Donnerstag, 31. März 2016

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Die Maximen

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.
Die Maximen


Maximen, wie die Imperative, sind ihrer Gattung nach praktische Grundsätze.

Nach Kants Definition lässt sich ein praktischer Grundsatz daran erkennen, dass er eine allgemeine Willensbestimmung miteinschließt, sowie einer Anzahl von Regeln logisch vorangeht, deren Prinzip er bildet.
‚Maximen aber ist das subjektive Prinzip zu handeln, was sich das Subjekt selbst zur Regel macht (wie es nämlich handeln will‘ (Metaphysik der Sitten).

Die Gesamtaussage einer praktischen Regel kann demnach wie folgt formuliert werden:
Unter der Bedingung, dass eine bestimmte Absicht vorhanden ist, soll eine spezifische Art von Handlung ausgeführt werden.
Die praktische Regel verknüpft also in Form einer Vorschrift ein Mittel mit einem Zweck. Das Mittel, welches dabei vorgeschrieben wird, besteht in einer Handlungsweise, der angesprochene Zweck hingegen ist der implizite Zielpunkt einer Intention, welche von vornherein feststeht und deren Verwirklichung gemäß der Regel durch jene Handlungsart angestrebt werden soll.

In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten setzt sich Kant mit der Frage nach der Bildung von Maximen auseinander:
‚In einer praktischen Philosophie haben wir nicht nötig, über die Gründe Untersuchungen anzustellen, worauf Gefühl der Lust und Unlust beruhe, und wie hieraus Begierden und Neigungen, aus diesen aber durch Mitwirkung der Vernunft Maximen entspringen; denn das gehört alles zu einer empirischen Seelenlehre, welche den zweiten Teil der Naturlehre ausmachen würde, wenn man sie als Philosophie der Natur betrachtet, sofern sie auf empirischen Gesetzen gegründet ist‘.

Eine Maxime wird von einem einzelnen Subjekt aufgrund von Bedingungen und Intentionen, die seine Besonderheit ausmachen, zum Prinzip erhoben, resp., dass sich dieses Subjekt aus eigenem Antrieb in der Maxime ein Ziel zu realisieren vornimmt, das inhaltlich von seiner Eigenart geprägt ist.
Subjektiv sind die Maximen, das sie Grundsätze repräsentieren, nach welchen das Subjekt aus Überzeugung aktuell handelt.
Es gibt offenbar eine gewisse Anzahl von Maximen, welche sich als allgemeine Gesetze vorstellen lassen:
Maxime, welche demzufolge subjektive und objektive Grundsätze in einem beschreiben.

Mit Hilfe des kategorischen Imperativs kann untersucht, werden, ob eine in Frage stehende Maxime dem Prinzip der Autonomie als dem Bestimmungsgrund eines an sich guten Willens entspricht oder nicht.
Einige Beispiele von Kants Privatmaximen, aus dem praktischen und theoretischen Bereich, die seine Biographen und Schüler festgehalten haben.
Es kann sich jemand zur Maxime machen, keine Beleidigung ungerecht zu erdulden:
Ich habe es mir zu meiner Maxime gemacht, mein Vermögen durch alle sicheren Mittel zu vergrößern.
Schuldenfrei seinen Gang durchs Leben zu machen, und dies, um von anderen Menschen, hier in Absicht auf Geld, so wie überhaupt in allen Beziehungen unabhängig zu sein und bleiben zu können, dies war Maxime, die er für jeden Edeldenkenden ganz unentbehrlich hielt.
Dass man sich unter anderem in der Wahl der Farbe zu Kleid und Weste genau nach den Blumen richten müsse.
Seine Maxime aber ist: Ich mache es mir aus Selbstliebe zum Prinzip, wenn das Leben bei seiner längeren Frist mehr Übel droht, als es Annehmlichkeiten verspricht, es mir abzukürzen.
Folgende Maxime des gemeinen Menschenverstandes:

1.    Selbstdenken,
2.    An der Stelle jedes anderen denken,
3.    Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken.

Fac et excusa: Ergreife die günstige Gelegenheit zur eigenmächtigen Besitznehmung; die Rechtfertigung wird sich weit leichter und zierlicher nach der Trat vortragen und die Gewalt beschönigen lassen, als wenn man zuvor auf überzeugende Gründe sinnen und die Gegengründe darüber noch erst abwarten wollte.

Der Satz ‚Mundus regitur opinionibus‘ ist nicht ein Sprichwort des Spottes über die Torheit des Menschen, sondern eine gute Maxime der Klugheit vor Regenten.
Wissenschaft: Maxime derselben: wie die Elefanten nicht eher einen Fuß aufzuheben um weiterzuschreiten, bis sie fühlen, dass die übrigen drei fest
stehen.

Weil man die Autonomie als die Freiheit der reinen praktischen Vernunft nicht zu erkennen vermag, bzw. diese Freiheit keinen Gegenstand einer uns möglichen theoretischen Erkenntnis ausmacht, bietet sich dem Menschen lediglich die Möglichleit, die Moralität seiner Maximen auf einem negativen Wege zu kontrollieren.

In diese Sinne repräsentiert der kategorische Imperativ als eine Formel des vernünftigen Grundgesetzes bei Kant den obersten Maßstab, anhand dessen sich die Mitberücksichtigung des Vernunftinteresses bei der Bestimmung von Maximen überprüfen lässt.

Kants Diktum am Anfang des ersten Abschnittes der Grundlegung, wonach einzig und allein der gute Wille für schlechthin gut erachtet werden kann, liest sich wie eine Schlussfolgerung aus dem stoischen Grundgedanken, gemäß dem das wahrhaft Gute für den Menschen ausschließlich im Bereiche dessen zu suchen ist, worüber der Mensch selbst verfügen kann:
‚Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begehren und Leiden‘.

Bei Seneca heißt es zunächst:
‚Endlich: auf die Absicht aller Dinge, nicht auf den Erfolg blickt der Weise. Die guten Anfänge stehen in unserer Macht: Über den Ausgang urteilt das Schicksal‘.

Im Rahmen Kants bedeutet dies:

‚Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zu Erreichung irgendeines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d. i. an sich, gut‘.

Veröffentlicht durch Lilith Dan 

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