Dienstag, 26. Januar 2016

Jemen – arabia felix - Wie viel Leid wiegt die Macht nach Vorherrschaft auf?

Jemen – arabia felix


Frühe und Alte Geschichte
Durch die Entwicklung von landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen, der Domestizierung des Dromedars und die Kenntnisse über die Monsunwinde im Bereich des Indischen Ozeans erreichten die Südaraber während der Bronzezeit (ca. 2200 v. u. Z.) einen Aufschwung des Handels mit Ostafrika, Indien und dem Mittelmeerraum mit Gewürzen, Weihrauch und Myrrhe.
Das Königreich Saba verdrängte die anderen Königreiche Ma’in, Qataban, Ausan und Hadramaut und übte über vierzehn Jahrhunderte die Vormachtstellung aus.
Mit der Zerstörung des Staudammes von Marib im 6. Jahrhundert geht auch der Untergang des sabäischen Königreichs einher.
Die Römer versuchten erfolglos das Land zu erobern und nannten den Jemen wegen seiner Reichtümer arabia felix, glückliches Arabien.
Im 6. Jahrhundert wurde der Jemen durch das äthiopische Königreich Aksum unter dem König Abrahaerlebt erobert, wobei sich auch das Christentum ausbreitete. Damit verloren die religiösen Riten und damit der Gebrauch von Gewürzen an Bedeutung und deren Handel nahm ab.
Zu Beginn des 9. Jahrhunderts herrschten im moslemischen Jemen die kurdische Dynastie der Ayyubiden, danach die türkstämmige Dynastie der Rasuliden und zuletzt die Zaiditen, eine schiitische Gruppierung der Haschemiten, die sich auf die direkte Nachfolge des Propheten beruft und bis 1962 die Vorherrschaft im Jemen innehatte.

Neuere Geschichte
Der Nord-Jemen
Arabische Republik Jemen
Im Nord-Jemen mit seiner Hauptstadt Sanaa herrschten wie bereits erwähnt bis 1962 verschiedene zaiditische Imamate. Mit der Hilfe von Ägypten wurde das zaiditische Imamat gestürzt und der Nord-Jemen nannte sich fortan ‚Arabische Republik Jemen‘. Unter der Einflussnahme von Saudi-Arabien und Ägypten entwickelte sich eine Marktwirtschaft.

Der Süd-Jemen
Demokratische Republik Jemen
Durch den Bau des Suezkanals gewann der Süd-Jemen mit der Hauptstadt Aden als Flottenstützpunkt eine strategische Bedeutung für die Briten, den sie nach der Eroberung 1937 zur Kronkolonie erklärten.
Die National Liberation Front of the Occupied South und der National Liberation Front vertrieben im Jahr 1967 die Briten aus ihrem Land.
Ihre sehr westliche Verfassung bekannte sich zum Sozialismus, strebte eine einzige jemenitische Nation an, den Islam als Staatsreligion, die Gleichstellung von Mann und Frau und die wirtschaftliche Kontrolle durch den Staat.
Der Süd-Jemen wurde ein politischer, wirtschaftlicher und militärischer Verbündeter kommunistischer Staaten.

Vereintes Jemen
Der nord-jemenitische Präsident Ali Abdullah Saleh einigte 1990 die beiden Landesteile, die sich zuvor politisch und wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelt hatten, zu einem Vereinten Jemen.
Mit seiner ‚Teile-und-herrsche-Politik säte Saleh Misstrauen zwischen den Stämmen, um sie zu schwächen und marginalisierte die schiitische Strömung des nord-jemenitischen zaiditischen Imamats durch die Ausbreitung des Wahhabismus von Saudi-Arabien.
Rebellen und die anführende Familie al Huthi wehrten sich gegen diese politische und religiöse Marginalisierung der Zaiditen oder Haschemiten mit blutigen Aufständen gegen Saleh.

