verbrechens angegriffen werden.
Zur Erhaltung der Naturgesetze ist die Vollstreckung eines Verbrechens das Recht jedes einzelnen.

Da unter den Menschen vollkommene Gleichheit herrscht, ist es auch jedermanns Recht, ein Verbrechen zu verfolgen und nach seinem Ermessen zu bestrafen.
So erlangt ein Mensch Macht über einen anderen. Diese Macht sollte jedoch nur der Wiedergutmachung und Abschreckung eines Verbrechens in Form einer Bestrafung dienen und damit den Gesetzen der Natur folgen.

Locke erläutert dieses Recht des Strafens anhand eines Beispiels, indem er das Recht eines Fürsten oder Staates, der einen Fremden für ein Verbrechen bestraft, das dieser in deren Land begangen hat, mit der Begründung ablehnt, dass dieses Recht nur durch Beschluss der in dem Gemeinwesen lebenden Menschen an einen Fürsten übergeben und nur für diese Menschen Gültigkeit besitzt.
Andere Menschen, die dieser Gemeinschaft nicht angehören, leben im Naturzustand.

Falls nun dieses Recht des Strafens oder der Wiedergutmachung durch Beschluss an eine Obrigkeit übergeben wurde, steht es im Ermessen der Obrigkeit, von einer Strafe abzusehen.
Keinesfalls aber kann diese Obrigkeit von einer Entschädigung befreien, da dieses Recht allein dem Geschädigten zusteht.
Da im Naturzustand jeder Mensch Richter und Vollzieher in eigener Sache ist, können durch Bosheit, Leidenschaft und Rache Verwirrung und Unordnung entstehen.
Als Heilmittel dagegen sieht Locke eine bürgerliche Regierung, die er streng von einer absoluten Monarchie unterscheidet, in der ein einzelner Mensch ohne Beschluss seiner Untertanen alle Rechte innehat.

Nur der Vertrag beendet den Naturzustand, der aufgrund einer Übereinkunft der Gemeinschaft, einen politischen Körper zu bilden, entsteht.

Wer ohne Grund einen geplanten Anschlag auf das Leben eines anderen unternimmt oder wer versucht, einen anderen in seine absolute Gewalt zu bekommen, beraubt diesen um seine Freiheit und stößt ihn in den Zustand der Sklaverei.
Dieser Zustand wird von Locke als Kriegszustand definiert, der die Freiheit als Grundlage all dessen, was die Naturgesetze gebieten, missachtet.
Das Grundgesetz der Natur verlangt die Erhaltung der Menschen, daher befindet sich derjenige, der einen Anschlag auf das Leben eines anderen plant, im Kriegszustand und verdient den Tod.
Ebenso darf ein Dieb, der sich mit Gewalt fremden Eigentums bemächtigt, getötet werden, da dieser durch seine Tat den Kriegszustand herbeigeführt hat.
Locke schließt daraus, dass Menschen, die auf der Basis der Vernunft zusammenleben, das Recht haben, denjenigen zu töten, der durch Gewaltanwendung den Kriegszustand herbeigeführt hat.

Da es im Naturzustand keine positiven Gesetze und keine unparteiischen Richter gibt und nur die Naturgesetze als Rechtsgrundlage gelten, besteht die Möglichkeit, dass sich strittige Parteien nicht einigen können und deshalb den Naturzustand verlassen, um ein Gesellschaft mit positiven Gesetzen als Grundlage zu bilden.


Nach Locke ist das oberste Prinzip des im Naturzustand lebenden Menschen das Naturgesetz, das ihm das Recht auf Selbstbestimmung gibt.
Im Naturzustand sind die Menschen gleich, frei und können unabhängig vom Willen eines anderen über ihr Eigentum verfügen.
Der im Naturzustand lebende Mensch verpflichtet sich gegenüber den Gesetzen der Natur und es herrscht Frieden unter den Menschen.
Konflikte entstehen bei Locke, wenn ein Mensch das natürliche Gesetz nicht befolgt. Da es im Naturzustand keine unparteiischen Richter gibt, ist ein jeder Richter und Vollstrecker in eigener Sache.
So entsteht auch hier der Krieg und nur ein in Übereinkunft geschlossener Vertrag kann diesen Kriegszustand beenden.



Veröffentlicht durch Lilith Dan

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