Donnerstag, 31. März 2016

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Prolegomenon

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.
Prolegomenon


Der Mensch ist ein erkennendes und handelndes Wesen, das von seiner Vernunft einen theoretischen und praktischen Gebrauch macht.
Die erste Frage: ‚Was kann ich wissen?‘ betrifft den theoretischen Gebrauch der Vernunft und wird von Kant in der ‚Kritik der theoretischen Vernunft‘ behandelt.
Der praktische Gebrauch der Vernunft, verbunden mit der Frage: ‚Was soll ich tun?‘ wird in der ‚Metaphysik der Sitten‘ und in der ‚Kritik der praktischen Vernunft‘ von Kant analysiert.

Aristoteles konzipierte erstmals die Ethik als gesonderte Disziplin der Philosophie, die damit zu einem unentbehrlichen Bestandteil jedes philosophischen Systems wurde.

Die ‚Kritik der praktischen Vernunft‘ ist in eine Elementarlehre und in eine Methodenlehre gegliedert; in der ‚Metaphysik der Sitten‘ untersucht Kant die Prinzipienlehre seiner Moralphilosophie.
Kant sah es als seine Aufgabe an, die apriorischen Elemente der Moral herauszuarbeiten, eine Analyse ‚post eventum‘.
Sittliche Gesetze sollen allgemein, für alle Menschen und Handlungen verbindlich sein und notwendig im Sinne unbedingter Verbindlichkeit.

Für Kant ist der freie Wille die ratio essendi des moralischen Gesetzes: ‚Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille. Verstand, Witz, Urteilskraft und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder Mut, Entschlossenheit, Beharrlichkeit im Vorsatze als Eigenschaften des Temperaments sind ohne Zweifel in mancher Absicht gut und wünschenswert; aber sie können auch äußerst böse und schädlich werden, wenn der Wille, der von diesen Naturgaben Gebrauch machen soll und dessen eigentümliche Beschaffenheit darum Charakter heißt, nicht gut ist. Mit den Glücksgaben ist es ebenso bewandt. Macht, Reichtum, Ehre, selbst Gesundheit und das ganze Wohlbefinden und Zufriedenheit mit seinem Zustande unter dem Namen der Glückseligkeit machen Mut und hierdurch auch öfters Übermut, wo nicht eine guter Wille da ist, der den Einfluss derselben aufs Gemüt und hiermit auch das ganze Prinzip zu handeln berichtige und allgemeinzweckmäßig mache; ohne zu erwähnen, dass ein vernünftiger unparteiischer Zuschauer sogar am Anblick eines ununterbrochenen Wohlergehens eines Wesens, das kein Zug eines reinen und guten Willens ziert, nimmermehr ein Wohlgefallen haben kann, und so der gute Wille die unerlässliche Bedingung selbst der Würdigkeit glücklich zu sein auszumachen scheint‘.

Der Wille wird durch Gesetze bestimmt, die in unserer autonomen Vernunft liegen oder der Wille wird durch etwas, was außerhalb unserer Vernunft liegt, durch ein fremdes Gesetz bestimmt und ist dadurch heteronom.
Die Autonomie des Willens ist das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten.
Autonomie bedeutet Freiheit im negativen Sinne der Unabhängigkeit von empirisch materialen Bedingungen oder Beweggründen des Handelns, als auch von der Willkür äußerer Gesetzgebung, da Heteronomie die sittliche Verbindlichkeit nicht begründen kann, sondern voraussetzen muss; im positiven Sinne die Autonomie der reinen praktischen Vernunft, die sich allein aus sich und durch sich selbst sittlich binden kann.
Durch eine kritische Untersuchung des Vernunftvermögens wird die Beantwortung der Frage, ob die Vernunft für sich allein den Willen bestimmen kann, dadurch erhellt, dass eine Anzahl verschiedener Grundsätze aufgezeigt werden die auf die Bestimmung des Willens zielen.
Zwischen Pflicht und Neigung besteht ein Gegensatz: Neigung gehört der determinierten physischen und psychischen Natur des Menschen an.
Nach Kant kann der Mensch zwischen Neigung und Pflicht entscheiden.
‚Pflicht! Du erhabener großer Name, der du nichts Beliebtes, was Einschmeichelung bei sich führt, in dir fassest, sondern Unterwerfung verlangst, doch auch nichts drohest, was natürliche Abneigung im Gemüte erregte und schreckte, um den Willen zu bewegen, sondern bloß ein Gesetz aufstellst, welches von selbst im Gemüte Eingang findet und doch sich selbst wider Willen Verehrung (wenngleich nicht immer Befolgung) erwirbt, vor dem alle Neigungen verstummen, wenn sie gleich insgeheim ihm entgegenwirken: welches ist der deiner würdige Ursprung, und wo findet man die Wurzel deiner edlen Abkunft, welche alle Verwandtschaft mit Neigungen stolz ausschläft, und von welcher Wurzel abzustammen die unnachlässliche Bedingung desjenigen Wertes ist, den sich Menschen allein selbst geben können?‘