Kriegsursachen
2012 wurde Abd Rabbo Mansur al-Hadi als einziger Kandidat und bisheriger Stellvertreter Salehs zum Präsidenten gewählt. Da sich aber weder die Korruption noch die humanitäre und wirtschaftliche Lage verbesserte, verlor die neue Regierung an Vertrauen, während die Huthis Zulauf gewannen und 2014 eine Allianz mit dem im Jahr 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdallah Salih eingingen.
Das sunnitische Königshaus in Saudi-Arabien befürchtete die iranische Einflussnahme in Syrien, Bahrein, im Irak, dem Libanon und im Jemen durch die Huthis, so dass König Salman ab März 2015 militärisch gegen den Jemen vorging.
Mit Skepsis und Angst vor einem Bedeutungsverlust beobachtet Saudi-Arabien nun die Annäherung seines Verbündeten USA mit seinem Erzrivalen Iran.
Saudi-Arabien hat mittlerweile durch den gesunkenen Ölpreis, die geringeren Staatseinnahmen, die steigenden Arbeitslosenzahlen und durch die hohen Militärausgaben große Probleme.
Noch ist Präsident Abd Rabbo Mansur al-Hadi als legitimer Vertreter des Jemens durch den Westen anerkannt und die USA und Großbritannien unterstützen die militärische Intervention von Saudi-Arabien mit Waffenlieferungen, doch werden die Stimmen immer lauter, die ein Ende des Konfliktes fordern.

Aktuelle Situation
So kämpfen auf der einen Seite die Allianz der Huthis mit dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Salih gegen die von Saudi-Arabien geführte Allianz mit dem im Januar 2015 zurückgetreten Präsidenten Abd Rabbu Mansur al-Hadi, dem Süd-Jemen, Katar und den VAE.
Legitimiert wird das militärische Eingreifen der von Saudi-Arabien geführten Allianz durch die Sicherheitsratsresolution 2216, die den Rückzug der Huthi-Salih-Allianz aus allen Gebieten fordert.
Der Süd-Jemen begrüßte die Rückeroberung der südlichen Hafenstadt Aden durch die saudische Allianz, da sie den bis 1990 herrschenden Status eines vom Norden unabhängigen Staates wieder anstreben.
Der Süd-Jemen ist aufgrund geringer militärischer Erfahrung und Ausrüstung von der saudischen Allianz abhängig, die weite Teile des Süd-Jemen mit der temporären Hauptstadt Aden staatlich strukturiert.
Einen wachsenden Einfluss gewinnt im Süd-Jemen al-Qaida und der IS, die mittlerweile auch gegen die schiitische Huthi-Salih-Allianz kämpfen.
Der Nord-Jemen mit der Hauptstadt Sanaa ist von der Huthi-Salih-Allianz kontrolliert. Die Saudi-Allianz hat sich im Norden mit oppositionellen Stämmen und der Islah-Partei, ein Sammelbecken aus Stammesführern, Salafis und Anhängern der Muslimbruderschaft, verbündet, um durch Bombardements und Belagerung der Häfen am Roten Meer Waffen- und Benzinlieferungen zu verhindern.
Davon betroffen sind aber auch Lebensmittel und Medizin, so dass große Teile der Zivilbevölkerung von Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung bedroht sind. Viele Jemeniten sind bereits daran gestorben, über 2 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Und es scheint kein Ende in Sicht.
Jeden Tag werden Bilder von zerstörten Gebäuden, darunter auch Schulen und Krankenhäuser, veröffentlicht. Bilder von Toten, von Schwerverletzten, von Kindern, die hilflos in den zerbombten Trümmern stehen und als die nächste Generation hasserfüllt weiterkämpft.

Wie viel Leid wiegt die Macht nach Vorherrschaft auf? 

