Montag, 29. Februar 2016

Vom Idealismus zum Fanatismus

Vom Idealismus zum Fanatismus


Ein Idealist möchte die Welt in seinem Sinne verbessern.
Sollte er allerdings glauben, dass er nicht das Geringste verändern kann, ist er ein Pessimist und sein Idealismus wird ihn zermürben.
Wenn der Idealist einerseits die Welt verbessern möchte, aber andererseits davon überzeugt ist, dass sich ungeachtet sämtlicher Bemühungen alles nur verschlimmert, dann kann man ihn als irregeleiteten Idealisten bezeichnen.

Idealisten kommen häufig in einem pessimistischen Gewand daher, dass man nichts weiter erkennt als Züge der Ironie oder Züge des Sarkasmus.
Oft verbirgt sich unter der Oberfläche dunkle Aspekte des Pessimismus und der Verzweiflung.

Will der Idealist die Welt um jeden Preis verbessern und er dabei jedes ihm zur Verfügung stehende Mittel rechtfertigt, um sein Ziel zu erreichen, wird er als Fanatiker bezeichnet.

Fanatiker geben sich nicht damit zufrieden, ihren Idealismus in kleinen Schritten zum Ausdruck zu bringen, sie fordern ungeduldig unverzügliches Handeln.
Um die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten, ertragen sie weder Toleranz noch entgegengesetzte Ideen. Sie erwarten widerspruchslosen Gehorsam.
Diese Selbstgerechten sind bereit, für das Erreichen ihre Ziele alles zu opfern – ihr eigenes Leben und das Leben der anderen.
Um ihre Ziele zu erreichen, rechtfertigen sie fast jedes Verbrechen um seiner Ideale willen.
‚Zwar werden einige Menschen ums Leben kommen, aber die Menschheit im Ganzen wird profitieren‘, so das übliche Argument eines Fanatikers.
Die Unantastbarkeit des Lebens kann nicht Opfer für die Annehmlichkeiten des Lebens sein.
Generationen von wehrlosen Versuchstieren werden mit tödlichen Krankheiten infiziert: das Leben dieser Tiere wird dem Ideal einer prioritären Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens geopfert.
Das ist Fanatismus. Diejenigen, die Leben opfern, verlieren alle Achtung vor dem Leben – menschliches Leben eingeschlossen.

In einer utopischen Gesellschaft würde eine radikale Philosophie dazu führen, eine Revolution in Gang zu setzen, die zu einem neuen Zeitalter führt.
Allerdings würden die Menschen mit ihrem kreativen Naturell sofort damit beginnen, ihr kaum erreichtes Utopia zu verändern.
Der Zweck rechtfertigt nicht die Mittel.

Hitler verfolgte seine Version des ‚Guten‘ mit unbeirrbarem Fanatismus: ‚Das Übel muss ausgerottet werden‘.
Diese Überzeugung steht auch hinter zahlreichen wissenschaftlichen wie auch religiösen Handlungen.
In seinen Reden hob Hitler den Wert des gemeinschaftlichen Handelns hervor und stellte es in Gegensatz zu individuellem Handeln. Kinder wurden Denunzianten ihrer eigenen Eltern.
Deutschland lieferte ein Beispiel, was in jedem anderen Land möglich wäre, sollte sich ein extremer Nationalismus unkontrolliert ausbreiten, sich das Recht nach der Macht richten.
Hitler sah seine Gräueltaten im Lichte dessen, was er für das einzig Wahre hielt, gerechtfertigt.
Hitlers Fanatismus brachte viele der niederträchtigsten Eigenschaften des Menschen zum Vorschein.

Das Streben nach dem ‚Guten‘ führte auch zur Inquisition und zu den Hexenjagden in Salem.
Der Fanatiker hegt auf der einen Seite grandios übersteigerte Ideen und auf der anderen Seite ist er von der sündigen Natur und der Machtlosigkeit des Individuums überzeugt.
Der Mensch ist ein soziales und geselliges Wesen. Allerdings werden Menschen, die ihre Eigenverantwortung scheuen, in der Gruppe ein Zerrbild der eigenen Machtlosigkeit, aber niemals ihre Individualität finden.
In der Gruppe wird dem Einzelnen die Verantwortung und Schuld für individuelles Handeln abgenommen
Überzeugungen, die seinen Zielen nicht förderlich sind, ignoriert der Fanatiker. Werden seine Überzeugungen in Frage gestellt, wird der Kritiker Zielscheibe der Verachtung und negativen Aggression.
Fanatiker sprechen wortgewaltig über Wahrheit, über Gut und Böse und besonders über Vergeltung.
So ist auch die Todesstrafe ein Vergeltungsakt in einer fanatischen Gesellschaft. Indem dem Mörder das Leben genommen wird, gewinnt weder das Opfer sein Leben zurück, noch werden andere Menschen von solchen Verbrechen abgehalten.

Die Kluft zwischen einem idealisierten Heil, das in die Zukunft projiziert wird und einer übertriebenen Version des Gegenteils, das die Gegenwart zu verderben scheint, rechtfertigt den Glauben eines Fanatikers an das ohnmächtige Individuum, aus eigenen Kräften erfolgreich auf das Ziel hinzuarbeiten.
Dahinter steht die Überzeugung, dass der Mensch, sich selbst überlassen, nur Schlechtes zustande bringt, da er von Natur aus böse, habgierig und ein geborener Mörder ist.

Das System der freien Marktwirtschaft gründet auf dem demokratischen Glauben an das Recht jedes einzelnen Bürgers auf ein menschenwürdiges Leben.
Verknüpft wurde diese Idee mit dem Darwinismus, dass jeder einzelne seinen Vorteil auf Kosten anderer sucht und dass sich Lebewesen im Wettstreit miteinander befinden.
Die Gesetze von Angebot und Nachfrage basieren auf der Fehlinterpretation der grundlegenden Natur des Menschen als habgieriges Wesen.
Diese Werterfüllung wurde nicht nur zur Wirklichkeit, sondern geradezu zu einem Ideal.

Der verbissene, rigorose, oft verzweifelte Wettbewerb wurde als Ideal in allen Tätigkeitsbereichen gefördert. Der Mensch blickt auf seine Mitmenschen, um sich bestätigen zu lassen, wie gut er seine Arbeit verrichtet.
Der Wert eines Individuums misst sich daran, wie viele andere Wettstreiter er beiseiteschieben konnte.

Doch ist das Leben ein kooperatives Unternehmen, in dem alle Schritte, die zur Verwirklichung von Idealen unternommen werden, auch in sich selbst lebensfördernd sein müssen.

Eine demokratische Gesellschaft stellt ihre Mitglieder vor die größten Herausforderungen und die größten Möglichkeiten durch einen freien Austausch von Ideen.
Aus der Vielzahl der Ideen muss jeder Einzelne seine Wahl treffen, die Grundlage für seine Überzeugungen und Handlungen sind.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

1 Kommentar:

  1. Die Vollkommenheit des Wahren ist der Diktator des Notwendigen, für alles was lebt. Deshalb hat das erkenntnisstandgerechte, existentiell notwendige ethisch-moralische Wissen*, Fühlen*, Glauben*, Denken* und Handeln*, höchste Priorität. Mehr dazu im Internet unter > klaus roggendorf + - * <

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