Der Mensch gehört zwar der Sinnenwelt an und ist ihren Gesetzen unterworfen, zugleich aber gehört er der intelligiblen Welt an, in welcher sittliches Wollen und Handeln geschieht, das ‚heilige Gesetz‘ zu verwirklichen ist.
Für Kant folgt, dass allein das Gesetz als solches das Motiv sittlichen Handelns sein kann. Geschieht die Willensbildung zwar gemäß dem moralischen Gesetz, aber nur vermittelst eines Gefühls, welcher Art es auch sei, mithin nicht um des Gesetzes willen, so wird die Handlung zwar Legalität, aber nicht Moralität enthalten.
Die Handlung ist dann nach dem Buchstaben, aber nicht dem Geiste nach moralisch gut. Moralität wird erst erreicht, wenn das Gesetz allein um seiner selbst willen erfüllt wird, die Handlung nur aus Pflicht und aus Achtung fürs Gesetz, nicht aus Liebe und Zuneigung zu dem, was die Handlungen hervorbringen sollen, gesetzt werden.
Das Sittengesetz wird von einem moralischen Gefühl, dem Gefühl der Achtung fürs moralische Gesetz, durch Vernunft, durch unmittelbare Einsicht reiner praktischer Vernunft, wahrgenommen.
Ist der Wille nicht an sich völlig der Vernunft gemäß, sind die Handlungen, die objektiv als notwendig erkannt werden, subjektiv zufällig und die Bestimmung eines solchen Willens objektiven Gesetzen gemäß ist Nötigung.
Für Kant ist der Mensch Bürger zweier Welten:
‚Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mit‘.
Das formale, jedoch unbedingt verbindliche Sittengesetz nennt Kant den kategorischen Imperativ, der ebenso praktische Grundsätze beinhaltet, aber nur bedingt allgemeingültig ist. Sie bestimmen die Bedingungen der Kausalität eines vernünftigen Wesens als wirkende Ursache in Ansehung der Wirkung und deren Zulänglichkeit.

Die Maximen beinhalten subjektive Grundsätze, die für den Willen eines Subjektes als gültig anerkannt werden; die reine Vernunft hat keinen zur Willensbestimmung hinreichenden Grund.

Es ergib sich folgendes Schema:
Praktische Grundsätze:
Enthalten allgemeine Bestimmungen des Willens,
die mehrere praktische Regeln unter sich haben.
/   \
/   \
Praktische Gesetze:                                                                    Maximen:
Mit obj. Regeln, die für jedes                                                       subjektiv gültige,
vernünftige Wesen gültig sind,                                                    praktische Grundsätze
da die reine Vernunft einen zur
Willensbestimmung hinreichenden
Grund hat.
/                                                               \
Hypothetischer Imperativ:                                 Kategorischer Imperativ:
Sie bestimmen die Bedingungen                        sie bestimmen nur den Willen
der Kausalität eines                                               und sind unbedingt
vernünftigen Wesens als                                      gültig.
wirkende Ursache in Ansehung
der Wirkung und deren
Zulänglichkeit und sind
bedingt allgemeingültig.

Die Postulate der praktischen Vernunft entsprechen den Ideen der theoretischen Vernunft: Gott – Freiheit – Unsterblichkeit.
Es bedarf Gottes als einer Macht, die imstande ist, das summum bonum zu verwirklichen und Tugend mit Glück zu krönen.
Es bedarf der Unsterblichkeit, weil Tugend und Glück offensichtlich nicht in diesem Leben zusammenfallen. Es bedarf der Freiheit, weil sie die Voraussetzung für den kategorischen Imperativ ist. Die Ideen der reinen Vernunft sind in den Postulaten der praktischen Vernunft wiederaufgenommen. Metaphysik, theoretisch unmöglich, ist praktisch verwirklicht: nicht im Wissen, sondern im Glauben.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Die Maximen

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.
Die Maximen


Maximen, wie die Imperative, sind ihrer Gattung nach praktische Grundsätze.

Nach Kants Definition lässt sich ein praktischer Grundsatz daran erkennen, dass er eine allgemeine Willensbestimmung miteinschließt, sowie einer Anzahl von Regeln logisch vorangeht, deren Prinzip er bildet.
‚Maximen aber ist das subjektive Prinzip zu handeln, was sich das Subjekt selbst zur Regel macht (wie es nämlich handeln will‘ (Metaphysik der Sitten).

Die Gesamtaussage einer praktischen Regel kann demnach wie folgt formuliert werden:
Unter der Bedingung, dass eine bestimmte Absicht vorhanden ist, soll eine spezifische Art von Handlung ausgeführt werden.
Die praktische Regel verknüpft also in Form einer Vorschrift ein Mittel mit einem Zweck. Das Mittel, welches dabei vorgeschrieben wird, besteht in einer Handlungsweise, der angesprochene Zweck hingegen ist der implizite Zielpunkt einer Intention, welche von vornherein feststeht und deren Verwirklichung gemäß der Regel durch jene Handlungsart angestrebt werden soll.

In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten setzt sich Kant mit der Frage nach der Bildung von Maximen auseinander:
‚In einer praktischen Philosophie haben wir nicht nötig, über die Gründe Untersuchungen anzustellen, worauf Gefühl der Lust und Unlust beruhe, und wie hieraus Begierden und Neigungen, aus diesen aber durch Mitwirkung der Vernunft Maximen entspringen; denn das gehört alles zu einer empirischen Seelenlehre, welche den zweiten Teil der Naturlehre ausmachen würde, wenn man sie als Philosophie der Natur betrachtet, sofern sie auf empirischen Gesetzen gegründet ist‘.