veröffentlicht von Lilith Dan

Freitag, 1. Januar 2016

Terrorismus – eine andere Art der Kriegsführung

Terrorismus – eine andere Art der Kriegsführung


Definitionen
In den Medien finden sich zahlreiche Definitionen zum Begriff ‚Terrorismus‘, die von verschiedenen Autoren zumeist in einen nationalistischen und separatistischen Terrorismus oder zwischen ‚linkem‘, ‚rechtem‘ und ‚anarchistischem‘, religiösen oder geographischen Terrorismus eingeteilt werden.
Walter Laqueur bemerkte 2003: ‚Es gibt keine philosophische Einführung in die Grundlagen des Terrorismus, keinen Clausewitz, noch nicht einmal einen Jomini, und vielleicht wird sich dies auch nie ändern – einfach deshalb, weil es den Terrorismus nicht gibt, sondern eine Vielzahl von Terrorismen, und was für die eine Spielart gilt, muss nicht notwendigerweise für alle gültig sein. Dem Verständnis des Terrorismus stehen erhebliche Hindernisse entgegen, die nicht zuletzt darin begründet sind, dass kein anderes Thema unserer Zeit derartige Emotionen hervorruft. Das mag zwar nur allzu natürlich sein, trägt zum besseren Verständnis aber nicht bei.‘
Im Oxford English Dictionary erscheint unter dem Stichwort ‚Terrorist‘:
‚Terrorist ist jeder, der versucht, seine Ansichten durch ein System von auf Zwang beruhenden Einschüchterungen durchzusetzen‘.
Das bedeutet, dass sich der Terrorismus als ein geplantes und systematisches Handeln definieren lässt.
In der Dritten Welt werden terroristische Gruppen häufig als ‚Guerilla‘ bezeichnet, da sie sich derselben Mittel wie Mordanschläge, Geiselnahmen, Bombenattentate usw. bedienen.
Vor der Entstehung des IS differenzierte Franz Wördemann die beiden Begriffe ‚Terrorismus‘, und ‚Guerilla‘ wie folgt:
‚Der Guerillero will den Raum, der Terrorist will dagegen das Denken besetzen‘.
Mittlerweile entspricht diese ‚entweder -oder‘ – Definition nicht mehr den Tatsachen, so dass unter der Berücksichtigung des sukzessiven Bedeutungswandels der Begriff neu definiert werden muss.

Terrorismus, Rebellion und Guerillakrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzen einige Länder den Terrorismus gegen ihre Kolonialmächte ein, um ihre Unabhängigkeit zu erlangen. Dabei wurde von Befreiungskämpfen und Freiheitskämpfern gesprochen, die sich auf ihr Recht der nationalen Selbstbestimmung beriefen und gegen Ausbeutung und Unterdrückung zur Wehr setzten.
Häufig werden die Begriffe Terrorismus, Rebellion und Guerillakrieg synonym verwendet, da ihre Methoden und Taktiken kaum zu unterscheiden sind.
Doch gibt es Unterschiede:
Guerillakämpfer sind eine größere bewaffnete Gruppe, die als militärische Einheit feindliche Streitkräfte angreifen, Territorien erobern und kontrollieren.
Rebellen hingegen zetteln einen Aufstand oder eine Rebellion an, um mit Hilfe einer ausländischen Macht die nationale Regierung zu beseitigen.
Terroristen treten nicht offen als militärische Einheit auf, erobern keine Territorien und meiden jeden offenen Kampf.
Zwischen den getrennten Kategorien gibt es allerdings immer wieder Überschneidungen. So werden Terrorgruppen wie Hisbolla, FARC und LITTE häufig als Guerillagruppen definiert, da sie auch Territorien kontrollieren.
Im Global Patterns of Terrorism wird auf das Problem der Unterscheidung hingewiesen, da ‚die Grenze zwischen Aufstand und Terrorismus zunehmend verwischt wurde‘.
‚Was Terrorismus genannt wird, scheint also vom eigenen Standpunkt abzuhängen‘, so Brian Jenkins.
Im Abschlussbericht des Unterausschusses der NATO heißt es: ‚Mord, Entführung, Brandstiftung und andere verbrecherische Taten stellen kriminelles Verhalten dar, aber viele nichtwestliche Nationen haben gezögert, wenn es darum ging, etwas als Terrorakte zu verdammen, was sie als Teil der Kämpfe um die nationale Befreiung betrachten‘.
Dieser Argumentation zufolge wird Terrorismus ‚durch das Wesen der Tat und nicht aufgrund der Identität der Täter oder der Natur ihres Anliegens‘ definiert.
Die UN folgte dieser Argumentation und verabschiedete die Definition als Internationales Übereinkommen zur Bekämpfung terroristischer Bombenanschläge.
In den 90-er Jahren definierten Analysten den Begriff des Terrorismus als ‚Drohungen gegen die Stabilität von Nationalstaaten durch nichtstaatliche Akteure, außerstaatliche Entwicklungen und nicht Regierungsorganisationen‘.
Nach dem 11.09.2001 erweiterte sich der Begriff des Terrorismus der ‚sowohl die dunklen Kräfte umfasst, welche die Zivilisation bedrohen, als auch die Ängste, die daraus entstehen‘ (Geoffrey Nunberg).

