Montag, 29. Februar 2016

Vom Idealismus zum Fanatismus

Vom Idealismus zum Fanatismus


Ein Idealist möchte die Welt in seinem Sinne verbessern.
Sollte er allerdings glauben, dass er nicht das Geringste verändern kann, ist er ein Pessimist und sein Idealismus wird ihn zermürben.
Wenn der Idealist einerseits die Welt verbessern möchte, aber andererseits davon überzeugt ist, dass sich ungeachtet sämtlicher Bemühungen alles nur verschlimmert, dann kann man ihn als irregeleiteten Idealisten bezeichnen.

Idealisten kommen häufig in einem pessimistischen Gewand daher, dass man nichts weiter erkennt als Züge der Ironie oder Züge des Sarkasmus.
Oft verbirgt sich unter der Oberfläche dunkle Aspekte des Pessimismus und der Verzweiflung.

Will der Idealist die Welt um jeden Preis verbessern und er dabei jedes ihm zur Verfügung stehende Mittel rechtfertigt, um sein Ziel zu erreichen, wird er als Fanatiker bezeichnet.

Fanatiker geben sich nicht damit zufrieden, ihren Idealismus in kleinen Schritten zum Ausdruck zu bringen, sie fordern ungeduldig unverzügliches Handeln.
Um die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten, ertragen sie weder Toleranz noch entgegengesetzte Ideen. Sie erwarten widerspruchslosen Gehorsam.
Diese Selbstgerechten sind bereit, für das Erreichen ihre Ziele alles zu opfern – ihr eigenes Leben und das Leben der anderen.
Um ihre Ziele zu erreichen, rechtfertigen sie fast jedes Verbrechen um seiner Ideale willen.
‚Zwar werden einige Menschen ums Leben kommen, aber die Menschheit im Ganzen wird profitieren‘, so das übliche Argument eines Fanatikers.
Die Unantastbarkeit des Lebens kann nicht Opfer für die Annehmlichkeiten des Lebens sein.
Generationen von wehrlosen Versuchstieren werden mit tödlichen Krankheiten infiziert: das Leben dieser Tiere wird dem Ideal einer prioritären Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens geopfert.
Das ist Fanatismus. Diejenigen, die Leben opfern, verlieren alle Achtung vor dem Leben – menschliches Leben eingeschlossen.

In einer utopischen Gesellschaft würde eine radikale Philosophie dazu führen, eine Revolution in Gang zu setzen, die zu einem neuen Zeitalter führt.
Allerdings würden die Menschen mit ihrem kreativen Naturell sofort damit beginnen, ihr kaum erreichtes Utopia zu verändern.
Der Zweck rechtfertigt nicht die Mittel.

Hitler verfolgte seine Version des ‚Guten‘ mit unbeirrbarem Fanatismus: ‚Das Übel muss ausgerottet werden‘.
Diese Überzeugung steht auch hinter zahlreichen wissenschaftlichen wie auch religiösen Handlungen.
In seinen Reden hob Hitler den Wert des gemeinschaftlichen Handelns hervor und stellte es in Gegensatz zu individuellem Handeln. Kinder wurden Denunzianten ihrer eigenen Eltern.
Deutschland lieferte ein Beispiel, was in jedem anderen Land möglich wäre, sollte sich ein extremer Nationalismus unkontrolliert ausbreiten, sich das Recht nach der Macht richten.
Hitler sah seine Gräueltaten im Lichte dessen, was er für das einzig Wahre hielt, gerechtfertigt.
Hitlers Fanatismus brachte viele der niederträchtigsten Eigenschaften des Menschen zum Vorschein.

Das Streben nach dem ‚Guten‘ führte auch zur Inquisition und zu den Hexenjagden in Salem.
Der Fanatiker hegt auf der einen Seite grandios übersteigerte Ideen und auf der anderen Seite ist er von der sündigen Natur und der Machtlosigkeit des Individuums überzeugt.
Der Mensch ist ein soziales und geselliges Wesen. Allerdings werden Menschen, die ihre Eigenverantwortung scheuen, in der Gruppe ein Zerrbild der eigenen Machtlosigkeit, aber niemals ihre Individualität finden.
In der Gruppe wird dem Einzelnen die Verantwortung und Schuld für individuelles Handeln abgenommen
Überzeugungen, die seinen Zielen nicht förderlich sind, ignoriert der Fanatiker. Werden seine Überzeugungen in Frage gestellt, wird der Kritiker Zielscheibe der Verachtung und negativen Aggression.
Fanatiker sprechen wortgewaltig über Wahrheit, über Gut und Böse und besonders über Vergeltung.
So ist auch die Todesstrafe ein Vergeltungsakt in einer fanatischen Gesellschaft. Indem dem Mörder das Leben genommen wird, gewinnt weder das Opfer sein Leben zurück, noch werden andere Menschen von solchen Verbrechen abgehalten.

Die Kluft zwischen einem idealisierten Heil, das in die Zukunft projiziert wird und einer übertriebenen Version des Gegenteils, das die Gegenwart zu verderben scheint, rechtfertigt den Glauben eines Fanatikers an das ohnmächtige Individuum, aus eigenen Kräften erfolgreich auf das Ziel hinzuarbeiten.
Dahinter steht die Überzeugung, dass der Mensch, sich selbst überlassen, nur Schlechtes zustande bringt, da er von Natur aus böse, habgierig und ein geborener Mörder ist.

Das System der freien Marktwirtschaft gründet auf dem demokratischen Glauben an das Recht jedes einzelnen Bürgers auf ein menschenwürdiges Leben.
Verknüpft wurde diese Idee mit dem Darwinismus, dass jeder einzelne seinen Vorteil auf Kosten anderer sucht und dass sich Lebewesen im Wettstreit miteinander befinden.
Die Gesetze von Angebot und Nachfrage basieren auf der Fehlinterpretation der grundlegenden Natur des Menschen als habgieriges Wesen.
Diese Werterfüllung wurde nicht nur zur Wirklichkeit, sondern geradezu zu einem Ideal.