Eine Maxime wird von einem einzelnen Subjekt aufgrund von Bedingungen und Intentionen, die seine Besonderheit ausmachen, zum Prinzip erhoben, resp., dass sich dieses Subjekt aus eigenem Antrieb in der Maxime ein Ziel zu realisieren vornimmt, das inhaltlich von seiner Eigenart geprägt ist.
Subjektiv sind die Maximen, das sie Grundsätze repräsentieren, nach welchen das Subjekt aus Überzeugung aktuell handelt.
Es gibt offenbar eine gewisse Anzahl von Maximen, welche sich als allgemeine Gesetze vorstellen lassen:
Maxime, welche demzufolge subjektive und objektive Grundsätze in einem beschreiben.

Mit Hilfe des kategorischen Imperativs kann untersucht, werden, ob eine in Frage stehende Maxime dem Prinzip der Autonomie als dem Bestimmungsgrund eines an sich guten Willens entspricht oder nicht.
Einige Beispiele von Kants Privatmaximen, aus dem praktischen und theoretischen Bereich, die seine Biographen und Schüler festgehalten haben.
Es kann sich jemand zur Maxime machen, keine Beleidigung ungerecht zu erdulden:
Ich habe es mir zu meiner Maxime gemacht, mein Vermögen durch alle sicheren Mittel zu vergrößern.
Schuldenfrei seinen Gang durchs Leben zu machen, und dies, um von anderen Menschen, hier in Absicht auf Geld, so wie überhaupt in allen Beziehungen unabhängig zu sein und bleiben zu können, dies war Maxime, die er für jeden Edeldenkenden ganz unentbehrlich hielt.
Dass man sich unter anderem in der Wahl der Farbe zu Kleid und Weste genau nach den Blumen richten müsse.
Seine Maxime aber ist: Ich mache es mir aus Selbstliebe zum Prinzip, wenn das Leben bei seiner längeren Frist mehr Übel droht, als es Annehmlichkeiten verspricht, es mir abzukürzen.
Folgende Maxime des gemeinen Menschenverstandes:

1.    Selbstdenken,
2.    An der Stelle jedes anderen denken,
3.    Jederzeit mit sich selbst einstimmig denken.

Fac et excusa: Ergreife die günstige Gelegenheit zur eigenmächtigen Besitznehmung; die Rechtfertigung wird sich weit leichter und zierlicher nach der Trat vortragen und die Gewalt beschönigen lassen, als wenn man zuvor auf überzeugende Gründe sinnen und die Gegengründe darüber noch erst abwarten wollte.

Der Satz ‚Mundus regitur opinionibus‘ ist nicht ein Sprichwort des Spottes über die Torheit des Menschen, sondern eine gute Maxime der Klugheit vor Regenten.
Wissenschaft: Maxime derselben: wie die Elefanten nicht eher einen Fuß aufzuheben um weiterzuschreiten, bis sie fühlen, dass die übrigen drei fest
stehen.

Weil man die Autonomie als die Freiheit der reinen praktischen Vernunft nicht zu erkennen vermag, bzw. diese Freiheit keinen Gegenstand einer uns möglichen theoretischen Erkenntnis ausmacht, bietet sich dem Menschen lediglich die Möglichleit, die Moralität seiner Maximen auf einem negativen Wege zu kontrollieren.

In diese Sinne repräsentiert der kategorische Imperativ als eine Formel des vernünftigen Grundgesetzes bei Kant den obersten Maßstab, anhand dessen sich die Mitberücksichtigung des Vernunftinteresses bei der Bestimmung von Maximen überprüfen lässt.

Kants Diktum am Anfang des ersten Abschnittes der Grundlegung, wonach einzig und allein der gute Wille für schlechthin gut erachtet werden kann, liest sich wie eine Schlussfolgerung aus dem stoischen Grundgedanken, gemäß dem das wahrhaft Gute für den Menschen ausschließlich im Bereiche dessen zu suchen ist, worüber der Mensch selbst verfügen kann:
‚Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begehren und Leiden‘.

Bei Seneca heißt es zunächst:
‚Endlich: auf die Absicht aller Dinge, nicht auf den Erfolg blickt der Weise. Die guten Anfänge stehen in unserer Macht: Über den Ausgang urteilt das Schicksal‘.

Im Rahmen Kants bedeutet dies:

‚Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zu Erreichung irgendeines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d. i. an sich, gut‘.

Veröffentlicht durch Lilith Dan 

Mittwoch, 30. März 2016

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Der hypothetische Imperativ

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.
Der hypothetische Imperativ


Geschieht eine Willensbestimmung zwar gemäß dem moralischen Gesetz, aber nur vermittelst eines Gefühls, welcher Art es sei…mithin nicht um des Gesetzes willen, so wird die Handlung zwar Legalität, aber nicht Moralität enthalten.
Ein hypothetischer Imperativ hat die Form:
‚Du sollst so oder so handeln, wenn…‘.

Die hypothetischen Imperative sind Prinzipien des Willens, keine Gesetze. Wenn ich mir einen hypothetischer Imperativ überhaupt denke, so weiß ich nicht im Voraus, was er enthalten werde, bis mir die Bedingungen angegeben sind.

Praktische Prinzipien sind material, wenn die subjektiven Zwecke auf Triebfedern beruhen, denn nur ihr Verhältnis auf ein besonders geartetes Begehrungsvermögen des Subjekts gibt ihnen den Wert, der daher keine allgemeinen, für alle vernünftigen Wesen gültige Prinzipien an die Hand geben kann. Daher sind alle relativen Zwecke nur der Grund von hypothetischen Imperativen.