Der Bedeutungswandel des Terminus ‚Terrorismus‘
und dessen Internationalisierung
Im Laufe der Zeit hat sich auch an dem Begriff ‚Terrorismus‘ einen Bedeutungswandel vollzogen, der allerdings in seiner Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Daher ist heute lediglich die Annäherung einer eindeutigen Definition des Terminus ‚Terrorismus‘ vorzuziehen.
Nach der französischen Revolution verknüpfte Edmund Burke den Begriff ‚Terrorismus‘ mit Missbrauch von Amt und Macht: ‚Tausende von jenen Höllenhunden, die man Terroristen nannte….und auf das Volk losließ‘.
Die industrielle Revolution mit ihren sozioökonomischen Veränderungen brachte den Kommunismus hervor und mit ihm eine Propaganda der Tat, eine Form des Materialismus, den Carlo Pisacane wie folgt definierte:
‚Die Propaganda der Idee ist ein Schreckensgespenst. Ideen gehen aus Taten hervor und nicht umgekehrt, und das Volk wird nicht frei durch Bildung, sondern gebildet in der Freiheit‘.
Für ihn war Gewalt nicht nur notwendig, um Aufmerksamkeit zu erregen, sondern auch um zu informieren, zu bilden und die Volksmasse zu einen. Das Primat der Gewalt, so Pisacane, könne nie durch Kampfschriften, Plakate oder Veranstaltungen ersetzt werden.
Narodnaya Wolya,
Diese Maxime wurde 1878 von einer kleinen russischen Gruppe, den Narodnaya Wolya, in die Praxis umgesetzt, indem sie Repräsentanten der korrupten und tyrannischen Regierung auswählten und ermordeten (1881: Zar Alexander II.).
Die Gruppe beeinflusste mit ihrer Tat u. a. auch die im Entstehen begriffene anarchistische Bewegung, die den Tyrannenmord als ein Mittel zur Durchsetzung ihrer revolutionären Ziele feierte.
Die folgenden dezentralen und unkoordinierten Attentate der Anarchisten erschwerten die Entdeckung, Ermittlung und Verhütung, was die Ängste in der Bevölkerung weiter schürte.
Irish Republican Brotherhood
Die in Irland unter der englischen Fremdherrschaft entstandene Irish Revolutionary Brotherhood und die in den USA durch irische Einwanderer gegründete Fenian Brotherhood waren weder antimonarchisch noch anarchistisch motiviert, sondern nationalistisch und separatistisch.
Ihre Strategie und Taktik des ‚jetzt oder nie‘ durch Gewalteinsatz hatte einen großen Einfluss auf folgende ‚Terroristen-Generationen‘.
Sie verschmolzen in der Organisation ‚Glan na Grael‘ (Vereinigte Iren), dessen geistiger Vater, Jeremia O’Donovan Rossa, zusammen mit Patrick Ford, Herausgeber der Irish World, eine neue Dynamik des Terrors entwickelte.
Ford beschrieb am Ende des 19. Jahrhunderts die ‚Skirmisher‘ (Scharmützler) als Helden, die ‚über Land und Meer fliegen wie unsichtbare Wesen und bald in Irland, bald in Indien, bald in England selbst zuschlagen, sobald die Gelegenheit sich bietet‘, die wir heute transnationale Terroristen nennen.
Sie erkannten, dass für die Durchführung von Terroraktionen Geld erforderlich ist, die sie durch Spendenkampagnen für den ‚skirmisher fund‘ erzielten und je erfolgreicher die Terroranschläge, desto größer auch die Spendenbereitschaft.
Der Unterschied zwischen der Narodnaya Wolya und der Glan na Grael, die sich nun Irish Republican Brotherhood (IRB) nannte, bestand darin, dass die irische Gruppe durch den Einsatz von Bomben mit Zeitzündern auch das Leben von Unbeteiligten in Kauf nahm.
Mit der Verlegung ihrer Basis ins Ausland, um sich damit vor dem direkten Zugriff des Gegners zu schützen und um ungehindert Aktionen vorzubereiten, war die irische Gruppe ihrer Zeit voraus. Auch heute noch gelten diese Muster und Vorgehensweisen als Standards terroristischer Aktivitäten.
PLO
Mit der PLO beginnt die weltweite Vernetzung terroristischer Organisationen. Terroristische Gruppen aus Asien, Afrika, Nordamerika, Europa und dem Nahen Osten wurden von der PLO in ihren Lagern in Jordanien, Libanon, Jemen usw gegen ein Kursgebühr zwischen $ 5.000 und $10.000 ausgebildet, was der PLO bis Mitte der 80-er Jahre ein jährliches Einkommen von ca. $ 600 Millionen bescherte. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie bei ihrer Gründung im Jahr 1964 über keine finanziellen Mittel verfügten.
Noch heute vermittelt die PLO mit ihrer politischen Machtstellung und ihrem internationalen Einfluss eine bedeutende Botschaft an die unterdrückten Völker in der Welt, obwohl sie kein großes Interesse am Umsturz der internationalen Ordnung hat.