Der verbissene, rigorose, oft verzweifelte Wettbewerb wurde als Ideal in allen Tätigkeitsbereichen gefördert. Der Mensch blickt auf seine Mitmenschen, um sich bestätigen zu lassen, wie gut er seine Arbeit verrichtet.
Der Wert eines Individuums misst sich daran, wie viele andere Wettstreiter er beiseiteschieben konnte.

Doch ist das Leben ein kooperatives Unternehmen, in dem alle Schritte, die zur Verwirklichung von Idealen unternommen werden, auch in sich selbst lebensfördernd sein müssen.

Eine demokratische Gesellschaft stellt ihre Mitglieder vor die größten Herausforderungen und die größten Möglichkeiten durch einen freien Austausch von Ideen.
Aus der Vielzahl der Ideen muss jeder Einzelne seine Wahl treffen, die Grundlage für seine Überzeugungen und Handlungen sind.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Sonntag, 28. Februar 2016

Die pluralistische Metaphysik von William James

Die pluralistische Metaphysik von William James


William James fasst 1909 in seinem zuletzt publizierten Werk mit dem Titel 
Das pluralistische Universum’ seine wissenschaftliche Position zusammen und legt seine metaphysische Grundeinstellung dar.

Der idealistischen, allumfassenden und absoluten Realität wird eine vielfache Realität gegenübergestellt:
Die Realität geht nicht in einer begrifflichen Gesamtheit auf, da die empirische Vielfalt der Dinge in einem Multiversum verbunden oder unverbunden miteinander bestehen können.
Die unendlich vielen Dinge des Universums haben ihre eigene spezifische Individualität, die mit anderen Dingen Verbindungen eingehen können.

Durch Begriffe werden die Sinneserfahrungen getrennt, doch gibt es in ihrer ursprünglichen Kontinuität keine Einschnitte.
Eine Einheit von Dingen wird durch die in Beziehung zueinander stehenden Dinge erfahren.
Denken ist dabei ein subjektiv Interessen geleitetes selektives, sich wandelndes Denken mit relativ unabhängigen Objekten.
Die wissende Quelle der Dinge impliziert zeitlos sowohl die Kenntnis der Fragen als auch die der Antworten.

In diesem Universum werden die Teile vor dem gedachten Ganzen wahrgenommen.
Die Teile handeln dabei im Kontext von zeitlich-endlichen Bedingungen und sind daher scheinbar unwissend.
Im umfassendere Sinne sind die Teile wissend, da dass sich eine Wesenheit zwischen den Teilen und der ursprünglichen Quelle ergibt.
Die Dinge oder Teile dieser Quelle sind eigenständige Objekte, die mit derselben Kreativität ausgestattet sich selbst und andere erschaffen.

In der inneren Welt sind die Sinneserfahrungen eins mit ihren Teilen, in der äußeren Welt gehen sie in andere Erfahrungen über, so dass Ereignisse, die durch den Zeitbegriff getrennt sind, einen ununterbrochenen Zusammenhang durch vermittelnde dazwischen hängende Ereignisse bilden.
Der theoretische Rahmen, die metaphysischen Voraussetzungen und die Beobachtung sind dabei nicht unabhängig voneinander.

In seiner Aufsatzsammlung ‘The Meaning of Truth’ begründet James seinen radikalen Empirismus:
1.    Die Philosophie soll sich nur mit Dingen beschäftigen, deren Funktion in empirischen Kategorien definierbar sind.
2.    Die Relation zwischen den Dingen ergeben sich aus der Erfahrung und brauchen keine Letztbegründung durch einen Monismus.
3.    Die Erfahrung wird durch Relationen zusammengehalten, die selbst erfahrbar sind.

Das pluralistische Universum ist dynamisch, bei dem wohl Zustände zwischen t 1 und t 2 verglichen werden können, allerdings kann dabei die Frage, wie sich der Zustand von t 1 zu t 2 verwandelt, nicht beantwortet werden.
Die Dinge sind im Fluss des Werdens; wären die Dinge in einem statischen ist-Zustand der Vollkommenheit, wäre damit jegliche Entwicklung ausgeschlossen.
Das pluralistische Universum beinhaltet Relationen und Korrelationen zwischen den Dingen, die trotz oder wegen ihrer Verbindungen ihre Individualität beibehalten.

In unserer äußeren Wahrnehmung besteht demnach unser Universum aus einer unbegrenzten Menge individueller Wesen, von denen jedes seine eigene Existenz erfährt, die miteinander in Relation stehen und weitere Relationen bilden usw., ad infinitum und damit ein sich ständig erweiterndes Universum darstellt.

Wie ist nun trotz subjektiver Verschiedenheit eine intersubjektive Übereinstimmung möglich?

Der solipsistische Idealismus leugnet eine Vorstellung außerhalb des Subjekts: die Dinge außerhalb des Subjekts besitzen keine Realität.
Dem idealistischen Monismus dient das universelle Bewusstsein als Bindeglied individueller Bewusstseinseinheiten.
Der traditionelle Spiritualismus lässt voneinander unabhängige Seelen in Beziehung treten, die dieselben Dinge in der physischen Welt wahrnehmen.
Der Materialismus behandelt philosophische und psychologische Fragen mit dem Hinweis auf zerebrale Schwingungen.
Der Empirismus neigt zu einer pluralistischen Anschauung da er das Ganze aus seinen Teilen erklärt.
Der Rationalismus erklärt die Teile aus dem Ganzen, wobei Ganzheit und Einheit verbunden sind, und tendiert daher zu einer monistischen Anschauung.
Der idealistisch interpretierte Monismus ist es der absolute Geist, der einzelne Tatsachen durch bloßes Denken erschafft. Das endliche Ding ist Objekt des Absoluten. Das Absolute ist sich seiner Objekte bewusst, aber nicht vice versa. Endliche Objekte glauben an das Absolute, wissentlich ist es aber nicht erfassbar.
Der pantheistische Glaube, der von der Wesensgleichheit zwischen Mensch und Göttern ausgeht, kann zwei Formen annehmen: eine monistische, Philosophie des Absoluten und eine pluralistische, Philosophie des radikalen Empirismus.