Die Neigungen haben, als Quelle des Bedürfnisses, so wenig absoluten Wert, dass es der Wunsch eines jeden vernünftigen Wesens sein muss, davon frei zu sein. Also ist der Wert aller durch unsere Handlungen zu erwerbenden Gegenständen jederzeit bedingt.

Der hypothetische Imperativ sagt, das die Handlung zu irgendeiner möglichen Absicht gut sein; in diesem Falle ist der Imperativ ein problematisch-praktisches Prinzip. Oder er sagt, dass die Handlung zu einer wirklichen Absicht gut sei, was in diesem Falle ein assertorisch-praktisches Prinzip sei.
Es gibt hypothetische Imperative der Geschicklichkeit von der Form:
‚Du sollst das und das tun, wenn du eine bestimmte Wirkung erreichen möchtest‘, und hypothetische Imperative der Glückseligkeit von der Form:
‚Du sollst das und das tun, wenn du glücklich sein willst‘.

Imperative der Geschicklichkeit streben nach einem zu erreichenden Zweck unter entscheidendem Einfluss der Vernunft.
Dieser Satz ist, was das Wollen betrifft, analytisch, da der Imperativ den Begriff notwendiger Handlung zu diesem Zwecke schon aus dem Begriff des Wollens zieht.

Wenn ich weiß, dass durch eine Handlung allein schon die gedachte Wirkung geschehe, werde ich, wenn ich die Wirkung vollständig will, auch die Handlung wollen, die dazu erforderlich ist.
Doch ist der Begriff der Glückseligkeit, aus empirischen Elementen bestehend, so unbestimmt, da der Mensch kaum von sich selbst sagen kann, was er nun eigentlich wünscht, um glücklich zu sein.
Imperative der Klugheit können keine Handlung objektiv als praktisch-notwendig darstellen, vielmehr sind sie als Gebote der Vernunft zu bezeichnen.

Glückseligkeit ist kein Ideal der Vernunft, sondern der Einbildungskraft. Vorausgesetzt, dass die Mittel zur Glückseligkeit angegeben werden könnten, wäre der Imperativ der Klugheit ein analytisch-praktischer Satz, denn er ist von den Imperativen der Geschicklichkeit nur darin zu unterscheiden, dass bei diesem der Zweck bloß möglich, bei jenem aber gegeben ist.
Doch ist in beiden Fällen der Imperativ ein analytischer, da das Wollen der Mittel für den, der den Zweck will, vorausgesetzt wird.
Sagt jemand, dass er in der Jungend arbeiten und sparen müssen, um im Alter nicht zu darben, so ist dies eine richtige und zugleich wichtige praktische Vorschrift des Willens. Die Vernunft legt in diese Vorschrift zwar auch  Notwendigkeit, aber nur subjektiv bedient.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Der kategorische Imperativ

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.Der kategorische Imperativ


Der kategorische Imperativ ist nach dem apodiktisch-praktischen Prinzip ein formales, unbedingt verbindliches Sittengesetz.

Eine Ethik, die allgemein und unbedingt gelten soll, kann nur auf einem kategorischen Imperativ begründet werden.
So kommt Kant zum Grundgesetz der praktischen Vernunft:

‚Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne‘:

Der kategorische Imperativ betrifft nicht nur die Materie der Handlung und das, was aus ihr erfolgen soll, sondern die Form und das Prinzip, woraus sie selbst folgt und das Wesentlich-Gute derselben besteht in der Gesinnung, der Erfolg mag sein, welcher er wolle (Grundlegung zur Metaphysik der Sitten).
Der sittliche Imperativ setzt weder Erfahrung voraus, die keine Verbindlichkeit begründen könnte, noch äußere Gesetzgebung, die als eine von außen auferlegte Bindung Willkür, daher der Freiheit sittlichen Handelns entgegen wäre.

Die Autonomie des Willens ist das alleinige Prinzip aller moralischen Gesetze und der ihnen gemäßen Pflichten.
In der Unabhängigkeit von einem Objekt und doch zugleich Bestimmung der Willkür durch die bloße allgemein gesetzgebende Form, deren eine Maxime fähig sein muss, besteht das alleinige Prinzip der Sittlichkeit. Diese Unabhängigkeit ist Freiheit im negativen, die eigene Gesetzgebung der reinen und praktischen Vernunft aber ist Freiheit im positiven Verstand.
Also drückt das moralische Gesetz die Autonomie der reinen praktischen Vernunft aus.
Der höchste moralische Moralbegriff ist der der Pflicht, in dem sich die Unbedingtheit des Sittlichen ausdrückt.
Wahre Moralität wird erst erreicht, wenn das Gesetz allein um seiner selbst willen erfüllt wird, die Handlungen nur aus Pflicht und Achtung fürs Gesetz, nicht aus Liebe und Zuneigung zu dem, was die Handlungen hervorbringen sollen, gesetzt werden.

Wie ist nun ein Imperativ der Sittlichkeit möglich, bei dem sich die objektiv-vorgestellte Notwendigkeit auf keine Voraussetzung stützen kann wie bei den hypothetischen Imperativen?
Durch kein Beispiel ist es auszumachen, ob es einen kategorischen Imperativ gibt, lediglich kann nur aufgezeigt werden, dass alle Imperative, die kategorisch erscheinen, doch versteckterweise hypothetisch sind.
Zum Beispiel, wenn es heißt: Du sollst nichts betrüglich versprechen.

