Dienstag, 16. Februar 2016

Die schöne heile Welt: Massentierhaltung


Die schöne heile Welt: 
Massentierhaltung.


Wie jedes Jahr gastiert der ‚mobile Erlebnis Bauernhof ‘ auch in Mainz, wo er am Adenauer-Ufer, unterhalb des Jockel-Fuchs-Platzes, zu erleben ist.
Unter der federführenden Koordination der Fördergemeinschaft nachhaltiger Landwirtschaft (FNL) möchte der Deutsche Bauernverband, der Verein Information Medien Agrar und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT), in Kooperation mit dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz, Süd, unter dem Motto ‚Tierärzte und Landwirte: Gemeinsam für die Gesundheit für Mensch und Tier‘, den Mainzern Landluft in die Stadt bringen.
Der nachgewiesene ungesunde Fleisch- und Milchkonsum als selbstverständlich vorausgesetzt, erklären die Tierärzte dem gläubigen Publikum, wie sie Artübergreifende Erkrankungen bei den Tieren, die degradiert durch das Präfix ‚Nutz‘ keine Gefühle von Mitleid aufkommen lassen, erfolgreich bekämpfen und somit zur Arterhaltung des vernunftbegabten Menschen beitragen. Entsprechend der Bundstierärzteordnung ist der Tierarzt berufen, Leiden und Krankheiten der Tiere zu verhüten, sie zu schützen und auf eine Steigerung der Güte von Lebensmitten tierischer Herkunft hinzuwirken.

Die Massentierhaltung wird hier als ‚innovativer Produktionsprozess‘ bezeichnet, der für eine nachhaltige und ausreichende Versorgung der Menschen notwendig ist. Um die weitreichende Bedeutung der Fleischproduktion hervorzuheben, wird auch auf die Versorgung der hungernden Ostafrikaner hingewiesen.

Weitere Höhepunkte dieser Werbeaktion sind neben den lebenden Schautieren die Showküche, in der die toten Schautiere verköstigt werden.
Schulklassen sind herzlich willkommen, da bereits sehr früh mit der Konditionierung zum selbstverständlichen Fleischkonsum begonnen werden muss.

So sind die Namen weiterer Aussteller nicht erstaunlich: McDonald’s, die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, QS Qualität und Sicherheit, den Bundesverband für Tiergesundheit, die Landfrauen Rheinhessen und die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main. Die kontinuierliche Kette vom Stall zum Teller garantiert den Massentierhaltern und ihren Abnehmern Kapitalrenditen.

Der mobile Erlebnis-Bauernhof suggeriert eine schöne und heile Welt
Doch weichen hier Wirklichkeit und Werbung krass auseinander, wenn wir uns die Hintergründe etwas genauer betrachten.

Medien und Industrie gaukeln uns vor, dass Fleisch gesund ist und die Tiere ein schönes Leben auf wunderschönen grünen Wiesen haben.

Tatsächlich leben die Tiere auf dem ‚Bauernhof‘ eingepfercht in großen Hallen und werden mit Hilfe verschiedener Medikamente zu Hochleistungen getrimmt.
Das Leben auf dem Bauernhof mit seinen grünen Weiden und idyllischen Szenen findet sich nur noch in Kinderbüchern; die grausame Wirklichkeit zeigt sich den Tieren in Form von fensterlosen Metallhallen, Drahtkäfigen und anderen Vorrichtungen, um sie auf engstem Raum einzupferchen. Diese Enge und reizarme Umgebung führt zu Stressverhalten, bei dem sich beispielsweise Hühner durch gegenseitiges Anpicken verletzen.

Kurz nach dem Schlüpfen werden die männlichen Küken, die für die Eier-Produktion untauglich sind, bei lebendigem Leib geschreddert und als Tierfutter an Pelztierfarmen oder Geflügelmastanstalten verkauft.

Das gilt übrigens auch für Bio-Eier.
Die Massentierhaltung ist mit artgerechter Tierhaltung nicht zu vereinbaren; für die Milliarden von Tiere, die in ihrem kurzen Leben weder den Himmel noch eine Wiese sehen, bedeutet diese Haltung unvorstellbare Qualen.