Qua relativ ist die Welt eine unvollkommene Vielheit, in der die Dinge in einiger Hinsicht miteinander verbunden und in anderer Hinsicht unabhängig voneinander sind.
In der Existenz nehmen wir die Teile wahr, das Ganze ist unsere Anschauung.

Die All-Form und die Einzel-Formen sind zwei verschiedene Ordnungen des Bewusstseins.
Das Bewusstsein der Einzel-Formen kennt nur seinen Inhalt, während die All-Form auch die Inhalte der Einzelformen kennt.

Die unmittelbare Erfahrung zeigt uns, dass eine Sache zugleich einem, wie auch einem anderen Bewusstsein angehören kann. Bewusstsein verändert und bewegt sich ständig und durchläuft eine unendliche Zahl verschiedener Momente. Dieses ständig Fließende, unaufhörlich Verändernde, dieses ewig Werdende ist das, was für unser Leben bezeichnend ist.

Nach Heraklit überschreitet man nicht zweimal den selben Fluss. Der Bewusstseinsstrom bleibt sich nie gleich, er ist immer in Bewegung.

Mit keiner logischen Notwendigkeit kann etwas sicher vorausgesagt werden. Diese Unvoraussagbarkeit dringt in das Alte, das Dagewesene und verändert es durch sich neue ergebende Wahrscheinlichkeiten.

Diese neu entstehenden Möglichkeiten, dieses ständige Werden, ist das, was der Tychismus als Voraussetzung des Pluralismus lehrt.
Eine Möglichkeit von vielen kann in Handlung umgesetzt werden.
Durch die Vielfalt der Dinge ergibt sich eine Vielfalt von Verknüpfungsmöglichkeiten im unendlichen Raum der Handlungsmöglichkeiten.

Nach einer Überzeugung handeln, heißt, sie als positive Handlung zu erfahren.
Die Beantwortung einer Frage sollte daher nach ihrem praktischen Nutzen abhängig gemacht werden.

Der Beweis der Willensfreiheit wird empirisch durch die innere Erfahrung der Wahl erbracht: das Werteurteil oder die jeweilige Überzeugtheit, mit dem diese Erfahrung für wahr oder falsch erklärt wird, impliziert eine Wahl und damit Grundlage einer neuen Erfahrung.

Unsere zukünftigen Möglichkeiten beschränken sich auf Alternativen, die ihren Grund in unserer Vergangenheit oder in unserer Erwartungshaltung haben.
Im Idealfall wird die Zukunft durch meine Wahl gegenwärtiger Möglichkeiten so sein, wie sie meiner Erwartungshaltung entspricht.
Äußerlich gesehen scheint es Zufall zu sein, von innen gesehen ein spontaner Akt der kreativen Freiheit.

Die Lehre des Pluralismus macht uns zu Mitschöpfern in einem Universum voll mit Möglichkeiten, die in Wahrscheinlichkeiten gemessen, realisiert werden können.

Der Mensch nimmt Teile entsprechend seiner Überzeugungen wahr und projiziert damit eine Ordnung in seine Welt. Die Teile, die seinen Überzeugungen widersprechen, bleiben unberücksichtigt und werden häufig nicht wahrgenommen.

Wie nun eine Erfahrung zustande kommt, d. h. die Prozesse, die eine Erfahrung ausmachen, ist für unseren Verstand nicht vollständig erfassbar.

Wir leben vorwärts und verstehen – im Idealfall – rückwärts.
Der angenommene gegenwärtige Augenblick ist ein Moment, in dem sich das schwindende Nachleuchten der Vergangenheit mit der aufdämmernden Zukunft vermischt. 
So kann ein Ding gleichzeitig getrennt und verbunden sein. Was wirklich existiert, sind nicht Dinge des Seins, sondern Dinge des Werdens.

Das pluralistische Universum besteht aus einem System wahrscheinlicher distributiver Teile, bevor ein Teil davon in eine erfahrbare Überzeugung übergeht.
Die wahrscheinliche Hypothese ist die Unvollkommenheit eines Universums im Werden.
Der Meliorismus ist die Lehre von der Willensfreiheit, in der ein Besser-werden möglich ist, während der Determinismus den Begriff der Möglichkeit als menschliche Unwissenheit darstellt.

Unter bestimmten Aspekten betrachtet, ist die Welt eine Einheit, andererseits ist sie eine Vielheit. Die Tatsachenwelt und die Welt der abstrakten Ideen sind wirklich und stehen in Korrelation zueinander.
Die Welt ist eine Einheit, als sie ein einheitlicher Gegenstand des Denkens ist und ihre Teile durch bestimmte Verbindungen zusammenhängen.
Sie ist aber ebenso eine Vielheit, als irgendeine bestimmte Verbindung nicht besteht.

Möglichkeit bedeutet nach James einen Zustand des Seins, der weniger wirklich ist als das Sein, wirklicher als das Nicht-Sein.
Was bedeutet die Aussage ‚möglich sein‘? Es bedeutet, dass der Begriff keinen inneren Widerspruch enthält und die Bedingungen vollständig sind, um den Begriff zu einer erfahrbaren Tatsache werden zu lassen.

Willensfreiheit bedeutet, dass in unserer Welt Neues entsteht, dass die Zukunft keine bloße Wiederholung oder Nachahmung der Vergangenheit wird.

Der Pluralismus geht von der Hypothese aus, dass hinter der aktualen Welt eine prä-existierende Welt stehen muss, die bereits alle Möglichkeiten impliziert.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Dienstag, 16. Februar 2016

Die schöne heile Welt: Massentierhaltung


Die schöne heile Welt: 
Massentierhaltung.