Religiös motivierter Terrorismus
Die Verbindung von Religion und Terrorismus geht in der uns bekannten Geschichte bis zu den Zeloten zurück, die sich gegen die römische Besatzung in ihrem Land mit Anschlägen wehrten.
In Indien terrorisierten und töteten die Thugs im Namen der Hindugöttin Kali im Laufe von 1200 Jahren über eine Million Menschen.
Die Assassinen oder Haschischesser waren eine muslimisch-schiitische Sekte, die versuchten, die Kreuzfahrer durch Attentate und Meuchelmord zu bekämpfen. Sie waren davon überzeugt, dass diejenigen, die während der Tat starben, in das Paradies kommen. Eine Überzeugung, die bis heute in islamisch motivierten Terrorgruppen zu finden ist.
Viele Terroristengruppen wie z. B. al-Qaida werden durch ihr Religionsverständnis zu terroristischen Handlungen motiviert und von geistlichen Autoritäten gerechtfertigt.
Durch die von Gott befohlene Gewalt erhält der Terrorakt eine transzendentale Dimension, die sich von politischen und moralischen Gesetzen befreit sieht. Der außerhalb des Systems stehende Kämpfer beansprucht für sich, die absolute Wahrheit zu kennen und durch den ‚heiligen Terror‘ der Menschheit den wahren Weg zu zeigen.
Ayatollah Khomeini erklärte ein Jahr nachdem der Iran eine islamische Republik wurde, dass die weltweite Ausbreitung das Ziel der fundamentalistischen Interpretation des islamischen Religionsgesetzes sei.
Ayatollah Baqer al-Sadr schrieb: ‚Die Welt ist heute so, wie andere sie geschaffen haben. Uns bleiben nur zwei Möglichkeiten: entweder sie demütig anzuerkennen, was dem Untergang des Islam gleichkäme, oder aber sie zu zerstören, so dass wir die Welt so schaffen können, wie es der Islam fordert‘.
Und Hussein Mussawi, frühere Anführer der Hizbollah im Libanon beschreibt das Ziel genauer: ‚Wir kämpfen nicht, damit unser Feind uns anerkennt und uns etwas anbietet. Wir kämpfen, um den Feind aus dem Weg zu räumen‘.
Ähnlich argumentiert die Hamas, die keine Nachsicht gelten lässt, solange der Feind Israel nicht ausgerottet und Palästina nicht befreit ist.
Für Osama Bin Laden und seine weltweit agierende Terrorgruppe Al-Qaida ist das aggressive Amerika das Land, das den Islam attackiert und daher vernichtet werden muss.
Selbstmordterrorismus
Zu Beginn der 1990er Jahre breitete sich der meist religiös motivierte Selbstmordterrorismus weltweit aus, da er effizienter und effektiver ist als die üblichen terroristischen Attentate. Zwei Bedingen sind zu erfüllen: die Bereitschaft zu töten und die Bereitschaft zu sterben.
Der Tod des Attentäters wird vorausgesetzt, die Gesamtkosten sind gering, der psychologische Effekt groß.
‚Wir haben nichts zu befürchten. Der Tod ist etwas, das wir ersehnen‘, sagte Bin Laden 1997 in einem Interview zu einem CNN-Reporter.
Die meisten Selbstmordanschläge wurden von der Terrorgruppe Hamas durchgeführt. Neben Sprengstoff werden auch Schusswaffen, Messer und andere Waffen für die Attentate eingesetzt.
Selbstmordanschläge untergraben bei der verängstigten Bevölkerung das Vertrauen in ihren Staat und sie fordern verstärkte Sicherheitsmaßnahmen, die mit dem Verlust der persönlichen Freiheit einhergehen.
Im Jahr 2004 erklärte Ayman al-Zawahiri: ‚Bush, verstärke deine Sicherheitsmaßnahmen! Die islamische Nation, die dir die New Yorker und Washingtoner Brigaden geschickt hat, ist fest entschlossen, dir weitere Brigaden zu schicken., die Tod säen und ins Paradies eingehen werden‘.