Ihr kurzes und freudloses Leben dient lediglich dem schnellen Profit und der Fressunkultur rücksichtsloser Egomanen.

Für viele Menschen bereitet der Kauf von Bio-Produkten ein ruhiges Gewissen, da sie sich einreden, dass es den Biotieren besser ginge als denen in der Massenhaltung.
Die glücklichen Hühner, Schweine und Kühe halten es vor lauter Glückseligkeit kaum in ihrem Stall aus und werden dann wohl zu Tode gestreichelt.

Der Fleischesser hat nicht nur Schuld an der Massentierhaltung und das damit verbundene Leid der Tiere, die ein solch grausames Leben ertragen müssen, sondern auch an der Umweltzerstörung, d. h. letztlich an der Zerstörung seiner selbst, da für den Anbau von Futtermittel Land, Wasser und andere Ressourcen verschwendet werden, die für den Menschen eingesetzt werden könnten.

Um 1 kg Fleisch zu produzieren, werden bis zu 16 kg Getreide benötigt.
18% der Treibhausgas-Emissionen werden von der Massentierhaltung verursacht.
37% der Methanemissionen werden durch die im Verdauungstrakt von Tieren entstehenden Methangase verursacht.

Futteranbau, Tiermast usw. tragen zur Versauerung der Waldböden bei.
Die Eiweißzufuhr liegt in den westlichen Industrieländern über der Empfehlung von 0,8 Gramm/Kg Körpergewicht.
Der Mensch braucht für seine Ernährung kein tierisches Eiweiß.
Die Auswertung von Langzeitstudien an 442.000 Menschen hat gezeigt, dass der Verzehr von Fleisch und Wurst mit erheblichen Gesundheitsschäden verbunden ist und mit einer fleischlosen Ernährung die optimale Deckung des Nährstoffbedarfs unseres Körpers gewährleistet wird.

Für Frank Hu, Leiter des Forscherteams der Harvard School of Public Health in Boston, haben die Ergebnisse der Studie große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und er empfiehlt, den Fleischkonsum so oft wie möglich durch Nüsse und Vollkornprodukte zu ersetzen.

In Deutschland leben laut Schätzung der WHO ca. 8 Millionen Menschen mit einer Diabeteserkrankung, weltweit ca. 346 Millionen Menschen. Bei einem täglichen Verzehr von verarbeitetem Fleisch erhöht sich nicht nur das Diabetesrisiko auf 51%, auch das Risiko von Krebserkrankungen und Herz- und Kreislaufleiden sind erhöht.

Mehr als 1 Milliarde Menschen hungern, mehrere Milliarden Menschen gelten als unterversorgt; dagegen ist die Hälfte der OECD-Bürger übergewichtig.

Global betrachtet werden genug Lebensmittel für alle Menschen produziert, doch werden sie meist von den industrialisierten Ländern konsumiert.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer passen sich in ihren Ernährungsgewohnheiten zunehmend den Industrieländern an, so dass sich das erwähnte Verteilungsproblem zu einem Mengenproblem entwickeln wird.

Die westliche Ernährung zeichnet sich durch eine hohe Kalorienzufuhr und tierische Nahrungsmittel aus.

Für die Produktion von 1000 kcal Getreide werden 1,1 qm landwirtschaftliche Fläche benötigt, für die Produktion von 1000 kcal Schweinefleisch dagegen 7,3 qm Fläche.
Die Massentierhaltung ist der größte Verursacher von Treibhausgasen, der größte Verbraucher von Süßwasser und führt zum Verlust der Biodiversität und zu gravierenden Bodendegenerationen.

Die Industriestaaten sind aufgefordert, ihre Essgewohnheiten so zu ändern, dass der Fleischkonsum nicht als Zeichen des Wohlstandes, sondern als Zeichen der Verantwortungslosigkeit, Grausamkeit und Zerstörung unserer Ressourcen von den Entwicklungsländern geächtet wird.

Leider kann man von den regierenden Parteien diese Einsicht nicht erwarten, so dass den Befürwortern von Massentierhaltung nur die Erkenntnis der eigenen Erfahrung der daraus resultierenden Erkrankungen zu wünschen ist.

Veröffentlicht durch Lilith Dan

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