Wie jedes Jahr gastiert der ‚mobile Erlebnis Bauernhof ‘ auch in Mainz, wo er am Adenauer-Ufer, unterhalb des Jockel-Fuchs-Platzes, zu erleben ist.
Unter der federführenden Koordination der Fördergemeinschaft nachhaltiger Landwirtschaft (FNL) möchte der Deutsche Bauernverband, der Verein Information Medien Agrar und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (BPT), in Kooperation mit dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz, Süd, unter dem Motto ‚Tierärzte und Landwirte: Gemeinsam für die Gesundheit für Mensch und Tier‘, den Mainzern Landluft in die Stadt bringen.
Der nachgewiesene ungesunde Fleisch- und Milchkonsum als selbstverständlich vorausgesetzt, erklären die Tierärzte dem gläubigen Publikum, wie sie Artübergreifende Erkrankungen bei den Tieren, die degradiert durch das Präfix ‚Nutz‘ keine Gefühle von Mitleid aufkommen lassen, erfolgreich bekämpfen und somit zur Arterhaltung des vernunftbegabten Menschen beitragen. Entsprechend der Bundstierärzteordnung ist der Tierarzt berufen, Leiden und Krankheiten der Tiere zu verhüten, sie zu schützen und auf eine Steigerung der Güte von Lebensmitten tierischer Herkunft hinzuwirken.

Die Massentierhaltung wird hier als ‚innovativer Produktionsprozess‘ bezeichnet, der für eine nachhaltige und ausreichende Versorgung der Menschen notwendig ist. Um die weitreichende Bedeutung der Fleischproduktion hervorzuheben, wird auch auf die Versorgung der hungernden Ostafrikaner hingewiesen.

Weitere Höhepunkte dieser Werbeaktion sind neben den lebenden Schautieren die Showküche, in der die toten Schautiere verköstigt werden.
Schulklassen sind herzlich willkommen, da bereits sehr früh mit der Konditionierung zum selbstverständlichen Fleischkonsum begonnen werden muss.

So sind die Namen weiterer Aussteller nicht erstaunlich: McDonald’s, die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, QS Qualität und Sicherheit, den Bundesverband für Tiergesundheit, die Landfrauen Rheinhessen und die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main. Die kontinuierliche Kette vom Stall zum Teller garantiert den Massentierhaltern und ihren Abnehmern Kapitalrenditen.

Der mobile Erlebnis-Bauernhof suggeriert eine schöne und heile Welt
Doch weichen hier Wirklichkeit und Werbung krass auseinander, wenn wir uns die Hintergründe etwas genauer betrachten.

Medien und Industrie gaukeln uns vor, dass Fleisch gesund ist und die Tiere ein schönes Leben auf wunderschönen grünen Wiesen haben.

Tatsächlich leben die Tiere auf dem ‚Bauernhof‘ eingepfercht in großen Hallen und werden mit Hilfe verschiedener Medikamente zu Hochleistungen getrimmt.
Das Leben auf dem Bauernhof mit seinen grünen Weiden und idyllischen Szenen findet sich nur noch in Kinderbüchern; die grausame Wirklichkeit zeigt sich den Tieren in Form von fensterlosen Metallhallen, Drahtkäfigen und anderen Vorrichtungen, um sie auf engstem Raum einzupferchen. Diese Enge und reizarme Umgebung führt zu Stressverhalten, bei dem sich beispielsweise Hühner durch gegenseitiges Anpicken verletzen.

Kurz nach dem Schlüpfen werden die männlichen Küken, die für die Eier-Produktion untauglich sind, bei lebendigem Leib geschreddert und als Tierfutter an Pelztierfarmen oder Geflügelmastanstalten verkauft.

Das gilt übrigens auch für Bio-Eier.
Die Massentierhaltung ist mit artgerechter Tierhaltung nicht zu vereinbaren; für die Milliarden von Tiere, die in ihrem kurzen Leben weder den Himmel noch eine Wiese sehen, bedeutet diese Haltung unvorstellbare Qualen.

Ihr kurzes und freudloses Leben dient lediglich dem schnellen Profit und der Fressunkultur rücksichtsloser Egomanen.

Für viele Menschen bereitet der Kauf von Bio-Produkten ein ruhiges Gewissen, da sie sich einreden, dass es den Biotieren besser ginge als denen in der Massenhaltung.
Die glücklichen Hühner, Schweine und Kühe halten es vor lauter Glückseligkeit kaum in ihrem Stall aus und werden dann wohl zu Tode gestreichelt.

Der Fleischesser hat nicht nur Schuld an der Massentierhaltung und das damit verbundene Leid der Tiere, die ein solch grausames Leben ertragen müssen, sondern auch an der Umweltzerstörung, d. h. letztlich an der Zerstörung seiner selbst, da für den Anbau von Futtermittel Land, Wasser und andere Ressourcen verschwendet werden, die für den Menschen eingesetzt werden könnten.

Um 1 kg Fleisch zu produzieren, werden bis zu 16 kg Getreide benötigt.
18% der Treibhausgas-Emissionen werden von der Massentierhaltung verursacht.
37% der Methanemissionen werden durch die im Verdauungstrakt von Tieren entstehenden Methangase verursacht.

Futteranbau, Tiermast usw. tragen zur Versauerung der Waldböden bei.
Die Eiweißzufuhr liegt in den westlichen Industrieländern über der Empfehlung von 0,8 Gramm/Kg Körpergewicht.
Der Mensch braucht für seine Ernährung kein tierisches Eiweiß.
Die Auswertung von Langzeitstudien an 442.000 Menschen hat gezeigt, dass der Verzehr von Fleisch und Wurst mit erheblichen Gesundheitsschäden verbunden ist und mit einer fleischlosen Ernährung die optimale Deckung des Nährstoffbedarfs unseres Körpers gewährleistet wird.