Es könnte angenommen werden, dass die Notwendigkeit dieser Unterlassung nicht ein bloßer Rat zur Vermeidung irgendeines anderen Übels sei, so dass es hieße:
Du sollst nicht lügenhaft versprechen, damit du nicht, falls es offenbar werden würde, dich um den Kredit bringest.
Sondern man würde behaupten, dass die Handlung an sich als böse zu betrachten sei – der Imperativ sei also kategorisch.

Mit keinem Beispiel lässt sich mit Gewissheit sage ob der Wille hier ohne andere Triebfeder als durch das bloße Gesetz wird. Das Nichtsein einer Ursache kann duruch Erfahrung nicht bewiesen werden.
Der sogenannte moralische Imperativ, der kategorisch und unbedingt erscheint, würden nur eine pragmatische Vorschrift sein.
Der kategorische Imperativ kann also nur apriori untersucht werden.

Der kategorische Imperativ ist ein praktisches Gesetz, denn, was zu einer beliebigen Absicht zu tun notwendig ist, wir von der Vorschrift jederzeit lassen können, wenn wir die Absicht aufgeben, dahingegen lässt das unbedingte Gebot dem Willen kein Belieben, mithin ist das Gesetz it seiner ihm eigenen Notwendigkeit unbedingt.
Der kategorische Imperativ ist ein synthetisch-praktischer Satz apriori und als solcher wie in der theoretischen Erkenntnis problematisch.

Dem kategorischen Imperativ bleibt nichts als die Allgemeinheit eines Gesetzes überhaupt übrig, welchem die Maxime der Handlung gemäß sein soll.
Der allgemeine Imperativ der Pflicht könnte auch lauten:
Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.

Was bedeutet nun Pflicht? Hier eine Aufzählung der Pflichten gegen uns selbst und gegen andere Menschen:
Ein Mensch, der durch eine Reihe von Übel Überdruss am Leben empfindet, ist so vernünftig, dass er sich fragen kann, ob es nicht der Pflicht gegen sich selbst zuwider sein, sich das Leben zu nehmen.
Nun stellt er sich vor, wie die Maxime seiner Handlung zum allgemeinen Naturgesetz werden könnte. Seine Maxime lautet:
Aus Selbstliebe mache ich es mir zum Prinzip, meinem Leben, falls diesem mehr Übel als Annehmlichkeiten bevorstehen, ein Ende zu machen.

Es ist hier leicht zu erkennen, dass eine Natur, deren Bestimmung es ist, zur Beförderung des Lebens anzutreiben, sich selbst widersprechen würde und somit diese Maxime unmöglich ein Naturgesetz abgeben könnte.

Ein anderer Mensch muss sich Geld borgen, er weiß, dass er es nicht zurückzahlen kann, sieht aber, dass wenn er die Rückzahlung nicht verspricht, von niemanden Geld erhalten wird.
Seine Maxime lautet also:
Wenn ich mich in Geldnot zu sein glaube, wo will ich Geld borgen und versprechen, es zu bezahlen, ob ich gleich weiß, es werde niemals geschehen.
Was wäre nun, falls diese Maxime als ein allgemeines Gesetz gelten würde. Ein Versprechen und den damit verbundenen Zweck wäre unmöglich denkbar, da niemand mehr an ein Versprechen glauben würde.

Ein anderer Mensch besitzt eine Begabung, der er nicht weiterentwickelt; er zieht es vor, seinem Vergnügen nachzugehen, als sich mit der Entwicklung seiner Begabung zu beschäftigen.
Nach seiner Maxime würde die Natur immer noch bestehen können, doch sollte ein vernünftiges Wesen wollen, dass alle Begabungen in ihm entwickelt werden, da sie ihm zu allerlei möglichen Absichten gegeben sind.

Ein anderer Mensch sieht das Leid anderer Menschen, denen er helfen könnte, aber er sagt sich, dass ihn das nichts angehe.
Eine solche Maxime würde, zum allgemeinen Naturgesetz geworden, sich selbst widersprechen, da es Fällte geben mag, bei denen Menschen Liebe und Teilnahme bedürfen und das dem eigenen Willen entsprungene Naturgesetz sich selbst alle Hoffnungen des Beistandes rauben würde.
Man muss wollen können, dass eine Maxime unserer Handlung ein allgemeines Gesetz werde. Der praktische Imperativ wird also folgender sein:

Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, also in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.

Veröffentlicht durch Lilith Dan 

Kant: Kritik der praktischen Vernunft. Die Imperative

Kant: Kritik der praktischen Vernunft.
Die Imperative


Die Gesetze der praktischen Vernunft haben einen fordernden Charakter.
Sie sagen: So sollst du handeln!

Alle Imperative werden durch ein Sollen ausgedrückt und zeigen dadurch das Verhältnis eines objektiven Gesetzes der Vernunft zu einem Willen an, der seiner subjektiven Beschaffenheit nach dadurch nicht notwendig bestimmt wird.

Die hypothetischen Imperative stellen die praktische Notwendigkeit einer möglichen Handlung als Mittel zu etwas Anderem und sind daher bedingt allgemeingültig und haben die Form: ‚Du sollst so oder so handeln, wenn…‘.

