Dienstag, 26. Januar 2016

Jemen – arabia felix - Wie viel Leid wiegt die Macht nach Vorherrschaft auf?

Jemen – arabia felix


Frühe und Alte Geschichte
Durch die Entwicklung von landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen, der Domestizierung des Dromedars und die Kenntnisse über die Monsunwinde im Bereich des Indischen Ozeans erreichten die Südaraber während der Bronzezeit (ca. 2200 v. u. Z.) einen Aufschwung des Handels mit Ostafrika, Indien und dem Mittelmeerraum mit Gewürzen, Weihrauch und Myrrhe.
Das Königreich Saba verdrängte die anderen Königreiche Ma’in, Qataban, Ausan und Hadramaut und übte über vierzehn Jahrhunderte die Vormachtstellung aus.
Mit der Zerstörung des Staudammes von Marib im 6. Jahrhundert geht auch der Untergang des sabäischen Königreichs einher.
Die Römer versuchten erfolglos das Land zu erobern und nannten den Jemen wegen seiner Reichtümer arabia felix, glückliches Arabien.
Im 6. Jahrhundert wurde der Jemen durch das äthiopische Königreich Aksum unter dem König Abrahaerlebt erobert, wobei sich auch das Christentum ausbreitete. Damit verloren die religiösen Riten und damit der Gebrauch von Gewürzen an Bedeutung und deren Handel nahm ab.
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts herrschten im moslemischen Jemen die kurdische Dynastie der Ayyubiden, danach die türkstämmige Dynastie der Rasuliden und zuletzt die Zaiditen, eine schiitische Gruppierung der Haschemiten, die sich auf die direkte Nachfolge des Propheten beruft und bis 1962 die Vorherrschaft im Jemen innehatte.

Neuere Geschichte
Der Nord-Jemen
Arabische Republik Jemen
Im Nord-Jemen mit seiner Hauptstadt Sanaa herrschten wie bereits erwähnt bis 1962 verschiedene zaiditische Imamate. Mit der Hilfe von Ägypten wurde das zaiditische Imamat gestürzt und der Nord-Jemen nannte sich fortan ‚Arabische Republik Jemen‘. Unter der Einflussnahme von Saudi-Arabien und Ägypten entwickelte sich eine Marktwirtschaft.

Der Süd-Jemen
Demokratische Republik Jemen
Durch den Bau des Suezkanals gewann der Süd-Jemen mit der Hauptstadt Aden als Flottenstützpunkt eine strategische Bedeutung für die Briten, den sie nach der Eroberung 1937 zur Kronkolonie erklärten.
Die National Liberation Front of the Occupied South und der National Liberation Front vertrieben im Jahr 1967 die Briten aus ihrem Land.
Ihre sehr westliche Verfassung bekannte sich zum Sozialismus, strebte eine einzige jemenitische Nation an, den Islam als Staatsreligion, die Gleichstellung von Mann und Frau und die wirtschaftliche Kontrolle durch den Staat.
Der Süd-Jemen wurde ein politischer, wirtschaftlicher und militärischer Verbündeter kommunistischer Staaten.

Vereintes Jemen
Der nord-jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh einigte 1990 die beiden Landesteile, die sich zuvor politisch und wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelt hatten, zu einem Vereinten Jemen.
Mit seiner ‚Teile-und-herrsche-Politik säte Saleh Misstrauen zwischen den Stämmen, um sie zu schwächen und marginalisierte die schiitische Strömung des nord-jemenitischen zaiditischen Imamats durch die Ausbreitung des Wahhabismus von Saudi-Arabien.
Rebellen und die anführende Familie al Huthi wehrten sich gegen diese politische und religiöse Marginalisierung der Zaiditen oder Haschemiten mit blutigen Aufständen gegen Saleh.

Kriegsursachen
2012 wurde Abd Rabbo Mansur al-Hadi als einziger Kandidat und bisheriger Stellvertreter Salehs zum Präsidenten gewählt. Da sich aber weder die Korruption noch die humanitäre und wirtschaftliche Lage verbesserte, verlor die neue Regierung an Vertrauen, während die Huthis Zulauf gewannen und 2014 eine Allianz mit dem im Jahr 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdallah Salih eingingen.
Das sunnitische Königshaus in Saudi-Arabien befürchtete die iranische Einflussnahme in Syrien, Bahrein, im Irak, dem Libanon und im Jemen durch die Huthis, so dass König Salman ab März 2015 militärisch gegen den Jemen vorging.
Mit Skepsis und Angst vor einem Bedeutungsverlust beobachtet Saudi-Arabien nun die Annäherung seines Verbündeten USA mit seinem Erzrivalen Iran.
Saudi-Arabien hat mittlerweile durch den gesunkenen Ölpreis, die geringeren Staatseinnahmen, die steigenden Arbeitslosenzahlen und durch die hohen Militärausgaben große Probleme.
Noch ist Präsident Abd Rabbo Mansur al-Hadi als legitimer Vertreter des Jemens durch den Westen anerkannt und die USA und Großbritannien unterstützen die militärische Intervention von Saudi-Arabien mit Waffenlieferungen, doch werden die Stimmen immer lauter, die ein Ende des Konfliktes fordern.

Aktuelle Situation
So kämpfen auf der einen Seite die Allianz der Huthis mit dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Salih gegen die von Saudi-Arabien geführte Allianz mit dem im Januar 2015 zurückgetreten Präsidenten Abd Rabbu Mansur al-Hadi, dem Süd-Jemen, Katar und den VAE.
Legitimiert wird das militärische Eingreifen der von Saudi-Arabien geführten Allianz durch die Sicherheitsratsresolution 2216, die den Rückzug der Huthi-Salih-Allianz aus allen Gebieten fordert.
Der Süd-Jemen begrüßte die Rückeroberung der südlichen Hafenstadt Aden durch die saudische Allianz, da sie den bis 1990 herrschenden Status eines vom Norden unabhängigen Staates wieder anstreben.
Der Süd-Jemen ist aufgrund geringer militärischer Erfahrung und Ausrüstung von der saudischen Allianz abhängig, die weite Teile des Süd-Jemen mit der temporären Hauptstadt Aden staatlich strukturiert.
Einen wachsenden Einfluss gewinnt im Süd-Jemen al-Qaida und der IS, die mittlerweile auch gegen die schiitische Huthi-Salih-Allianz kämpfen.
Der Nord-Jemen mit der Hauptstadt Sanaa ist von der Huthi-Salih-Allianz kontrolliert. Die Saudi-Allianz hat sich im Norden mit oppositionellen Stämmen und der Islah-Partei, ein Sammelbecken aus Stammesführern, Salafis und Anhängern der Muslimbruderschaft, verbündet, um durch Bombardements und Belagerung der Häfen am Roten Meer Waffen- und Benzinlieferungen zu verhindern.
Davon betroffen sind aber auch Lebensmittel und Medizin, so dass große Teile der Zivilbevölkerung von Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung bedroht sind. Viele Jemeniten sind bereits daran gestorben, über 2 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Und es scheint kein Ende in Sicht.
Jeden Tag werden Bilder von zerstörten Gebäuden, darunter auch Schulen und Krankenhäuser, veröffentlicht. Bilder von Toten, von Schwerverletzten, von Kindern, die hilflos in den zerbombten Trümmern stehen und als die nächste Generation hasserfüllt weiterkämpft.

Wie viel Leid wiegt die Macht nach Vorherrschaft auf? 

veröffentlicht von Lilith Dan

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