Für Frank Hu, Leiter des Forscherteams der Harvard School of Public Health in Boston, haben die Ergebnisse der Studie große Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und er empfiehlt, den Fleischkonsum so oft wie möglich durch Nüsse und Vollkornprodukte zu ersetzen.

In Deutschland leben laut Schätzung der WHO ca. 8 Millionen Menschen mit einer Diabeteserkrankung, weltweit ca. 346 Millionen Menschen. Bei einem täglichen Verzehr von verarbeitetem Fleisch erhöht sich nicht nur das Diabetesrisiko auf 51%, auch das Risiko von Krebserkrankungen und Herz- und Kreislaufleiden sind erhöht.

Mehr als 1 Milliarde Menschen hungern, mehrere Milliarden Menschen gelten als unterversorgt; dagegen ist die Hälfte der OECD-Bürger übergewichtig.

Global betrachtet werden genug Lebensmittel für alle Menschen produziert, doch werden sie meist von den industrialisierten Ländern konsumiert.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer passen sich in ihren Ernährungsgewohnheiten zunehmend den Industrieländern an, so dass sich das erwähnte Verteilungsproblem zu einem Mengenproblem entwickeln wird.

Die westliche Ernährung zeichnet sich durch eine hohe Kalorienzufuhr und tierische Nahrungsmittel aus.

Für die Produktion von 1000 kcal Getreide werden 1,1 qm landwirtschaftliche Fläche benötigt, für die Produktion von 1000 kcal Schweinefleisch dagegen 7,3 qm Fläche.
Die Massentierhaltung ist der größte Verursacher von Treibhausgasen, der größte Verbraucher von Süßwasser und führt zum Verlust der Biodiversität und zu gravierenden Bodendegenerationen.

Die Industriestaaten sind aufgefordert, ihre Essgewohnheiten so zu ändern, dass der Fleischkonsum nicht als Zeichen des Wohlstandes, sondern als Zeichen der Verantwortungslosigkeit, Grausamkeit und Zerstörung unserer Ressourcen von den Entwicklungsländern geächtet wird.

Leider kann man von den regierenden Parteien diese Einsicht nicht erwarten, so dass den Befürwortern von Massentierhaltung nur die Erkenntnis der eigenen Erfahrung der daraus resultierenden Erkrankungen zu wünschen ist.

Veröffentlicht durch Lilith Dan

Wer die Patente hat, bestimmt die Produkte von morgen

Wer die Patente hat, bestimmt die Produkte von morgen

Gegen das vom Europäischen Patentamt (EPA) im Februar 2012 erteilte Patent EP1456346 der US-Firma Intrexon auf gentechnisch veränderte Schimpansen haben elf Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und England Einspruch eingelegt, da nach ihrer Meinung die ethische Grenzen des Europäischen Patentrechts verletzt werden.
Die Tiere sollen für die Pharma-Forschung genutzt werden, nachdem sie mit synthetischer DNA manipuliert wurden, die ursprünglich aus Insekten stammt.

‚Tiere sollten mit Respekt behandelt und vor kommerziellem Missbrauch geschützt werden. Insbesondere die Patentierung von Menschenaffen kann durch nichts gerechtfertigt werden, die Erteilung dieser Patente ist eine Beleidigung für unsere eigene Gattung‘, sagt Christoph Then von Testbiotech. ‚Das EPA hat die Grenzen, die von der Gesellschaft akzeptiert werden, weit überschritten. Es ist Zeit, Patente auf Tiere zu stoppen.‘

Die EPA hat bereits in diesem Jahr drei Patente auf Schimpansen erteilt, zwei davon für die US-Firma Intrexon, die ausdrücklich Tiere wie Mäuse, Ratten, Kaninchen, Katzen, Hunde, Rinder, Ziegen, Schweine, Pferde, Schafe, Affen und insbesondere Schimpansen als ihre Erfindung beansprucht. Ein weiteres Patent erhielt die US-Firma Altor BioScience.

‚Schimpansen sind in ganz Afrika extrem vom Aussterben bedroht, denn die Regenwälder stehen mehr denn je unter dem Druck des steigenden Nahrungsmittel- und Biokraftstoffbedarfs der Industrieländer.
Zugleich hat die Wissenschaft in allen jüngeren Studien bestätigt, wie ähnlich Schimpansen dem Menschen in ihren kognitiven Fähigkeiten, ihrem Sozialverhalten, ihrer Kultur, ihrem Werkzeuggebrauch und auch in Ihrer Fähigkeit, Mitgefühl mit Schwächeren zu entwickeln, sind. In Anbetracht der genannten Argumente ist es mehr als verwunderlich, dass das EPA ein Patent zu Schimpansen genehmigt hat, ohne die damit verbunden moralischen Fragestellungen in Betracht zu ziehen‘, sagt Professor Christophe Boesch, Präsident der Wild Chimpanzee Foundation (WCF).

Tierrechtler und Wissenschaftler fordern gesetzlich verbriefte Grundrechte für Menschenaffen, da sie in ihrer Emotionalität, ihren kognitiven Fähigkeiten und ihrer Ich-Identität dem Menschen so sehr ähneln.

2010 erhielt die Firma Bionomics ein Patent auf gentechnisch veränderte Affen, die an Epilepsie leiden. Auch auf Menschenaffen gibt es schon zahlreiche Patente, obwohl Versuche an Menschenaffen und anderen Primaten strengen Restriktionen unterliegen.
Tierschützer fürchten nun, dass durch die neuen Patente auf Schimpansen Versuche an Menschenaffen legitimiert werden könnten.

