Dienstag, 16. Februar 2016

Wer die Patente hat, bestimmt die Produkte von morgen

Wer die Patente hat, bestimmt die Produkte von morgen

Gegen das vom Europäischen Patentamt (EPA) im Februar 2012 erteilte Patent EP1456346 der US-Firma Intrexon auf gentechnisch veränderte Schimpansen haben elf Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und England Einspruch eingelegt, da nach ihrer Meinung die ethische Grenzen des Europäischen Patentrechts verletzt werden.
Die Tiere sollen für die Pharma-Forschung genutzt werden, nachdem sie mit synthetischer DNA manipuliert wurden, die ursprünglich aus Insekten stammt.

‚Tiere sollten mit Respekt behandelt und vor kommerziellem Missbrauch geschützt werden. Insbesondere die Patentierung von Menschenaffen kann durch nichts gerechtfertigt werden, die Erteilung dieser Patente ist eine Beleidigung für unsere eigene Gattung‘, sagt Christoph Then von Testbiotech. ‚Das EPA hat die Grenzen, die von der Gesellschaft akzeptiert werden, weit überschritten. Es ist Zeit, Patente auf Tiere zu stoppen.‘

Die EPA hat bereits in diesem Jahr drei Patente auf Schimpansen erteilt, zwei davon für die US-Firma Intrexon, die ausdrücklich Tiere wie Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe, Affen und insbesondere Schimpansen als ihre Erfindung beansprucht. Ein weiteres Patent erhielt die US-Firma Altor BioScience.

‚Schimpansen sind in ganz Afrika extrem vom Aussterben bedroht, denn die Regenwälder stehen mehr denn je unter dem Druck des steigenden Nahrungsmittel- und Biokraftstoffbedarfs der Industrieländer.
Zugleich hat die Wissenschaft in allen jüngeren Studien bestätigt, wie ähnlich Schimpansen dem Menschen in ihren kognitiven Fähigkeiten, ihrem Sozialverhalten, ihrer Kultur, ihrem Werkzeuggebrauch und auch in Ihrer Fähigkeit, Mitgefühl mit Schwächeren zu entwickeln, sind. In Anbetracht der genannten Argumente ist es mehr als verwunderlich, dass das EPA ein Patent zu Schimpansen genehmigt hat, ohne die damit verbunden moralischen Fragestellungen in Betracht zu ziehen‘, sagt Professor Christophe Boesch, Präsident der Wild Chimpanzee Foundation (WCF).

Tierrechtler und Wissenschaftler fordern gesetzlich verbriefte Grundrechte für Menschenaffen, da sie in ihrer Emotionalität, ihren kognitiven Fähigkeiten und ihrer Ich-Identität dem Menschen so sehr ähneln.

2010 erhielt die Firma Bionomics ein Patent auf gentechnisch veränderte Affen, die an Epilepsie leiden. Auch auf Menschenaffen gibt es schon zahlreiche Patente, obwohl Versuche an Menschenaffen und anderen Primaten strengen Restriktionen unterliegen.
Tierschützer fürchten nun, dass durch die neuen Patente auf Schimpansen Versuche an Menschenaffen legitimiert werden könnten.

Mit ‚we're working to create a better world’, wirbt das US-Unternehmen Intrexon auf seiner Homepage.
Sie haben sich die Vermarktungsrechte für Tiere gesichert, die sie mit Hilfe der Gentechnik erschaffen haben.
‚Kein Patent auf Leben. Patente auf Menschenaffen weisen auf eine krasse Fehlentwicklung hin‘, warnt Ruth Tippe von Testbiotech, da sie fürchtet, dass dadurch der Anreize für mehr Versuche mit diesen hoch entwickelten Tieren geschaffen werden könnte.
‚Wenn Tiere zu technischen Erfindungen erklärt werden, ist grundsätzlich etwas falsch im System‘, sagt Christoph Then. ‚Die derzeitige Praxis des EPA macht Tiere zu Produktionsmaschinen.‘

1992 wurde die sogenannte Krebsmaus patentiert, auf die bald Aids-Mäuse, Alzheimer-Mäuse, Diabetes-Mäuse, Herz-Kreislauf-Ratten und viele mehr folgten, um der Erprobung neuer Arzneimittel und Therapien zu dienen. Doch sind die Krankheiten zu komplex, als dass sie sich so einfach an Mäusen studieren lassen.

‚Das Patentrecht lasse Patente auf Tiere, denen Leiden zugefügt wird, nur dann zu, wenn ein wesentlicher medizinischer Nutzen zu erwarten ist‘, sagt EPA-Sprecher Osterwalder.

2001 erhielt das Klonschaf Dolly Patentschutz. Dass es beim Klonen zu zahlreichen Totgeburten, kranken und missgebildeten Tieren kommt, spielte bei der Prüfung wohl keine Rolle.
Ebenso wenig wurde das Leid berücksichtigt, als die kanadische Firma Seabright im Jahr 2001 ein Patent auf Lachse erhielt, die dank eines Wachstumsgens gigantische Ausmaße erreichten.
Momentan streitet Greenpeace mit dem EPA um eine Kuh, die dank Gentechnik besonders viel Milch geben soll. Die ‚Turbokuh‘ leide, weil die erhöhte Milchmenge bei den ohnehin schon auf Hochleistung gezüchteten Tieren Euterentzündungen und Schmerzen verursache, monierte Greenpeace nach Erteilung des Patents im Jahr 2007.
Ein medizinischer Nutzen sei ohnehin nicht zu erkennen. Dennoch wies das EPA den Einspruch im Mai 2010 zurück. Nun wird der Fall in zweiter Instanz vor der Beschwerdekammer des EPA verhandelt.

Die Anzahl der Patente auf Tiere und Pflanzen steigt. Das Europäische Patentamt (EPA) in München hat bereits ca. 1000 Patente auf gentechnisch veränderte Tiere und ca. 2000 auf Pflanzen erteilt.
Tierschützer verurteilen Versuche mit genveränderten Tieren und die Bauern fürchten die dadurch entstehenden Monopole der großen Konzerne.

Aus Protest gegen die Folgen wollen am 30.11.12 Tierschützer, Tierrechtler, Umweltschützer, religiöse Gruppen und Bauernverbände vor dem Europäischen Patentamt in München demonstrieren.

Veröffentlicht durch Lilith Dan


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