Dezentrale Strukturen der Terrorgruppen
Mittlerweile agieren Terrorgruppen in einer dezentralen Struktur, die in selbst organisierten und autonomen Zellen ohne äußere Befehlskette und ohne Kenntnis anderer Anhänger ihre Ziele planen und durchführen. Dadurch ist eine Infiltration für staatliche Institutionen kaum möglich.
Dieses dezentrale Netzwerk stellt eine neue Form der terroristischen Vereinigung dar. Ihre Gemeinsamkeit ist ihre Ideologie, die in keine feste Befehlsstruktur eingebunden ist.
‚Die Organisationsstruktur ist recht flach. Es gibt keinen zentralen Führer oder Kommandeur. Das Netzwerk als Ganzes verfügt nur über eine geringe oder gar keine Hierarchie. Es kann durchaus mehrere Führer geben. Entscheidungen werden dezentral getroffen, Operationen dezentral durchgeführt, auf der Grundlage einer konsultativen Konsensbildung, die lokale Initiative und Autonomie zulässt. Der Aufbau ist sowohl azephal als auch polyzephal, hat kein bestimmtes Herz und keinen bestimmten Kopf, auch wenn nicht alle Knoten nach demselben Muster aufgebaut sind‘ (Arquilla; Ronfeldt).
Mit ihren terroristischen Einzelaktionen versuchen sie, die Ziele der Terrororganisation zu verwirklichen und sich damit medial Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die meisten Einzeltäter besitzen wohl wenig Erfahrung, sind aber, laut einem FBI-Dokument, die größte einheimische terroristische Bedrohung. Sie beziehen ihre ideologische Inspiration in aller Regel von formellen terroristischen Organisationen, aber sie operieren an den Rändern dieser Bewegungen‘.

Die Anwerbung neuer Terrormitglieder
Die Terroristen der heutigen Generation können mit modernen Kommunikationsmittel ebenso gut umgehen wie mit Waffen. Propaganda ist für die Terroristen von zentraler Bedeutung, da sie mit Hilfe moderner Massenkommunikation ihre Botschaften weltweit schnell und gleichzeitig vermittelt.
‚Propaganda verleiht ihren Urhebern Autorität. Erstens beweist eine Guerillagruppe allein schon durch die Verbreitung einer vom Staat unterdrückten Information, dass sie eine reale Kraft darstellt. Zweitens kann eine Gruppe, wenn sie Auge und Ohr des Volkes erreicht, die Menschen manipulieren und sie zu Handlungen bewegen, die sie sonst vielleicht nicht ausführen würden. Oder wenn sie nicht so erfolgreich sind, erregt ihre Botschaft wenigstens die Aufmerksamkeit derer, die sie lesen, hören oder sehen‘ (Rand Corporation, 1991).
Mit gezielter Berichterstattung wird versucht, das Vertrauen an die Regierung zu schwächen und Sympathie und Unterstützung für die eigene Sache zu gewinnen.