Mit ‚we're working to create a better world’, wirbt das US-Unternehmen Intrexon auf seiner Homepage.
Sie haben sich die Vermarktungsrechte für Tiere gesichert, die sie mit Hilfe der Gentechnik erschaffen haben.
‚Kein Patent auf Leben. Patente auf Menschenaffen weisen auf eine krasse Fehlentwicklung hin‘, warnt Ruth Tippe von Testbiotech, da sie fürchtet, dass dadurch der Anreize für mehr Versuche mit diesen hoch entwickelten Tieren geschaffen werden könnte.
‚Wenn Tiere zu technischen Erfindungen erklärt werden, ist grundsätzlich etwas falsch im System‘, sagt Christoph Then. ‚Die derzeitige Praxis des EPA macht Tiere zu Produktionsmaschinen.‘

1992 wurde die sogenannte Krebsmaus patentiert, auf die bald Aids-Mäuse, Alzheimer-Mäuse, Diabetes-Mäuse, Herz-Kreislauf-Ratten und viele mehr folgten, um der Erprobung neuer Arzneimittel und Therapien zu dienen. Doch sind die Krankheiten zu komplex, als dass sie sich so einfach an Mäusen studieren lassen.

‚Das Patentrecht lasse Patente auf Tiere, denen Leiden zugefügt wird, nur dann zu, wenn ein wesentlicher medizinischer Nutzen zu erwarten ist‘, sagt EPA-Sprecher Osterwalder.

2001 erhielt das Klonschaf Dolly Patentschutz. Dass es beim Klonen zu zahlreichen Totgeburten, kranken und missgebildeten Tieren kommt, spielte bei der Prüfung wohl keine Rolle.
Ebenso wenig wurde das Leid berücksichtigt, als die kanadische Firma Seabright im Jahr 2001 ein Patent auf Lachse erhielt, die dank eines Wachstumsgens gigantische Ausmaße erreichten.
Momentan streitet Greenpeace mit dem EPA um eine Kuh, die dank Gentechnik besonders viel Milch geben soll. Die ‚Turbokuh‘ leide, weil die erhöhte Milchmenge bei den ohnehin schon auf Hochleistung gezüchteten Tieren Euterentzündungen und Schmerzen verursache, monierte Greenpeace nach Erteilung des Patents im Jahr 2007.
Ein medizinischer Nutzen sei ohnehin nicht zu erkennen. Dennoch wies das EPA den Einspruch im Mai 2010 zurück. Nun wird der Fall in zweiter Instanz vor der Beschwerdekammer des EPA verhandelt.

Die Anzahl der Patente auf Tiere und Pflanzen steigt. Das Europäische Patentamt (EPA) in München hat bereits ca. 1000 Patente auf gentechnisch veränderte Tiere und ca. 2000 auf Pflanzen erteilt.
Tierschützer verurteilen Versuche mit genveränderten Tieren und die Bauern fürchten die dadurch entstehenden Monopole der großen Konzerne.

Aus Protest gegen die Folgen wollen am 30.11.12 Tierschützer, Tierrechtler, Umweltschützer, religiöse Gruppen und Bauernverbände vor dem Europäischen Patentamt in München demonstrieren.

Veröffentlicht durch Lilith Dan


Nachlese: der Beginn der Obamney-Aera. Ein Blick zurück.

Nachlese: Der Beginn der Obamney-Aera
Ein Blick zurück.

Am 6. November 2012 waren über 206 Millionen amerikanische Wähler aufgerufen, den Präsidenten, das Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu zu wählen.

Der rund sechs Milliarden Dollar teure Wahlkampf hat zu dem Ergebnis geführt, dass im Weißen Haus wie im Kongress alles beim Alten bleibt. Der Demokrat Barack Obama bleibt im Weißen Haus, die Republikaner behaupten ihre klare Mehrheit im Abgeordnetenhaus und im Senat verteidigen die Demokraten ihren knappen Vorsprung vor den Konservativen.

In Amerika gewinnt der Kandidat mit der größten finanziellen Unterstützung und mit der besten Propaganda.
Obama bekam 2008 die Unterstützung der Wirtschaftspresse und wurde mit dem Preis für die beste Marketing-Kampagne des Jahres ausgezeichnet.

Den Großteil seiner Wahlkampfspenden erhielt Obama 2008 aus dem Finanzsektor. In seiner ersten Amtszeit stellte Obama auf dem Gipfel der Finanzkrise ein Wirtschaftsteam mit den Experten zusammen, welche diese Krise eigentlich verursacht hatten.
So tummeln sich im Weißen Haus Lobbyisten von JPMorgan, Goldman Sachs, Citygroup, u a., die durch finanzielle Unterstützung ihre Wirtschafts- und Finanzinteressen verfolgen können.

Vor dem 11. September 2001 existierten sieben unabhängige Notenbanken, die nicht unter der Kontrolle der Hochfinanz standen. Zu Ihnen gehörten die Notenbanken von: Afghanistan, Irak, Sudan, Libyen, Kuba, Nord-Korea und dem Iran.
Seit 2011 verfügen nur noch Kuba, Nord-Korea und der Iran über ein unabhängiges Finanzsystem.

Medienangaben zufolge kostete das Wahlspektakel für den Wahlkampf 2012 zwischen vier und sechs Milliarden Dollar, das von den verschiedenen Finanz- und Wirtschaftsvertretern finanziert wurde.

Amerikanische und internationale Experten diskutierten die Frage, ob es für die wirtschaftliche Zukunft des Landes und der Welt einen Unterschied macht, wer der nächste Präsident sein wird: Barack Obama oder Mitt Romney.
Selbst die Vertreter des Kapitals hatten Schwierigkeiten, sich auf einen von den beiden festzulegen.
Nach langem Zögern entschied sich das weltführende Sprachrohr des intelligenten Kapitalismus, das britische Wirtschaftsmagazin ‚The Economist‘ knapp für Obama.

Das Magazin schreibt, dass es zu viele Versionen von Romney gegeben habe, dazu noch ‚mit einer Menge gefährlicher Ideen‘:
Außenpolitisch wolle er den Iran bombardieren, Russland zum Hauptfeind der USA erklären und China als Währungsmanipulator abstempeln. Alles Ideen, die einen großen wirtschaftlichen Schaden zur Folge gehabt hätten.