Da jedes praktische Gesetz eine mögliche Handlung als gut und darum für ein durch die Vernunft praktisch bestimmbares Subjekt als notwendig vorstellt, sind alle Imperative Formeln der Bestimmung der Handlungen, die nach dem Prinzip eines in irgendeiner Art guten Willens notwendig sind.

Der hypothetische Imperativ sagt nur, dass die Handlung zu irgendeiner möglichen oder wirklichen Absicht gut sei.
Alle Grundsätze, die ein Objekt zum Bestimmungsgrund des Willens machen, können kein allgemein gültiges praktisches Gesetz abgeben.

Praktische Gesetze können nur nach Prinzipien der objektlosen Willensbestimmung gelten, ein rein formales Gesetz, frei von allem Empirischen.

Der kategorische Imperativ wird durch keine Bedingung eingeschränkt und hat die Form: ‚Du sollst das und das tun!‘
Er stellt eine Handlung nur für sich selbst, ohne Beziehung auf einen Zweck, als objektiv-notwendig, dar.

Praktisch gut ist, was vermittelst der Vorstellungen der Vernunft, mithin nicht aus subjektiven Ursachen, sondern objektiv, das heißt, aus Gründen, die frei für jedes vernünftige Wesen als solches gültig sind, den Willen bestimmt.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Sonntag, 27. März 2016

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung: Locke: Der Naturzustand und das Naturrecht

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung:Locke: Der Naturzustand und das Naturrecht


Im Naturzustand befinden sich die Menschen in vollkommener Freiheit, in der sie innerhalb der gegebenen Naturgesetze über sich selbst und ihren Besitz verfügen können.
Untereinander sind Menschen gleich, da ihr jeweiliger Besitz gleich ist und sie gleichgestellt leben.
Die Menschen achten das natürliche Gesetz, das den Frieden und die Erhaltung der Menschheit fordert, so dass ein Töten anvertrauter Lebewesen nur Zweck der Selbsterhaltung gebietet.
Da alle Menschen gleich erschaffen sind, kann es auch keine Rangordnung geben, die eine Tötung des anderen zulässt. Vielmehr ist es eine Pflicht, sein Leben und das seiner Mitmenschen zu achten und zu erhalten.
Die Freiheit, Gesundheit und die Güter eines anderen Menschen dürfen nur zur Vergeltung eines Verbrechens angegriffen werden.
Zur Erhaltung der Naturgesetze ist die Vollstreckung eines Verbrechens das Recht jedes einzelnen.

Da unter den Menschen vollkommene Gleichheit herrscht, ist es auch jedermanns Recht, ein Verbrechen zu verfolgen und nach seinem Ermessen zu bestrafen.
So erlangt ein Mensch Macht über einen anderen. Diese Macht sollte jedoch nur der Wiedergutmachung und Abschreckung eines Verbrechens in Form einer Bestrafung dienen und damit den Gesetzen der Natur folgen.

Locke erläutert dieses Recht des Strafens anhand eines Beispiels, indem er das Recht eines Fürsten oder Staates, der einen Fremden für ein Verbrechen bestraft, das dieser in deren Land begangen hat, mit der Begründung ablehnt, dass dieses Recht nur durch Beschluss der in dem Gemeinwesen lebenden Menschen an einen Fürsten übergeben und nur für diese Menschen Gültigkeit besitzt.
Andere Menschen, die dieser Gemeinschaft nicht angehören, leben im Naturzustand.

Falls nun dieses Recht des Strafens oder der Wiedergutmachung durch Beschluss an eine Obrigkeit übergeben wurde, steht es im Ermessen der Obrigkeit, von einer Strafe abzusehen.
Keinesfalls aber kann diese Obrigkeit von einer Entschädigung befreien, da dieses Recht allein dem Geschädigten zusteht.
Da im Naturzustand jeder Mensch Richter und Vollzieher in eigener Sache ist, können durch Bosheit, Leidenschaft und Rache Verwirrung und Unordnung entstehen.
Als Heilmittel dagegen sieht Locke eine bürgerliche Regierung, die er streng von einer absoluten Monarchie unterscheidet, in der ein einzelner Mensch ohne Beschluss seiner Untertanen alle Rechte innehat.

Nur der Vertrag beendet den Naturzustand, der aufgrund einer Übereinkunft der Gemeinschaft, einen politischen Körper zu bilden, entsteht.

Wer ohne Grund einen geplanten Anschlag auf das Leben eines anderen unternimmt oder wer versucht, einen anderen in seine absolute Gewalt zu bekommen, beraubt diesen um seine Freiheit und stößt ihn in den Zustand der Sklaverei.
Dieser Zustand wird von Locke als Kriegszustand definiert, der die Freiheit als Grundlage all dessen, was die Naturgesetze gebieten, missachtet.
Das Grundgesetz der Natur verlangt die Erhaltung der Menschen, daher befindet sich derjenige, der einen Anschlag auf das Leben eines anderen plant, im Kriegszustand und verdient den Tod.
Ebenso darf ein Dieb, der sich mit Gewalt fremden Eigentums bemächtigt, getötet werden, da dieser durch seine Tat den Kriegszustand herbeigeführt hat.
Locke schließt daraus, dass Menschen, die auf der Basis der Vernunft zusammenleben, das Recht haben, denjenigen zu töten, der durch Gewaltanwendung den Kriegszustand herbeigeführt hat.