Das Internet als Instrument für die Anwerbung von Kämpfern und Spendern
Für die Anwerbung von neuen Mitstreitern und wachsenden Sympathisanten sind die neuen Medien unersetzlich geworden. Fast alle Terrorgruppen bedienen sich des Internes in verschiedenen Sprachen, um ihre professionell gestalteten Inhalte in der ganzen Welt werbewirksam zu verbreiten.
So verfügen die meisten Terrororganisationen über ihre eigenen Websites und bedienen sich der sozialen Medien, um gekonnt eine medienkundige Generation anzusprechen und sie über die Geschichte und Ziele ihres Widerstands zu informieren, sie mit aktuellen Nachrichten, ausführlichen Artikeln über den Stand ihres Kampfes und Informationen über ihre(n) Gründer zu versorgen.
Dabei werden Bilder und Filme über die für Gewalt, Zerstörung und Tod verantwortlichen Feinde veröffentlicht.
Besonderes arabische Terrororganisationen benutzen gekonnt das Internet um Propaganda zu verbreiten, andere Gruppen einzubinden und Spendengelder zu sammeln.
Auf der Website der Hizbollah im Libanon fanden sich Informationen über ihre Geschichte, ihre sozialen und politischen Aktivitäten, ihre Hilfe für verwundete Widerstandskämpfer, ihr Kampf gegen Unterdrückung und für Menschenrechte, Werbung für ihren eigenen TV-Sender usw., aber nirgends die grausamen Resultate ihrer bewaffneten Aktionen.
Ähnlich agierte die Hamas im Internet unter der Adresse ‚Palästinensisches Informationszentrum‘. Die Website-Besucher wurden zu Interaktionen im Diskussionsforum aufgefordert oder eingeladen, sich an Demonstrationen zu beteiligen. Spender wurden aufgerufen, mit ihrem Geld den Widerstand für die Befreiung des muslimische Palästina zu unterstützen. In einer Nachricht für Spender war zu lesen: ‚Lieber Spender. Bitte teilen Sie uns mit, wofür das von Ihnen gespendete Geld nach Ihrer Vorstellung am ehesten verwendet werde soll, z. B. für Märtyreranschläge, für den Kauf von Waffen für Mudschaheddin, für die Ausbildung der Jugend oder für die Erfindung und Entwicklung von Raketen, Granatwerfern oder Sprengstoffen‘ (Kelly, Militants wire Web with links to jihad).
Die Seite ‚kavkaz.com‘ erinnert an den Palästinenser Abdullah Azzam, der zu Beginn der 1980-er Jahre nach Afghanistan ging, um gegen die sowjetische Besatzung zu kämpfen und später als Unterstützer und Weggefährte von Osama bin Laden die Terrororganisation ‚al Qaida‘ gründete. Auf der Website wurde für den weltweiten Dschihad geworben, Freiwillige rekrutiert und Geld für die Taliban gesammelt.
Nach Ansicht von FBIS-Analytiker war die Seite ein ‚Paradebeispiel für den Eintritt in ein neues Zeitalter der Propaganda‘. Auf ihrer Seite fanden sich Videos, Fotos, Chatrooms, Umfragen und Angebote für die aktive Mitarbeit.
Drei zentrale Botschaften gehören zum Kernbestand der Websites von Terrorgruppen: ‚Erstens, dass der Westen dem Islam zutiefst feindlich gesonnen sei; zweitens, dass Gewalt die einzige Möglichkeit sie, dieser Bedrohung entgegenzutreten, da der Westen nur die Sprache der Gewalt verstehe; und drittens, dass der Dschihad deshalb die einzige Wahl darstelle‘ (Eedle, Terrorism.com, The Guardian).
Bis zum 11. September besaß al-Qaida als einzige Website ‚alneda.com‘, die in Gedichten die Märtyrer und den Kampf gegen die Feinde des Islam verklärte. Nachdem sich Ayman al-Zawahiri mit der Gruppe zusammenschloss, wurden die Dschihad-Kämpfer mit praktischen Ratschlägen zu Guerilla-Operationen aufgefordert, in den Irak zu gehen und gegen die Kreuzzügler zu kämpfen.
Der IS bedient sich aller modernen Kommunikationsmittel im Internet, um Kämpfer zu rekrutieren, Sympathisanten zu gewinnen und Spenden zu akquirieren.
Dabei benutzt der IS alle Formen der zentralen und dezentralen Kriegsführung gegen seinen ‚ungläubigen‘ westlichen Feind, um eine weltweite Theokratie zu errichten.

Terrorismus ist ein Streben nach Macht, um mit den Methoden der Einschüchterung und Gewalt einen fundamentalen politischen Umsturz zu bewirken.
Der Terrorismus kann nur mit denselben innovativen und dynamischen Waffen bekämpft werden.

veröffentlicht von Lilith Dan