Auch das internationale Kapital ist dieser Meinung, verdanken sie doch Obama die Rettung der Wall Street mit Billionen von Steuergeldern.

Welcher der vom Kapital ausgewählte ‚Obamney‘ Präsident wird, ist für die Masse der arbeitenden Bevölkerung nicht entscheidend. Das Wort ‚Obamney‘ steht für ihr Desinteresse gegenüber den Problemen der Bevölkerung.
So sahen Kritiker die ganze Wahlveranstaltung als eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Einem Prozent der Amerikaner gehört mehr als ein Drittel des nationalen Gesamtvermögens.
Allein die sechs Erben des Wal-Mart-Supermarkt-Imperiums verfügen über ein Vermögen von 69,7 Milliarden Dollar.
Während die Mittelschicht in der Großen Rezession ihre Häuser und ihre Ersparnisse verloren, geht es den Leuten, die für die Misswirtschaft verantwortlich waren, besser als nie zuvor.
Das Verhältnis der Bezüge eines Top-Managers zum Jahreslohn eines typischen Arbeiters beträgt etwa 240:1. Die Ungleichheit in Amerika hat ein Ausmaß erreicht wie zuletzt vor der Großen Depression.
Die soziale Mobilität ist inzwischen in den USA geringer als in den Ländern des ‚alten Europa‘.

So hat in Dänemark oder Großbritannien ein Kind, das in das unterste Fünftel der Gesellschaft hineingeboren wurde, im Vergleich zu einem armen Kind in den USA, die doppelte Chance, aus dieser Schicht aufzusteigen.
Dazu kommt, dass das amerikanische Kind eine geringere Überlebenschance hat, da die Säuglingssterblichkeit in den USA auf Dritte-Welt-Niveau liegt.

Die These von Stiglitz lautet, dass die Ungleichheit in den USA das Ergebnis politischer Entscheidungen ist, mit denen die Marktgesetze außer Kraft gesetzt worden sind und nennt als Beispiel die Gesetze des ‚Corporate Governance‘, die es Top-Managern erlauben, sich selbst auf Kosten der Aktionäre mit übertriebenen Gehältern, Boni und Aktienoptionen selbst für den Fall des Versagens auszustatten;

Neben diesen Marktverzerrungen wirkt die Steuerpolitik zugunsten der Reichen. Der Spitzensteuersatz ist in den letzten Jahrzehnten von 70 auf 35 Prozent gesenkt worden, die Steuern auf Kapitaleinkommen von 35 auf 15 Prozent, was laut Stiglitz für jeden der 400 reichsten Steuerzahler ein Geschenk von über 30 Millionen Dollar jährlich bedeutet.
Die Schulden der USA betragen über 16 Billionen Dollar, das sind mehr als hundert Prozent des BIP.
Die Ausgaben für Soziales machen mit 21 Prozent den größten Posten im US-Haushalt aus.
Darin sind allerdings weder die Kosten für die Gesundheitsfürsorge, noch die Zahlungen an Kriegsveteranen oder die Zuzahlungen an Geringverdiener enthalten.

Von Obama waren Beschäftigungsprogramme trotz ansteigender Massenarbeitslosigkeit nicht vorgesehen. Der TANF Emergency Fund, der den Einzelstaaten finanzielle Hilfen in Höhe von fünf Milliarden Dollar anbot, lief im Februar 2010 aus.
Statt einer Ausweitung der öffentlichen Beschäftigung sank nach offiziellen Angaben die Zahl zwischen 2008 und 2011 von 21,3 auf 20,4 Millionen.
Von den Streichungen öffentlicher Schulen und Universitäten über die Brandsicherung und Kriminalitätsbekämpfung bis zum Umweltschutz ist jene lohnabhängige Mehrheit der Bevölkerung betroffen, die sich keine Privatschulen, Sicherheitsdienste und privaten Brandschutz leisten kann.

Die amerikanischen Wähler interessierten sich eher für steigende Beninpreise und hohe Arbeitslosigkeit als für den Umweltschutz, dessen Vernachlässigung mittel- oder langfristig spürbar ist.
Zwar hatte Obama 2008 noch versprochen, die öldurstigen, Treibhausgas ausstoßenden USA zu einer klimafreundlichen Wende zu bewegen, doch werden die umweltpolitischen Ergebnisse in Obamas erster Amtszeit von Greenpeace lediglich als durchschnittlich bewertet.
Wie George W. Bush lehnte er das Kyoto Protokoll ab, beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen versagte er und dem Gipfel in Rio de Janeiro blieb er fern. Der Kommentar einer Vertreterin von Third World Network lautete denn auch: ‚Es ist besser, wenn er zu Hause bleibt‘.
Man könne von den USA, dem weltweit größten Umweltverschmutzer, ohnehin nichts erwarten.

Am 19.September 2012 berichtete Justin Gillis in der New York Times dass die Eisschmelze in der Arktis viel schneller verlaufe als von den hochentwickelten Computermodellen und dem neuesten UN-Bericht über die globale Erwärmung vorausgesagt.
Ignorant beschleunigen Regierungen die Katastrophe mit einem Plan zur Ausbeutung zugänglich gewordener Mineralien in der Arktis und Bohrungen nach mehr Öl.
In einer in den USA nicht veröffentlichten neuen Studie des Climate Vulnerability Monitor wurde berichtet, dass der durch die globale Erwärmung verursachte Klimawandel die Produktion der Weltwirtschaft um 1.6 Prozent pro Jahr verlangsamt und zu einer Verdoppelung der Kosten in den nächsten beiden Jahrzehnten führen wird.‘
Die Demokraten erwähnten in ihrer Plattform die Klimaerwärmung und empfahlen ‚eine Übereinkunft mit anderen aufstrebenden Staaten zu erreichen‘.
In Kopenhagen sprach Obama lediglich von einer Treibhaus-Reduktion von vier Prozent bis 2020, obwohl Wissenschaftler 40 Prozent forderten. Analysten machen das schwache Angebot der USA für das Scheitern der Klimaverhandlungen verantwortlich.