Da es im Naturzustand keine positiven Gesetze und keine unparteiischen Richter gibt und nur die Naturgesetze als Rechtsgrundlage gelten, besteht die Möglichkeit, dass sich strittige Parteien nicht einigen können und deshalb den Naturzustand verlassen, um ein Gesellschaft mit positiven Gesetzen als Grundlage zu bilden.


Nach Locke ist das oberste Prinzip des im Naturzustand lebenden Menschen das Naturgesetz, das ihm das Recht auf Selbstbestimmung gibt.
Im Naturzustand sind die Menschen gleich, frei und können unabhängig vom Willen eines anderen über ihr Eigentum verfügen.
Der im Naturzustand lebende Mensch verpflichtet sich gegenüber den Gesetzen der Natur und es herrscht Frieden unter den Menschen.
Konflikte entstehen bei Locke, wenn ein Mensch das natürliche Gesetz nicht befolgt. Da es im Naturzustand keine unparteiischen Richter gibt, ist ein jeder Richter und Vollstrecker in eigener Sache.
So entsteht auch hier der Krieg und nur ein in Übereinkunft geschlossener Vertrag kann diesen Kriegszustand beenden.



Veröffentlicht durch Lilith Dan

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung: Hobbes: Der Naturzustand

Texte zur Rechts- und Staatsphilosophie der Aufklärung:Hobbes: Der Naturzustand


Hobbes setzt eine Gleichheit aller Menschen in Bezug auf die geistigen und körperlichen Fähigkeiten voraus, wobei er hinsichtlich der Verteilung der erwähnten Fähigkeiten eine individuelle Toleranz einräumt.
So ist es durchaus möglich, dass ein mit geringer Körperkraft ausgestatteter Mensch einen ihm in dieser Beziehung überlegenen Menschen durch die Anwendung von List besiegen kann.
Hinsichtlich der geistigen Fähigkeiten stellt Hobbes eine noch größere Gleichheit fest; von den Wissenschaften der Rhetorik einmal abgesehen, welche ohnehin nur wenig beherrschen, ist die Klugheit ein Resultat der Erfahrungen, die von jedermann erworben werden kann und der menschlichen Natur entsprechend von jedem Individuum als einzigartig angesehen wird.

So scheint es, dass jeder Mensch die Überzeugung hegt, mit einer einzigartigen Klugheit ausgestattet zu sein, die ihn, objektiv gesehen, zu einem gleichwertigen Mitglied dieser Kollektivüberzeugung macht.
Da nun jeder derart von seiner Klugheit überzeugt scheint, ist er auch davon überzeugt, alles für ihn Erstrebenswerte erreichen zu können.
Falls nun dieses Objekt der Begierde einzigartig und unteilbar ist und sich zwei Individuen, ein jeder mit hervorragender Klugheit ausgestatte, dafür interessieren, wird ein jeder mit allen Mitteln, sei es List oder Gewalt, versuchen, als Sieger aus diesem Schlachtfeld hervorzugehen.
Aus dieser Erfahrung heraus wird ein jeder danach streben vorzubeugen, indem er andere bereits im Vorfeld unschädlich macht, was aus Gründen der Selbsterhaltung gerechtfertigt ist.
Ferner scheint es den Menschen nicht zu gefallen, von einem anderen abwertend behandelt zu werden; diese Herabsetzung seiner Person wird mit Schädigung oder mit Vernichtung bestraft.

Hobbes ordnet nun die vorangegangenen Fälle in drei Gruppen, die er als die drei hauptsächlichen Konfliktursachen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen bezeichnet:

1.    Konkurrenz
2.    Misstrauen
3.    Ruhmsucht

So werden die Menschen der 1. Gruppe keine Gewalt scheuen, um sich den Besitz der anderen anzueignen.
Menschen der 2. Gruppe werden keine Gewalt scheuen, um ihren Besitz zu verteidigen.
Menschen der 3. Gruppe werden keine Gewalt scheuen, um eine Herabsetzung ihrer Person zu rächen.

Daraus schließt nun Hobbes, dass Menschen, die ohne eine über ihnen stehende Macht leben, im Kriegszustand sind. Das heißt nicht, dass sich alle diese Menschen in einer Art von Schlacht bekämpfen. Allein die Bereitschaft zum Kampf ist ausreichend für eine solche Bezeichnung. Jede andere Zeit nennt er Frieden.

Hobbes beschreibt die verschiedenen Auswirkungen des Kriegszustandes für das menschliche Dasein, das seiner Ansicht nach nur noch als einsam, armselig, ekelhaft und kurz definiert werden kann.

Um den letzten Zweifler an dieser naturgegebenen Situation zu überzeugen, führt er Beispiele aus dem Alltagsgeschehen an:
So bewaffnet sich ein Reisender, da er überfallen werden könnt; das Haus wird vor dem Schlafengehen so gut gesichert, dass kaum die Möglichkeit besteht, ungeladen einzutreten.
Denn mögen sich auch die einzelnen Machthaber gegenseitig mit Misstrauen beobachten oder bekämpfen, dem Volk schaden sie damit nicht – im Gegenteil, der Fleiß der Untertanen wird dadurch noch gefördert, so dass es zum Wohle aller gereicht.