Der Krieg auf den Zugriff von immer geringer werdenden Energieressourcen hat längst begonnen.
Schiefergas heißt die neue Energiequelle, das noch im Tonstein gebunden ist und dessen Abbau höhere Kosten verursacht als herkömmliches Erdgas.
Beim fracking wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck ins Bohrloch geschossen, um das Gestein um die Gaslager aufzubrechen. Dieses Abbauverfahren birgt für die Umwelt, besonders für das Grundwasser, enorme Risiken.
Die beunruhigten Bewohner der amerikanischen Ostküste stellen Videos von brennendem Leitungswasser in das Internet: Das Leitungswasser läuft in ein Küchenspülbecken, jemand hält ein Feuerzeug an den Wasserstrahl – und plötzlich brennt das ganze Becken.
Amerikas Energieboom beruht vor allem auf dem Abbau von Erdgas, wobei Schiefergas noch ein Viertel der heimischen Gasförderung ausmacht. Aber auch Schieferöl wird gewonnen:
In den US-Bundesstaaten Nord-Dakota und Montana ist die Tagesproduktion von Schieferöl innerhalb von sechs Jahren von Null auf ca. 500.000 Barrel (je 159 Liter) Öl gestiegen, was einem Drittel der Förderquote Libyens entspricht.
Das bedeutet, dass Amerika immer weniger Energie importieren muss, da sie nach China mit 862 Billionen Kubikfuß Schiefergas über das zweitgrößte Schiefergasvorkommen auf der Erde verfügen.
Experten erwarten im energiehungrigen Amerika keine großen politischen Hürden, zumal das Land bei der Förderung bereits heute technologisch führend ist.

Resümiert man über die einzelnen Politikfelder seiner ersten Amtsperiode, zeichnet sich folgendes Bild ab:
Die Gesundheitsreform, die noch unter Bush einsetzende Bankenrettung, das Konjunkturprogramm, die Finanzmarktreform, die Teil-Verstaatlichung der Automobilindustrie und die Ausweitung der US-Kriege auf die sechs Länder Irak, Afghanistan, Pakistan, Jemen, Libyen und Somalia.

Trotz Kriegsführung in Afghanistan und dem Irak erhielt Obama 2009 in Stockholm den Friedensnobelpreis.
In seinem ersten Haushaltsentwurf plante Obama 4,6 Prozent des Inlandproduktes für Militär ein, mehr als im letzten Amtsjahr von George W. Busch.

Seit 2001 sind die Militärausgaben der USA um ca. 50 Prozent gestiegen, das ist die Hälfte dessen, was die restliche Welt für Krieg und Militär ausgibt.
‚Das ist angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise nicht durchzuhalten‘, schrieb der Rüstungsexperte Chalmers Johnson in einer Analyse für die unabhängige Organisation CorpWatch, die sich mit der kritischen Beobachtung der Rüstungsindustrie beschäftigt.

Die USA sind bei militärischen Ausgaben und Techniken an der Weltspitze und haben mit ihren ca. 800 Militärbasen ein globales militärisches Überwachungs- und Kontrollsystem aufgebaut.
US-Militärprojekte entwickeln Weltraum gestützte Waffen, die in präzise arbeitende Beobachtungssysteme eingebunden sind.
Unbemannte Drohnen mit Nanotechnologie ermöglichen miniaturisiert gezielte Tötungen.

Nach Sturm Sandy sind bis heute immer noch 2 Millionen Amerikaner ohne Strom. Auf der einen Seite entwickelt die amerikanische Armee Waffen, mit denen jeder Punkt der Welt erreicht werden kann und auf der anderen Seite hängen die Stromkabel an Holzpfeilern über der Straße.
Dieser Gegensatz ist das Resultat des zusammenbrechenden Kapitalismus. Die nächste Supermacht steht schon in den Startlöchern: China.


Veröffentlicht durch Lilith Dan

Feilschen um den vielleicht letzten seiner Art: Blauflossenthunfisch für 1,4 Mio. Euro versteigert

Feilschen um den vielleicht letzten seiner Art:Blauflossenthunfisch für 1,4 Mio. Euro versteigert


Kiyoshi Kimura, Besitzer einer Kette von Sushi-Restaurants, hat auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokio einen 222 Kilogramm schweren Blauflossenthunfisch für 1,4 Millionen Euro ersteigert.
Kimura hat dafür dreimal mehr bezahlt als im letzten Jahr.

Dass er mit seinem asozialen Verhalten zur Ausrottung des vom Aussterben bedrohten Blauflossenthunfisches beiträgt, scheint Kimura nicht zu interessieren. Viele andere Japaner anscheinend auch nicht, da sich drei Viertel des weltweiten Konsums von Blauflossenthunfisch nachweislich auf Japan konzentriert.

Lange galt Sushi als eine exotische Delikatesse, die man inzwischen als Massenware um die Ecke kaufen kann.
Der Verlierer ist der vom Aussterben bedrohte Blauflossenthunfisch.
Mark S. Hall hat ihm nun einen Dokumentarfilm mit dem Titel‚ Sushi – The Global Catch‘ gewidmet.

Experten sind sich darüber einige, dass es für das gesamte Ökosystem Meer verheerende Auswirkungen hätte, sollten Blauflossenthunfische aussterben, da sie als große Räuber das sorgsam austarierte Gleichgewicht erhalten.

Das Artenspektrum würde sich verschieben, Krebstiere und Quallen würden massiv zunehmen, Fischarten dramatisch zurückgehen, so Ulrich Karlowski von der Gesellschaft zur Rettung der Delfine in München.

Veröffentlicht durch Lilith Dan