Im Kriegszustand aber kann nichts ungerecht sein, da es keine allgemeinen Gesetze gibt, die vorschreiben, was recht oder unrecht ist.
Diese sind keine Tugenden, die der Mensch an sich besitzt, sondern auf die Gesellschaft bezogene Eigenschaften.
Im Kriegszustand gibt es nur so lange Eigentum und Herrschaft, wie es ein Mensch behaupten kann.
Von Todesangst getrieben und die Sehnsucht nach einem besseren Leben veranlassen die Menschen, aus diesem Zustand des Krieges herauszutreten und mit Hilfe ihrer Vernunft eine gemeinsame Basis zu schaffen, um in Frieden miteinander leben zu können.


Hobbes entfernt die letzten theologischen Gesichtspunkte und Rücksichten aus der ethischen und politischen Theorie; er stützt sich allein auf die Erfahrung und versucht, die Methode der mechanistischen und mathematischen Naturerklärung Galileis auf die Geschichts- und Gesellschaftslehre anzuwenden.
Der Naturzustand von Hobbes kennt kein für alle gültiges Naturgesetz als oberstes Prinzip und der Mensch ist daher im dauernden Kriegszustand.
Im Naturzustand, in dem jeder nach seinem Vorteil, auf die Erhaltung seiner Existenz und auf die Vermehrung seines Besitzes strebt und sich dessen bewusst ist, dass der andere die gleichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten besitzt, herrscht Krieg aller gegen alle und das Leben ist ein ständiger Kampf.
Um diesem Leben zu entfliehen und den naturgegebenen Wunsch nach Sicherheit und Schutz zu finden, bilden die Menschen einen durch Übereinkunft geschaffenen Staat.



Veröffentlicht durch Lilith Dan

Charles Sanders Peirce: Methoden zur Festlegung von Überzeugungen

Charles Sanders Peirce:Methoden zur Festlegung von Überzeugungen


Das Bewusstsein ist weitgehend von der Tätigkeit des Gehirns abhängig, das bis zu einem gewissen Grad für die dreidimensionale Ausrichtung des Bewusstseins sorgt.
Nicht zuletzt wegen dieser Verbindung erlebt Individuum die Zeit als Abfolge von Augenblicken.

Überzeugungen wandeln sich ständig; sie leiten unsere Wünsche und formen unsere Handlungen in der Weise, dass sich gewissen Verhaltensmuster einstellen, die unsere Handlungen bestimmen.

Der Zweifel ist für Peirce ein unangenehmer und unbefriedigender Zustand, den wir mit Hilfe einer Überzeugung zu überwinden suchen. An diese neue Überzeugung klammern wir uns mit der Überzeugung, dass sie die einzig wahre ist.

Peirce sieht mit der Festlegung einer Überzeugung das einzige Ziel des Forschens und ‚ein-für-wahr-halten‘ das Äußerste unseres Vermögens.
Von diesen Prämissen ausgehend, überlegt sich Peirce, dass wir mit Hilfe der Autosuggestion ein gestecktes Ziel erreichen können und allen Störfaktoren, die diesem Ziel entgegentreten, mit Hass und Abscheu zu begegnen.
Diese einfache und direkte Methode, eine Überzeugung festzulegen, nennt er die ‚Methode der Beharrlichkeit‘.
Dieser Methode gibt Peirce keine Chance in der Praxis, da ihr der Trieb zur Gemeinschaft und der gegenseitigen Beeinflussung entgegensteht. Die aufkommende Vorstellung, dass das Denken und Fühlen des anderen ebenso seine Gültigkeit hat wie das eigene, wird das Vertrauen in die bestehende Überzeugung erschüttern.

Eine andere Methode, um eine Überzeugung festzulegen, ist die ‚Methode der Autorität‘, mit deren Hilfe die Masse der Menschheit gelenkt wurde und wird.
Der Erfolg dieser Methode ist größer als die Methode der Beharrlichkeit. Die von ‚oben‘ aufgezwungene Überzeugung wird mit Hilfe von Terror, Inquisition u. ä. gefestigt.
Die Gefahr der Beeinflussung von außen ist gering, da sich die Abhängigen abschotten.
Dank des natürlichen Forschungsdrangs und der menschlichen Neugierde besteht aber auch hier die Möglichkeit, dass Zweifel aufkommen. Die Geschichte trägt die Spuren des Zweifels.

Eine andere Methode, die nicht nur den Trieb zur Überzeugung hervorbringt, sondern auch den Satz bestimmt, von dem man überzeugt sein soll, nennt Peirce die ‚apriori-Methode‘: die natürlichen Vorlieben und die gegenseitige Beeinflussung von Gedanken sollen ungehindert fließen, so dass sich die jeweiligen Überzeugungen in Harmonie mit den natürlichen Ursachen entwickeln.
In dieser Methode sieht Peirce die am meist achtenswerteste und intelligenteste unter den zuvor genannten Methoden, da sie Ausdruck des Instinktes ist. Der Schwachpunkt dieser Methode sind Schwankungen, die einem Pendel gleichen, ohne sich festzulegen.

Die bevorzugte Methode von Peirce ist die ‚Methode der Wissenschaft‘, die unsere Überzeugungen nicht von etwas Menschlichem, sondern durch etwas außerhalb von uns Fortdauerndem bestimmt, auf das unser Denken keinen Einfluss hat.
Er geht davon aus, dass es reale Dinge gibt, die objektiv sind, die wir mit Hilfe unserer Wahrnehmung durch schlussfolgerndes Denken erkennen können.
In dieser ‚Methode der Wissenschaft‘ sieht er die einzige Methode, den wahren von einem falschen Weg zu unterscheiden.


Veröffentlicht durch Lilith Dan